Saya Tribêc
Saya Simiona Tribêc galt in jungen Jahren als aussichtsreichste Nachfolgerin ihres Vaters Gomer Tribêc und wurde am Hof von Farsid früh mit den Künsten höfischer Diplomatie vertraut gemacht. Zeitgenossen beschrieben sie als höflich, zurückhaltend und von jener unangenehmen Aufmerksamkeit, die einen glauben lässt, durchschaut zu sein.
|
Die ältere Schwester der Daria Tribêc wurde infolge einer familieninternen Entscheidung nicht Herrin von Tribêc und folgte der Familie auch nicht nach Sewamund nach, sondern blieb in Farsid. Die Entscheidung soll offiziell einvernehmlich erfolgt sein, hinter vorgehaltener Hand sprach man jedoch von langen Gesprächen, verletztem Stolz und alten Bündnissen innerhalb der Familie. Saya selbst äußerte sich niemals öffentlich dazu.
Sie blieb mit ihrem Gemahl Nepolemo Illgur aus Nervuk in Farsid und diente am herzoglichen Hofe. Dort stellte sie über Jahrzehnte Kontakte zu anderen Adligen, Gelehrten, Offizieren, Künstlern und manch unzufriedenen Personen her. Nicht wenige politische Gerüchte kamen ihr dort zu Ohren, beobachtet sie doch seitdem die Geschicke am Hofe und in der Stadt und geht gelegentlich anderen Familienmitgliedern zur Hand, wobei sie sich politisch angenehm zurückhält und ihren Lebensabend genießt.
Aus ihrer Ehe gingen sechs Kinder hervor: Elissa, Alverano, Aldare, Leomar, Ingrimich und Rondriane. Während einige ihrer Nachkommen enge Bindungen zu Sewamund entwickelten, blieben andere mehr dem phecadischen Hinterland verbunden.
Besonders eng verbunden bleibt Saya ihrer ältesten Tochter Elissa. Ihrem Sohn Alverano hingegen begegnet sie mit kühler Distanz, da er sich früh ehrgeizigen Interessen zuwandte und Sayas vorsichtige Zurückhaltung als Schwäche betrachtete. Aldare soll den stillen Stolz ihrer Mutter geerbt haben.
Zu ihrer Schwester Daria pflegte Saya zeitlebens ein höfliches, aber frostiges Verhältnis. Saya galt als die gefährlich aufmerksamere der beiden Schwestern. Es heißt, dass keine der beiden je eine Beleidigung der anderen vergaß.
Wegen ihres hohen Alters wird Saya gelegentlich von Angehörigen des Hauses Tribêc aufgesucht, insbesondere, wenn Verpflichtungen, Erbfragen oder vergessene Bündnisse eine Rolle spielen. Es soll kaum ein Familiengeheimnis existieren, das der alten Hofdame unbekannt sei.


Gerüchte
- Angeblich unterhielt sie in jungen Jahren eine heimliche Korrespondenz mit einem Gelehrten aus Vinsalt, der später der Ketzerei beschuldigt wurde.
- Einige ihrer Enkel behaupten, die Baronessa erkenne Besucher bereits an deren Schritt auf dem Korridor.
- Es hält sich hartnäckig das Gerücht, sie habe mehr über familiäre Gründe ihres Verzichts auf Tribêc verraten, als sie selbst wahrhaben will: Vor vielen Jahren beim Wein, sehr spät in der Nacht.
