Briefspiel:Efferds Zorn: Unterschied zwischen den Versionen
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Über den Dächern von [[Sewamund]] hingen schwere, dunkle Wolken wie die Faust eines erzürnten Gottes, als die Flut unbarmherzig über die Stadt hereinbrach. Seit Tagen hatten die Bewohner den Regen ertragen, aber jetzt war das Wasser gekommen, um sich zu nehmen, was ihm zustand. Die meisten Menschen hatten sich in ihre Häuser zurückgezogen, Türen verriegelt und Fenster verrammelt, während das Meer gegen die Hafenmauern donnerte. Nur wenige, wie der Deicharbeiter Angold, blieben draußen, standen knietief im Wasser und versuchten, zu retten, was noch zu retten war.<br> | Über den Dächern von [[Sewamund]] hingen schwere, dunkle Wolken wie die Faust eines erzürnten Gottes, als die Flut unbarmherzig über die Stadt hereinbrach. Seit Tagen hatten die Bewohner den Regen ertragen, aber jetzt war das Wasser gekommen, um sich zu nehmen, was ihm zustand. Die meisten Menschen hatten sich in ihre Häuser zurückgezogen, Türen verriegelt und Fenster verrammelt, während das Meer gegen die Hafenmauern donnerte. Nur wenige, wie der Deicharbeiter Angold, blieben draußen, standen knietief im Wasser und versuchten, zu retten, was noch zu retten war.<br> | ||
Er war ein kräftiger Mann, an die Stürme und Fluten des Siebenwindigen Meeres gewöhnt, doch dieser Tag brachte eine besondere Kälte mit sich. Sie kroch ihm durch die Kleidung, ins Mark, und der Wind schnitt durch die Gassen wie die Klinge eines unsichtbaren Messers. Um ihn herum tobte die Natur, als hätte Efferd selbst beschlossen, der Stadt eine Lektion zu erteilen. Viele glaubten daran. In den letzten Stunden hatten die Stimmen unter den alten Fischern zugenommen, die von vergessenen Opfern und dem Zorn des Meeresgottes sprachen.<br> | Er war ein kräftiger Mann, an die Stürme und Fluten des Siebenwindigen Meeres gewöhnt, doch dieser Tag brachte eine besondere Kälte mit sich. Sie kroch ihm durch die Kleidung, ins Mark, und der Wind schnitt durch die Gassen wie die Klinge eines unsichtbaren Messers. Um ihn herum tobte die Natur, als hätte Efferd selbst beschlossen, der Stadt eine Lektion zu erteilen. Viele glaubten daran. In den letzten Stunden hatten die Stimmen unter den alten Fischern zugenommen, die von vergessenen Opfern und dem Zorn des Meeresgottes sprachen.<br> | ||
Er watete durch das schäumende Wasser, seinen Blick auf den Kai gerichtet, wo Boote an ihren Leinen rissen und sich loszulösen drohten. Er konnte nur hilflos zusehen, wie der uralte Kutter "Seepferd" gegen die steinernen Pfeiler der Sewakbrücke geschleudert wurde. Das alte Boot brach in zwei Hälften, das Holz splitterte unter der Gewalt des Wassers und ein dumpfes Krachen drang über das Tosen des Sturms hinweg.<br> | Er watete durch das schäumende Wasser, seinen Blick auf den Kai gerichtet, wo Boote an ihren Leinen rissen und sich loszulösen drohten. Er konnte nur hilflos zusehen, wie der uralte Kutter "Seepferd" gegen die steinernen Pfeiler der [[Sewakbrücke]] geschleudert wurde. Das alte Boot brach in zwei Hälften, das Holz splitterte unter der Gewalt des Wassers und ein dumpfes Krachen drang über das Tosen des Sturms hinweg.<br> | ||
Doch das war nicht das einzige Geräusch, das die Luft zerriss.<br> | Doch das war nicht das einzige Geräusch, das die Luft zerriss.<br> | ||
Über das Dröhnen der Wellen hinweg, weit über dem Kai, hörte er das ächzende Stöhnen eines Bauwerks, das schon seit Generationen stand: der [[Sewamunder Leuchtturm|Leuchtturm]] von Sewamund, einst das stolze Wahrzeichen der Stadt. Mitten im Sturm stand er noch immer aufrecht, doch das Wasser hatte sich längst bis zu seinem Fundament gefressen. Angold sah, wie eine besonders hohe Welle gegen den Turm schlug und ihn zum Schwanken brachte.<br> | Über das Dröhnen der Wellen hinweg, weit über dem Kai, hörte er das ächzende Stöhnen eines Bauwerks, das schon seit Generationen stand: der [[Sewamunder Leuchtturm|Leuchtturm]] von Sewamund, einst das stolze Wahrzeichen der Stadt. Mitten im Sturm stand er noch immer aufrecht, doch das Wasser hatte sich längst bis zu seinem Fundament gefressen. Angold sah, wie eine besonders hohe Welle gegen den Turm schlug und ihn zum Schwanken brachte.<br> | ||