Chronik Ramaúds/Eine Frage der Nachfolge: Unterschied zwischen den Versionen
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Dajanidra beendete gerade ein Gespräch mit einem Werftarbeiter, als sie überrascht innehielt. Vor ihr stand Phelizzio d'Antara, gestützt auf einen verzierten Gehstock und begleitet von zwei Männer seiner Hausgarde, der Palmyramischen Wache, die respektvoll hinter ihm standen. Die beiden Männer trugen tulamidische Tuchrüstung und Turbane und symbolisierten den aranischen Einfluss der Familie d'Antara. ,,Liebe Freundin, es tut gut dich zu sehen", begrüßte Phelizzio die immer noch irritierte Dajanidra mit einer Verbeugung und einem herzlichen Lächeln. | Dajanidra beendete gerade ein Gespräch mit einem Werftarbeiter, als sie überrascht innehielt. Vor ihr stand Phelizzio d'Antara, gestützt auf einen verzierten Gehstock und begleitet von zwei Männer seiner Hausgarde, der Palmyramischen Wache, die respektvoll hinter ihm standen. Die beiden Männer trugen tulamidische Tuchrüstung und Turbane und symbolisierten den aranischen Einfluss der Familie d'Antara. ,,Liebe Freundin, es tut gut dich zu sehen", begrüßte Phelizzio die immer noch irritierte Dajanidra mit einer Verbeugung und einem herzlichen Lächeln.<br> | ||
Die Zunftmeisterin der Zimmerer, Schiffs- und Bootsbauer zählte inzwischen über 80 Götterläufe. Doch ihre ungebeugte Haltung und ihr noch immer kräftiger Händedruck straften ihr Alter Lügen. Unter Vertretern ihres Handwerks begrüßte man sich auf diese Weise, doch Phelizzio umarmte seine alte Freundin auch. | Die Zunftmeisterin der Zimmerer, Schiffs- und Bootsbauer zählte inzwischen über 80 Götterläufe. Doch ihre ungebeugte Haltung und ihr noch immer kräftiger Händedruck straften ihr Alter Lügen. Unter Vertretern ihres Handwerks begrüßte man sich auf diese Weise, doch Phelizzio umarmte seine alte Freundin auch.<br> | ||
Mittlerweile hatte sie ihre Überraschung überwunden, schob eine weiße Strähne hinters Ohr und sagte: “So einnehmend wie jeher, Meister Phelizzio. Euer geradezu südländisches Auftreten habt Ihr seit Euren Tagen als Geselle nicht verloren. Aber Ihr hättet Euch ankündigen sollen. Jetzt hab ich gar nichts vorbereitet”, bedauerte sie. | Mittlerweile hatte sie ihre Überraschung überwunden, schob eine weiße Strähne hinters Ohr und sagte: “So einnehmend wie jeher, Meister Phelizzio. Euer geradezu südländisches Auftreten habt Ihr seit Euren Tagen als Geselle nicht verloren. Aber Ihr hättet Euch ankündigen sollen. Jetzt hab ich gar nichts vorbereitet”, bedauerte sie.<br> | ||
Phelizzio hob die Hand. ,,Ich weiß, ich überfalle dich durch meine plötzliche Anwesenheit, doch ich war nie ein Freund von langem Briefwechsel bezüglich wichtiger Themen. Ich möchte mir hier die Lage persönlich anschauen und dir mit Rat und Tat direkt zur Seite stehen. Deine Angelegenheiten sind, wie wir bereits brieflich kurz angeschnitten haben, sehr wichtig. Doch bitte führe mich etwas herum und lass uns erstmal uns gegenseitig belügen, wie wacker und tadellos wir in der Jugend waren". Mit dem letzten Satz und einem weiteren Lachen entlockte Phelizzio Dajanidra ebenfalls ein Lächeln. | Phelizzio hob die Hand. ,,Ich weiß, ich überfalle dich durch meine plötzliche Anwesenheit, doch ich war nie ein Freund von langem Briefwechsel bezüglich wichtiger Themen. Ich möchte mir hier die Lage persönlich anschauen und dir mit Rat und Tat direkt zur Seite stehen. Deine Angelegenheiten sind, wie wir bereits brieflich kurz angeschnitten haben, sehr wichtig. Doch bitte führe mich etwas herum und lass uns erstmal uns gegenseitig belügen, wie wacker und tadellos wir in der Jugend waren". Mit dem letzten Satz und einem weiteren Lachen entlockte Phelizzio Dajanidra ebenfalls ein Lächeln.<br> | ||
Seit seinem letzten Besuch in der Hafenstadt hatte sich mehr verändert, als der Gast angesichts deren traditionsbewusster Einwohner erwartet hatte. Das galt auch für die Werft, die ihm die alte Meisterin wie erhofft zuerst zeigte. | Seit seinem letzten Besuch in der Hafenstadt hatte sich mehr verändert, als der Gast angesichts deren traditionsbewusster Einwohner erwartet hatte. Das galt auch für die Werft, die ihm die alte Meisterin wie erhofft zuerst zeigte.<br> | ||
An einigen mechanischen Neuerungen erkannte d’Antara untrüglich den modernisierenden Einfluss der Deganos aus Sewamund. Konkurrenz im selben Handwerk wie seine Familie, nicht grundlos erfolgreich. | An einigen mechanischen Neuerungen erkannte d’Antara untrüglich den modernisierenden Einfluss der Deganos aus [[Sewamund]]. Konkurrenz im selben Handwerk wie seine Familie, nicht grundlos erfolgreich.<br> | ||
Er hoffte, dass ihr Einfluss in Ramaúd nicht zu groß war. Indes: Seit der Aufspaltung der Familie Degano vor rund zwei Götterläufen war es insbesondere um die Schiffbauerin Alesia still geworden, die zuvor den engsten Kontakt zur Ramaúder Werft gehabt hatte. | Er hoffte, dass ihr Einfluss in Ramaúd nicht zu groß war. Indes: Seit der Aufspaltung der [[Familie Degano]] vor rund zwei Götterläufen war es insbesondere um die [[Alesia Degano|Schiffbauerin Alesia]] still geworden, die zuvor den engsten Kontakt zur Ramaúder Werft gehabt hatte.<br> | ||
Phelizzio entging nicht, dass der ein oder andere Arbeiter, der letzte Gewerke an der auf Stapel liegenden Pinasse ausführte, hin und wieder einen Blick zu den beiden Palmyramiden warf. Auch eine pockennarbige Kämpferin, die weder verbergen konnte noch wollte, dass sie zur Bewachung der Werft eingesetzt war, folgte mit den Augen Dajanidra, ihm und seinen Begleitern. Die Wachsamkeit hatte seit der versuchten Zerstörung der | Phelizzio entging nicht, dass der ein oder andere Arbeiter, der letzte Gewerke an der auf Stapel liegenden Pinasse ausführte, hin und wieder einen Blick zu den beiden Palmyramiden warf. Auch [[Flavia Lingetti|eine pockennarbige Kämpferin]], die weder verbergen konnte noch wollte, dass sie zur Bewachung der Werft eingesetzt war, folgte mit den Augen Dajanidra, ihm und seinen Begleitern. Die Wachsamkeit hatte seit der versuchten Zerstörung der “[[Rahjalina auf den Wellen (Schiff)|Rahjalina auf den Wellen]]” folglich nicht nachgelassen, wenn an einem Schiff gebaut wurde.<br> | ||
,,Hier hat sich ordentlich was getan, meine Freundin”, bemerkte Phelizzio und studierte mit einigen Blicken die Veränderungen. ,,Doch wer nicht Erneuerungen wagt, wird überrumpelt mit der Zeit, das sagte auch schon mein Vater.” | ,,Hier hat sich ordentlich was getan, meine Freundin”, bemerkte Phelizzio und studierte mit einigen Blicken die Veränderungen. ,,Doch wer nicht Erneuerungen wagt, wird überrumpelt mit der Zeit, das sagte auch schon mein Vater.”<br> | ||
Sein Blick fiel im Vorbeigehen auf einige Häuser und Menschen. ,,Sie zollen dir immer noch Respekt, Dajanidra, weißt du das?”, sagte Phelizzio. | Sein Blick fiel im Vorbeigehen auf einige Häuser und Menschen. ,,Sie zollen dir immer noch Respekt, Dajanidra, weißt du das?”, sagte Phelizzio.<br> | ||
Die Angesprochene lächelte leicht und meinte: ,,Das bringt wohl das Alter mit sich. Umso mehr schauen sie auf meine Entscheidungen, weil diese Auswirkungen auf ihre Zukunft haben können.” | Die Angesprochene lächelte leicht und meinte: ,,Das bringt wohl das Alter mit sich. Umso mehr schauen sie auf meine Entscheidungen, weil diese Auswirkungen auf ihre Zukunft haben können.”<br> | ||
,,Dann gib Ihnen einen Grund, auf längere Zeit beruhigt zu sein”, schlug Phelizzio vor. Er führte seinen Vorschlag aus und offenbarte den wahren Grund seines persönlichen Erscheinens in Ramaud: ,,Dajanidra. Ich bin nicht nur wegen der alten Zeiten hierher gekommen, sondern um dir ernsthaft einen Vorschlag für deine Nachfolge anzubieten. Ich biete dir meine Familie als befreundeten und verlässlichen Nachfolger für deine Stimme im Rat und deine Rolle als Zunftmeister an.” | ,,Dann gib Ihnen einen Grund, auf längere Zeit beruhigt zu sein”, schlug Phelizzio vor. Er führte seinen Vorschlag aus und offenbarte den wahren Grund seines persönlichen Erscheinens in Ramaud: ,,Dajanidra. Ich bin nicht nur wegen der alten Zeiten hierher gekommen, sondern um dir ernsthaft einen Vorschlag für deine Nachfolge anzubieten. Ich biete dir meine Familie als befreundeten und verlässlichen Nachfolger für deine Stimme im Rat und deine Rolle als Zunftmeister an.” <br> | ||
Er beobachtete Dajanidras nachdenklichen Gesichtausdruck. “Du erinnerst dich doch sicher noch an Sandro, meinen Neffen? Er kann in Sachen Schiffsbau und Durchsetzungskraft uns beiden mehr als ebenbürtig sein, ich habe ihn dazu bereits befragt und er steht dir zu Verfügung, wenn du ihm dein Vertrauen schenkst. Meines hat er und ich kann nicht stolzer sein. Was sagst du dazu?” | Er beobachtete Dajanidras nachdenklichen Gesichtausdruck. “Du erinnerst dich doch sicher noch an Sandro, meinen Neffen? Er kann in Sachen Schiffsbau und Durchsetzungskraft uns beiden mehr als ebenbürtig sein, ich habe ihn dazu bereits befragt und er steht dir zu Verfügung, wenn du ihm dein Vertrauen schenkst. Meines hat er und ich kann nicht stolzer sein. Was sagst du dazu?”<br> | ||
“Lang her, dass ich ihn gesehen habe”, sagte die Alte und hielt an, um zu verschnaufen. Auf ihrem gemächlichen Spaziergang von der Werft aus durchs Hafenviertel hatten sie eine erhöhte Stelle erreicht, von der aus man bis zum Tempel von Wind und Wogen und weit übers Meer der Sieben Winde schauen konnte. | “Lang her, dass ich ihn gesehen habe”, sagte die Alte und hielt an, um zu verschnaufen. Auf ihrem gemächlichen Spaziergang von der Werft aus durchs Hafenviertel hatten sie eine erhöhte Stelle erreicht, von der aus man bis zum [[Tempel von Wind und Wogen]] und weit übers Meer der Sieben Winde schauen konnte.<br> | ||
Die Zunftmeisterin blickte auf das Treiben an den Anlegestellen hinab und lehnte sich gegen ein Mäuerchen, ehe sie fortfuhr: “Welchem Geschäft geht er dieser Tage nach? Ist er Eurer Familie abkömmlich? Auf welche Weise soll er hier in Ramaúd Fuß fassen?” | Die Zunftmeisterin blickte auf das Treiben an den Anlegestellen hinab und lehnte sich gegen ein Mäuerchen, ehe sie fortfuhr: “Welchem Geschäft geht er dieser Tage nach? Ist er Eurer Familie abkömmlich? Auf welche Weise soll er hier in Ramaúd Fuß fassen?”<br> | ||
Dajanidra schaute Phelizzio bei diesen Fragen nicht an. Ihre Augen waren auf einen Dreimaster gerichtet, der in der Ferne, wohl von Kuslik kommend, Kurs Südwest steuerte. | Dajanidra schaute Phelizzio bei diesen Fragen nicht an. Ihre Augen waren auf einen Dreimaster gerichtet, der in der Ferne, wohl von Kuslik kommend, Kurs Südwest steuerte.<br> | ||
,,Er ist ebenfalls als Schiffsbauer in Efferdas tätig und hat zudem eine Begabung für Konstruktionspläne kleinerer Schiffstypen entwickelt. Noch dazu weiß er, wie er sich durchsetzen kann, eine Eigenschaft die heute umso wichtiger ist, nicht wahr? Er würde dir hier bereitwillig zur Verfügung stehen und deinen Platz im Rat würdig ausfüllen. Wäre Baron Gishtan bereit, ihn in den Rat zu berufen und zu bestätigen?” Phelizzio folgte ihrem Blick und blieb schweigend neben ihr stehen. Er bot ihr seinen Arm als Stütze an. | ,,Er ist ebenfalls als Schiffsbauer in [[Efferdas]] tätig und hat zudem eine Begabung für Konstruktionspläne kleinerer Schiffstypen entwickelt. Noch dazu weiß er, wie er sich durchsetzen kann, eine Eigenschaft die heute umso wichtiger ist, nicht wahr? Er würde dir hier bereitwillig zur Verfügung stehen und deinen Platz im Rat würdig ausfüllen. Wäre Baron Gishtan bereit, ihn in den Rat zu berufen und zu bestätigen?” Phelizzio folgte ihrem Blick und blieb schweigend neben ihr stehen. Er bot ihr seinen Arm als Stütze an.<br> | ||
Dajanidra hakte sich bei Phelizzio unter. Gemeinsam schritten sie langsam eine grob in Richtung des Efferdtempels führende Gasse entlang. | Dajanidra hakte sich bei Phelizzio unter. Gemeinsam schritten sie langsam eine grob in Richtung des Efferdtempels führende Gasse entlang.<br> | ||
“Ein Mann auf dem Stand der Zeit also, mit Blick in die Zukunft, Euer Sandro”, fasste sie zusammen. “So jemand täte Ramaúd gut, und er könnte die Unterstützung der Fortschrittlichen in Zunft und Rat gewinnen.” Sie klang wohlgesonnen. | “Ein Mann auf dem Stand der Zeit also, mit Blick in die Zukunft, Euer Sandro”, fasste sie zusammen. “So jemand täte Ramaúd gut, und er könnte die Unterstützung der Fortschrittlichen in Zunft und Rat gewinnen.” Sie klang wohlgesonnen.<br> | ||
Doch als der Besucher ihren Sohn erwähnte, wurde ihr Griff um seinen Arm fester. “Ich mache Euch keinen Vorwurf, mein Lieber, sagte sie mit ernster Stimme, “aber Eure Frage belegt, dass Ihr nicht aus Ramaúd kommt und als Auswärtiger naturgemäß wenig über Interessen und Zusammenhänge hier wisst.” | Doch als der Besucher ihren Sohn erwähnte, wurde ihr Griff um seinen Arm fester. “Ich mache Euch keinen Vorwurf, mein Lieber, sagte sie mit ernster Stimme, “aber Eure Frage belegt, dass Ihr nicht aus Ramaúd kommt und als Auswärtiger naturgemäß wenig über Interessen und Zusammenhänge hier wisst.”<br> | ||
“Bitte erkläre”, bat der Efferdier. Sie nickte und tätschelte ihm, unerwartet, aber wohlmeinend, den Oberarm. “Der Baron mag der vom Horas anerkannte Herrscher über Land und Stadt Ramaúd sein. Doch seine Macht wird durch Gesetz und Tradition begrenzt. Und der Rat ist nicht nur das, was der Name besagt, eine Versammlung, die den Baron in seinen Entscheidungen berät. Vielmehr der Zusammenschluss aller einflussreichen Familien und Gruppen der Stadt, der diese Entscheidungen in vielen Fällen vorbereitet.” | “Bitte erkläre”, bat der Efferdier. Sie nickte und tätschelte ihm, unerwartet, aber wohlmeinend, den Oberarm.<br> | ||
“Der Baron mag der vom Horas anerkannte Herrscher über Land und Stadt Ramaúd sein. Doch seine Macht wird durch Gesetz und Tradition begrenzt. Und der Rat ist nicht nur das, was der Name besagt, eine Versammlung, die den Baron in seinen Entscheidungen berät. Vielmehr der Zusammenschluss aller einflussreichen Familien und Gruppen der Stadt, der diese Entscheidungen in vielen Fällen vorbereitet.”<br> | |||
Sie hielt an einem Stand, der laut eines Schilds Brombeersaft mit Quellwasser verkaufte. Mit zwei ausgestreckten Fingern bestellte sie für sich und ihren Begleiter. | “[[Gishtan re Kust|Hochgeboren Gishtan]]”, nun klang sie etwas verlegen, “mein Sohn, entscheidet nicht darüber, wer dem Rat angehört. Selbst die Maestra - dieser Tage ein Maestro -, das Stadtoberhaupt, wird von der Ratsversammlung gewählt.”<br> | ||
Während der einfältig blickende Bursche am Stand zwei Tonbecher füllte, fuhr sie fort: “Wenn Ihr wollt, dass | Sie hielt an einem Stand, der laut eines Schilds Brombeersaft mit Quellwasser verkaufte. Mit zwei ausgestreckten Fingern bestellte sie für sich und ihren Begleiter.<br> | ||
Phelizzio nahm einen der Tonbecher, reichte ihn an Dajanidra weiter, nahm den zweiten entgegen und gab dem Händler ein paar Münzen. Er hob die Hand in Richtung seiner alten Freundin, um ihr damit zu sagen, dass er sie einlud und darauf beharrte. Die beiden tranken vom süßlichen Getränk und Phelizzio schmeckte der Saft, sodass er leicht schmunzelte. | Während der einfältig blickende Bursche am Stand zwei Tonbecher füllte, fuhr sie fort: “Wenn Ihr wollt, dass Sandro d’Antara Mitglied des Rats wird, muss meine Zunft ihn zum Zunftmeister wählen. Damit Euer Neffe sich um meine Nachfolge bewerben kann - wofür ich ihn vorschlagen könnte, wenn er sich mir vorgestellt hat -, muss er in die Zunft aufgenommen sein und von den Meistern mit Mehrheit gewählt werden- Damit er aufgenommen werden kann, müsste er sich als zünftiger Handwerker - also als Bootsbauer - in Ramaúd niederlassen. So ist das bei uns Recht und Brauch, geschätzter Phelizzio. Eine kürzere Route gibt es nicht, genauso wenig wie man auf einer Karavelle die Segel hissen kann, bevor der Kiel gelegt und der Mast aufgerichtet ist.”<br> | ||
,,Verzeih bitte wegen Seiner Hochgeborenheit. Es lag mir fern einen Anstoß zu erregen”, entschuldigte sich der Efferdier mit einer Verbeugung. | Phelizzio nahm einen der Tonbecher, reichte ihn an Dajanidra weiter, nahm den zweiten entgegen und gab dem Händler ein paar Münzen. Er hob die Hand in Richtung seiner alten Freundin, um ihr damit zu sagen, dass er sie einlud und darauf beharrte. Die beiden tranken vom süßlichen Getränk und Phelizzio schmeckte der Saft, sodass er leicht schmunzelte.<br> | ||
,,Bezüglich der Eignung von Sandro und seinem Talent, auch die standfestesten Meinungen zu beeinflussen, bin ich von ihm überzeugt.” | ,,Verzeih bitte wegen Seiner Hochgeborenheit. Es lag mir fern einen Anstoß zu erregen”, entschuldigte sich der Efferdier mit einer Verbeugung. ,,Bezüglich der Eignung von Sandro und seinem Talent, auch die standfestesten Meinungen zu beeinflussen, bin ich von ihm überzeugt.”<br> | ||
Die beiden tranken aus, gaben die Becher zurück und gingen weiter. Phelizzio begann wieder: ,,Ich werde für die rechtliche Sache unseren Familienanwalt der Bolburri konsultieren und auch Sandro soll einen Brief erhalten, mit der Bitte, sich hierhin aufzumachen. Das wird dir auch die Gelegenheit geben, dich von ihm überzeugen. Verzeih mir meine dreiste Frage, liebe Freundin, wie würdest du deinem potentiellen Nachfolger Unterstützung zuteilwerden lassen? Jeder Hilfe ist eine Hilfe, Dajanidra”. | Die beiden tranken aus, gaben die Becher zurück und gingen weiter. Phelizzio begann wieder: ,,Ich werde für die rechtliche Sache unseren [[Sozietät Bolburri|Familienanwalt der Bolburri]] konsultieren und auch Sandro soll einen Brief erhalten, mit der Bitte, sich hierhin aufzumachen. Das wird dir auch die Gelegenheit geben, dich von ihm überzeugen. Verzeih mir meine dreiste Frage, liebe Freundin, wie würdest du deinem potentiellen Nachfolger Unterstützung zuteilwerden lassen? Jeder Hilfe ist eine Hilfe, Dajanidra”.<br> | ||
Das Fruchtgetränk schien der Alten neue Kraft gegeben zu haben, denn sie schritt nun leichter neben dem Jüngeren her. Oder war es die Zuversicht, mit seiner Unterstützung die Bürde ihres Amts weitergeben zu können? | Das Fruchtgetränk schien der Alten neue Kraft gegeben zu haben, denn sie schritt nun leichter neben dem Jüngeren her. Oder war es die Zuversicht, mit seiner Unterstützung die Bürde ihres Amts weitergeben zu können?<br> | ||
“Einen Rechtskundigen hinzuzuziehen ist eine sinnvolle Entscheidung”, lobte sie. “Kündigt mir aber an, wann Sandro mit diesem Bolburri kommt. Eine vorläufige Bleibe werde ich dann für die beiden finden.” | “Einen Rechtskundigen hinzuzuziehen ist eine sinnvolle Entscheidung”, lobte sie. “Kündigt mir aber an, wann Sandro mit diesem Bolburri kommt. Eine vorläufige Bleibe werde ich dann für die beiden finden.”<br> | ||
Sie wies auf eines der hohen schmalen Häuser entlang ihres gemeinsamen Weges: "Euch wird aufgefallen sein, dass manch Gebäude in der Stadt leer steht. So sollte es nicht schwer sein, für Euren Neffen auch eine längerfristige Wohnung zu finden, in der er auch die Geschäfte in Ramaúd führen kann. Was meinerseits darüber hinaus gehen kann…” | Sie wies auf eines der hohen schmalen Häuser entlang ihres gemeinsamen Weges: "Euch wird aufgefallen sein, dass manch Gebäude in der Stadt leer steht. So sollte es nicht schwer sein, für Euren Neffen auch eine längerfristige Wohnung zu finden, in der er auch die Geschäfte in Ramaúd führen kann. Was meinerseits darüber hinaus gehen kann…”<br> | ||
Sie hielt wieder inne, überlegte und beschied dann: “Keiner meiner Söhne hat mein Handwerk ergriffen. Es wäre somit der leichteste Weg für Sandro, einen ersten Schritt in die Zunft zu tun, wenn er meine Werkstätte übernähme. Doch darüber und über Weiteres möchte ich mit ihm selbst beraten, wenn er sich mir vorstellt.” | Sie hielt wieder inne, überlegte und beschied dann: “Keiner meiner Söhne hat mein Handwerk ergriffen. Es wäre somit der leichteste Weg für Sandro, einen ersten Schritt in die Zunft zu tun, wenn er meine Werkstätte übernähme. Doch darüber und über Weiteres möchte ich mit ihm selbst beraten, wenn er sich mir vorstellt.”<br> | ||
,,Gewiss doch, Dajanidra. Ich werde unverzüglich Schreiben aufgeben und per Eilkurier nach Efferdas und Unterfels schicken.” | ,,Gewiss doch, Dajanidra. Ich werde unverzüglich Schreiben aufgeben und per Eilkurier nach Efferdas und Unterfels schicken.”<br> | ||
Inzwischen war der Efferdtempel am Nordrand des Hafens wieder in Sicht. Dajanidra wies auf das Sakralgebäude: “Lasst uns unsere angenehme und hoffentlich in eine gute Zukunft weisende Unterhaltung beschließen und zum Herrn von Wind und Wogen beten. Lasst uns ihm ein Opfer bringen, auf dass die Familien d’Antara und re Kust künftig gemeinsam unter seinem Schutz wirken können.” | Inzwischen war der Efferdtempel am Nordrand des Hafens wieder in Sicht. Dajanidra wies auf das Sakralgebäude: “Lasst uns unsere angenehme und hoffentlich in eine gute Zukunft weisende Unterhaltung beschließen und zum Herrn von Wind und Wogen beten. Lasst uns ihm ein Opfer bringen, auf dass die Familien d’Antara und re Kust künftig gemeinsam unter seinem Schutz wirken können.” | ||
Phelizzio nickte und folgte seiner alten Freundin. | Phelizzio nickte und folgte seiner alten Freundin. | ||
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