Archiv:Prunkvolle Zeremonie im Palazzo Phecadien (BB 49)

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Prunkvolle Zeremonie im Palazzo Phecadien
Baron Dareius Amarinto verleiht Titel und Amtern an treue Weggefahrten
von
Rodeman ter Hoever

Sewamund – Der Phexmond 1046 BF wird in die Annalen der Baronie Sewamund eingehen, denn in den prunkvollen Sälen des freiherrlichen Stadtpalastes, geschmückt mit den Lilienbannern und dem phecadischen Drachen, versammelten sich Edelleute, Offiziere, Patrizier und Delegationen aus halb Phecadien – und nicht wenige Sewamunder Bürger drängten sich auf der Piazza Tarenion um wenigstens einen Blick auf die Feierlichkeiten zu erhaschen.
Baron Dareius Amarinto, das Oberhaupt des alten phecadischen Rittergeschlechts, seit seiner Einsetzung durch Herzog Cusimo Garlischgrötz und Khadan-Horas als neuer Baron von Sewamund bestätigt, nutzte den Anlass, um verdiente Gefährten seines Aufstiegs zu ehren und ihnen ihre treuen Dienste zu vergelten. Die Veranstaltung war nicht nur ein Ausdruck persönlicher Dankbarkeit, sondern eine politische Erklärung: Die neue Baronie Sewamund gründet auf Loyalität, Tapferkeit und dem engen Band mit ihren Verbündeten.

Den Auftakt der Zeremonie bildete die Erhebung dreier langjähriger Weggefährtinnen und Freunde des Barons zu Cavallieri. Mit festem, aber warmem Tonfall rief der Zeremonienmeister Muracio Dossarando zunächst Orleane ya Pirras vor, eine enge Vertraute des Barons. Ihr folgte Nandura Ollantur, Tochter der traditionsreichen Theaterdynastie aus Ruthor, eine frühere Knappin des Barons welche ihm auf dem Schlachtfeld zur Seite gestanden hatte. Die nächste Erhebung zur Cavalliera empfing Larona ya Scarpone, die hochgewachsene Kriegerin mit den rotblonden Haaren, die den Baron sowohl im Turnier als auch auf dem Schlachtfeld beeindruckte.

Unter den neuen Cavallieri der Baronie fanden sich jedoch nicht nur Gefährtinnen des Barons, sondern auch wie zu erwarten war Mitglieder seines Hauses: Cariana Amarinto, seine Schwester und gefeierte Turnierstreiterin, trat in voller Paraderüstung vor ihren Bruder. Ebenso erhielten Araccio Amarinto, sein Vetter und ein Vertrauter in militärischen und politischen Fragen, sowie Arion Amarinto, sein Adjutant und erfahrener Waffenmeister, die Erhebung in den Rang eines Cavalliere.
Ein weiterer Höhepunkt der Feier war die Ernennung mehrerer Esquirii. Besonders still wurde es im Saal, als der Baron Gilia von Ardenhain vor sich treten ließ, einst Knappin seines verstorbenen Onkels Rimaldo. Ihre Ernennung zur Esquiria, so der Baron, sei nicht nur eine Ehrung, sondern auch eine Wiedergutmachung für alles Leid, welches ihr zuteilwurde im Dienst des Hauses Amarinto.
Kurz darauf wurde Ralman Amarinto, der junge Ritter mit klarer Stimme vorgestellt und zum Esquirio erhoben. Der Baron würdigte seine Tapferkeit, die er trotz seiner Jugend im Feld mehrfach bewiesen habe.

Eine besondere Ehre galt daraufhin dem aus dem Gjalskerland stammenden Condottiere Gon Arradh bren Bartakh. In einer bewegenden Ansprache erklärte Dareius, dass Mut und Loyalität wie sie der erfahrene Krieger aus dem hohen Norden verkörperte jedem horasischen Adligen gut zu Gesicht stehen würden. Dem wortkargen Kämpfer wurde ein erblicher Esquirio-Titel verliehen – eine Geste von solcher Tragweite, dass selbst altehrwürdige Patrizier ins Raunen verfielen. Damit tritt zum ersten Mal in der Geschichte des Horasreichs ein vermeintlicher Barbar aus den Gjalskerlanden in den phecadischen Erbadel ein.
Nach ihrer Erhebung zur Cavalliera erhielt Larona ya Scarpone noch eine weitere Auszeichnung: Der Baron ernannte sie zur neuen Kastellanin der Festung Ardenhain bei Osthzweyg, einem strategisch bedeutsamen Bollwerk im Norden der Baronie an der Bomeder Straße.

Der ergreifendste Moment des Tages ereignete sich, als der Baron seine Schwester Cariana Amarinto erneut vor sich treten ließ. Vor der versammelten Gesellschaft sprach er über die Bedeutung der Familie, über die Kämpfe, die sie geführt, und die Opfer, die sie gebracht hatte. Dann öffnete er ein kleines Samtkästchen und enthüllte den Siegelring Rondrician I. Amarinto, des Ahnherrn ihres Hauses. Mit diesem Zeichen übertrug er Cariana die Herrschaft über die Stammländereien des Hauses Amarinto rund um das gleichnamige Dorf.
Cariana, die sonst selbst im Turnier oder auf dem Schlachtfeld für ihre Selbstdisziplin bekannt war, konnte die Tränen nicht verbergen. Der Applaus, der darauf folgte, schien kein Ende zu nehmen.

Doch der Baron hatte noch eine letzte Überraschung vorbereitet. Er wandte sich an Methelessa Gerber, die junge Knappin seiner Schwester, die ursprünglich aus Efferdas stammt. Die Knappin, die in den Kämpfen stets an Carianas Seite stand, erwartete an diesem Tag vermutlich nichts weiter als eine lobende Erwähnung. Stattdessen erhob der Baron sie zur Esquiria – „für ihren mutigen und aufopferungsvollen Einsatz unter dem Banner des Hauses Amarinto“. Methelessas ungläubiger Blick und ihre schüchterne Verbeugung wurden weithin als einer der schönsten Momente des Abends empfunden.
Nach dem Ende der Zeremonie verwandelten sich die Hallen des Palazzo Phecadien in eine prächtige Festhalle. Eine Kapelle aus Vinsalt spielte horasische Tänze. Auf langen Tafeln wurden Delikatessen aus dem ganzen Reich gereicht: Austern von den Zyklopeninseln, mariniertes Wild aus Baliiri, gedämpfte Yaquirforellen, kandierte Mandeln aus Vinsalt und reichlich Wein aus Belhanka.

Noch bis spät in die Nacht feierten die Geehrten, ihre Familien und die geladenen Gäste Seite an Seite. Auch die Armen der Stadt sollten teilhaben an diesem Fest und erhielten üppige Almosen aus dem Säckel des Barons.
Mit dieser weitreichenden Zeremonie hat Baron Dareius Amarinto nicht nur treue Gefährten geehrt, sondern zugleich den Grundstein für ein neues Kapitel der politischen und gesellschaftlichen Ordnung im Sewaktal gelegt. Das Haus Amarinto, während des Sewamunder Resolutionsaufstandes kurzzeitig am Rande der Zerschlagung stehend, ist nun wieder erstarkt – eingebettet in ein Geflecht von Bündnissen, Loyalitäten und persönlichen Beziehungen, das die Zukunft der Baronie Sewamund entscheidend prägen wird.

RTH