Briefspiel:Spiel der Füchse/Allein der Gedanke: Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „{Halboffiziell}}{{:Briefspiel:Spiel der Füchse}} ''"... bitte ich Euch, mein Projekt zu finanzieren. Wir werden nicht nur eine fruchtbare Weingegend wiedererstarken lassen und so sicher viele Dukaten einbringen, sondern auch mit einer nicht unerheblichen Chance eine völlig neue Handelsroute erschließen. Alle, die dies wünschen, dürfen sich jetzt eine Kopie des Ausschnittes aus dem Tagebuch ansehen, der die Existenz des Passes in die Khôm in der heu…“ |
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''"Ausgezeichnete Idee."'', kam es gleichzeitig von Alvinia. Doriana funkelte sie mit einem 'Wir-beide-reden-später'-Blick an. ''"Was ich sagen wollte:"'', nahm die Ältere den Faden wieder auf. ''"Meine Seminare fangen erst eine Woche nach den hiesigen Feierlichkeiten wieder an. Also ja, ich kann noch einen Abstecher nach Urbasi einplanen.”''<br> | ''"Ausgezeichnete Idee."'', kam es gleichzeitig von Alvinia. Doriana funkelte sie mit einem 'Wir-beide-reden-später'-Blick an. ''"Was ich sagen wollte:"'', nahm die Ältere den Faden wieder auf. ''"Meine Seminare fangen erst eine Woche nach den hiesigen Feierlichkeiten wieder an. Also ja, ich kann noch einen Abstecher nach Urbasi einplanen.”''<br> | ||
Beide Schwestern lächelten gleichzeitig und fast sah es so aus, als würden sie auch gemeinsam antworten, aber es war Phÿllis, die deutlicher zu vernehmen war..''"Dann ist es beschlossen, wir begleiten euch nach Urbasi. Ich treffe mich gleich mit unserer Mutter und werde es ihr mitteilen. Wir bereiten uns zusammen auf das nächste Spiel vor. Wird jemand von euch Signoras bei Rote und Weiße Kamele teilnehmen?"'' | Beide Schwestern lächelten gleichzeitig und fast sah es so aus, als würden sie auch gemeinsam antworten, aber es war Phÿllis, die deutlicher zu vernehmen war..''"Dann ist es beschlossen, wir begleiten euch nach Urbasi. Ich treffe mich gleich mit unserer Mutter und werde es ihr mitteilen. Wir bereiten uns zusammen auf das nächste Spiel vor. Wird jemand von euch Signoras bei Rote und Weiße Kamele teilnehmen?"'' | ||
====Erstes Aufbegehren==== | |||
Der Streit hatte längst die Grenzen eines gewöhnlichen Wortwechsels überschritten. | |||
[[Phÿllis ya Pirras]] stand am Fenster, die Arme vor der Brust verschränkt. Neben ihr lehnte ihre Schwester [[Ancalita ya Pirras|Ancalita]], die angehende Kriegerin, mit finsterem Gesicht. Ihnen gegenüber stand ihre Mutter [[Feodora ya Pirras]]. Auf dem Boden lag das Spiel Rote und Weiße Kamele verstreut.<br> | |||
Spannung lag in der Luft, als Fedora mit einem drohenden Unterton sprach ''„Ich frage euch zum letzten Mal: Mit wem habt ihr verhandelt?“'' Keine Antwort. ''„Welches Haus, welche Familie?“''<br> | |||
Phÿllis wandte den Blick vom Fenster ab. ''„Das spielt keine Rolle.“ „Es spielt sehr wohl eine Rolle! Ihr beginnt hinter meinem Rücken Verhandlungen über eure Anstellung, obwohl ich euch ausdrücklich gesagt habe, dass ihr das nicht tun sollt, und dann weigert ihr euch auch noch, mir zu sagen mit wem!“'' Ancalita antwortete genauso barsch ''„Weil wir wussten, dass du es uns verbieten würdest.“'' Feodora starrte sie an. ''„Damit habt ihr es ja selbst ausgesprochen.“ „Nein. Damit haben wir ausgesprochen, dass wir dich kennen.“ „Was soll das heißen?“ „Dass du immer entscheidest, was gut für uns ist. Wo wir hingehen. Wem wir dienen. Was wir tun sollen. Und wenn wir etwas anderes wollen, ist es plötzlich Dummheit, Undankbarkeit oder Eigennutz.“''<br> | |||
Feodora deutete strafend mit dem Finger auf beide Mädchen. ''„Weil es Eigennutz ist! Ihr habt begonnen euch eine Stellung zu suchen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was eure Entscheidungen für die [[Haus ya Pirras|Familie]] bedeuten.“'' Phÿllis lachte bitter. ''„Die Familie.“ „Ja. Die Familie.“ „Interessant, dass du dieses Wort gerade jetzt benutzt.“'' Feodora versteifte sich. ''„Was soll das heißen?“'' Phÿllis trat langsam auf sie zu. Im Schatten war eine leichte Bewegung zu sehen, aber Feodora deutete mit einem Fingerzeig an, dass ihre [[Sefira saba Karim|Leibwächterin]] sich ruhig verhalten sollte. ''„Du hast uns doch jahrelang wissen lassen, welchen Platz wir in dieser Familie haben.“'', fuhr Phÿllis fort. ''„Ich habe euch beide großgezogen.“ „Du hast uns untergebracht.“'', warf Ancalita ein. ''„Was?“ „Untergebracht. Das ist etwas anderes.“'' Ihre Stimme zitterte, doch sie wich dem Blick ihrer Mutter nicht aus. ''„Wir waren dir im Weg. Das haben wir früh verstanden. Die arkan Begabte kam dorthin, wo sie ihre Ausbildung bekommen konnte. Ich kam dorthin, wo man mich gebrauchen konnte. Hauptsache, wir waren nicht zu Hause.“ „Das ist eine niederträchtige Lüge.“'', schnappte Feodora. <br> | |||
Traurig erwiderte Phÿllis ''„Ist es das?“'' Sie trat zurück ans Fenster. ''„Wann hast du uns zuletzt gefragt, was wir wollen? Nicht, was vernünftig wäre. Nicht, was sich für die Familie schickt. Nicht, was dir am wenigsten Schwierigkeiten bereitet. Uns.“ „Ich habe euch alles ermöglicht!“ „Nein. Du hast uns Dinge ermöglicht, die du für richtig hieltest.“ „Ihr seid unglaublich." „Und du bist überrascht, dass wir irgendwann selbst entscheiden?“'' Mit Verachtung in der Stimme ergänzte Ancalita: ''„Wir wollten nie deine Erlaubnis.“'' Stille. <br> | |||
Phÿllis durchbrach diese. ''„Wir wollten einmal, dass du uns sagst, dass du uns brauchst.“'' Das Gesicht Feodoras verhärtete sich. ''„Ich habe euch gebraucht.“ „Nein.“'' Das Wort kam ruhig, beinahe sanft. ''„Du hast gebraucht, dass wir funktionieren.“'' Feodora schlug mit der Hand auf den Tisch. ''„Genug! Ihr habt keine Ahnung, was ich für euch getan habe!“ „Und du hast keine Ahnung, wie es war, von dir fortgeschickt zu werden.“'', schrie Ancalita ihre Mutter an. ''„Ich habe euch fortgeschickt, damit ihr eine Zukunft habt!“ „Eine Zukunft ohne dich.“''<br> | |||
Die Worte hingen schwer im Raum. | |||
Feodora sah ihre Töchter an, als hätte man ihr einen Schlag versetzt. ''„Ihr seid undankbar.“ „Vielleicht.“ „Nein. Nicht vielleicht. Ihr seid es. Ich habe mich für euch aufgeopfert, und nun lauft ihr hinter meinem Rücken zu irgendeiner Familie, weil ihr glaubt, dort sei das Leben besser!“ „Vielleicht ist es das.“ „Ihr erbärmlichen kleinen Gören.“''<br> | |||
Ancalita machte einen Schritt nach vorn. Die Leibwächterin trat aus dem Schatten. ''„Nenn uns nicht so.“ „Warum nicht? Ihr benehmt euch wie verwöhnte Kinder, denen man einmal zu oft den Kopf gestreichelt hat.“ „Du hast uns nie den Kopf gestreichelt.“'', entgegnete Phÿllis leise.<br> | |||
Feodora schwieg. ''„Das ist doch der Kern von allem, nicht wahr? Du verlangst Dankbarkeit für eine Kindheit, in der wir uns nie geliebt gefühlt haben.“'' Feodora öffnete den Mund, fand jedoch zunächst keine Antwort. ''„Ihr wisst nicht, was ihr sagt.“ „Doch. Zum ersten Mal sagen wir es.“''<br> | |||
Mit einem falschen Grinsen im Gesicht sprach Ancalita:''„Du willst wissen, mit wem wir verhandelt haben?“'' Feodora sah sie gespannt an. Phÿllis trat neben ihre Schwester und hielt sie am Arm fest. ''„Nein.“ „Nein?“„Noch nicht.“ „Ihr wagt es…“''. Feodora lief im Gesicht rot an. Trotzig unterbrach Phyllis sie ''„Ja. Wir wagen es.“'' Ihre Stimme blieb ruhig. ''„Denn wenn du wirklich wissen willst, was wir tun, dann sprich mit uns. Nicht wie mit Kindern, die du herumkommandieren kannst. Und nicht wie mit undankbaren Dienern, die dir etwas schulden.“'' <br> | |||
Ancalita trat neben ihre Schwester. ''„Wir schulden dir kein Leben, das du für uns ausgesucht hast.“ „Nach allem, was ich für euch getan habe...“ „Genau das ist es.“'' | |||
Ancalita sah ihrer Mutter direkt in die Augen. ''„Du zählst alles auf, was du für uns getan hast. Aber nie fragst du, was wir gebraucht hätten.“''<br> | |||
Lange sagte niemand etwas. Schließlich setzte sich Feodora und durchbrach die Stille. ''„Ich verspreche nicht, dass ich euch zustimmen werde. Aber ich will wissen, wer euch glaubt, kaufen zu können.“'' | |||
Ein bitteres Lächeln erschien auf Phÿllis’ Lippen. ''„Und vielleicht wollen wir wissen, warum du glaubst, uns verkaufen zu können.“'' | |||
Feodora hob den Blick. Der Streit war damit nicht beendet. Dies war erst der Anfang. | |||
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