Briefspiel:Die Vistelli-Drillinge: Unterschied zwischen den Versionen

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„Gut“, sagte er leise. „Dann spielen wir.“<br>
„Gut“, sagte er leise. „Dann spielen wir.“<br>
Tief in ihm begann sich ein Plan zu formen. Wobei, es war kein richtiger Plan, noch nicht, aber eine Richtung.
Tief in ihm begann sich ein Plan zu formen. Wobei, es war kein richtiger Plan, noch nicht, aber eine Richtung.
===Der Weg nach Norden===
Noch vor Sonnenaufgang verließ Lorion den Palazzo. Er tat es nicht heimlich, dafür war er zu sehr Vistelli, aber er tat es leise.<br>
Der Himmel über Sewamund war bleich wie ausgewaschene Seide, und über den Kanälen hing feiner Nebel. Die Stadt war wach, doch noch nicht laut. Die Fischer schoben ihre Karren zum Hafen, irgendwo schlug ein Schmied gegen Metall, als wolle er dem Morgen Form geben.<br>
Lorion trug einen schlichten Reisemantel, das Haar fast unfrisiert, kein Familienwappen, keine Klinge. Nur ein kleines Gepäckbündel am Sattel und der Ausdruck eines Mannes, der beschlossen hatte, sich nicht mehr ganz von anderen erklären zu lassen, wer er war.<br>
Die Magd Fenja stand im Innenhof, als er das Pferd hinausführte.<br>
„Ihr reitet schon los?“ fragte sie leise.<br>
Lorion hielt kurz inne. „Ja.“<br>
Sie nickte, als habe sie mit keiner anderen Antwort gerechnet. Dann trat sie näher und reichte ihm ein in Tuch gewickeltes Paket.<br>
„Rowena meinte, Ihr würdet vergessen zu essen.“<br>
Lorion nahm das Bündel entgegen und musste lächeln. „Das klingt nach ihr.“<br>
Fenja zögerte. „Kommt Ihr zurück?“<br>
Er sah zur Straße hinaus. „Ja“, sagte er schließlich. „Aber vermutlich anders.“<br>
Dann schwang er sich in den Sattel und ritt los.
Nördlich von Sewamund wurde die Welt weiter. Einzelne Häuser lagen verstreut, der Wind roch stärker nach Salz und feuchtem Gras, und die Straße auf dem Deich zog sich wie eine helle Narbe durch die Landschaft. Lorion ritt schweigend.<br>
Zuerst waren es nur Kleinigkeiten, ein zerbrochenes Wagenrad halb im Schlamm. Ein Stück Stoff im Geäst eines Weidenzauns. Verbrannte Erde. Dann kam das eigentliche Schlachtfeld.<br>
Der Norderkoog lag still unter dem grauen Himmel. Dort, wo vor wenigen Wochen Männer geschrien hatten, standen nun Krähen zwischen umgewühlter Erde. Einige der hastig errichteten Gräben waren bereits halb eingefallen. Über dem Boden lagen noch immer dunkle Flecken, die weder Regen noch Zeit ganz fortgewaschen hatten.<br>
Lorion zügelte sein Pferd. Er erinnerte sich. An Rauch, an das Sirren des eigenen Atems, an Rondrians Stimme. An den Augenblick, als er begriffen hatte, dass Schlachten nicht aus Heldentum bestanden, sondern aus Entscheidungen.<br>
Ein Windstoß fuhr über die Ebene. Und dort, weiter vorne, etwas erhöht auf einem flachen Hügel, einer Warft, lag [[Gut Norderkoog]].


[[Bild:Familie Vistelli 1048_2.jpg|thumb|300px|Die Vistellis 1048 BF]]
[[Bild:Familie Vistelli 1048_2.jpg|thumb|300px|Die Vistellis 1048 BF]]


[[Kategorie:Briefspiel in Sewamund|Briefspiel in Sewamund]]
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