Haus Raloff

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Das Haus Raloff ist der Sewamunder Wohn- und Arbeitssitz der aus Efferdas stammenden Familie Raloff. Es liegt an der Mehlstraße in der Neustadt, auf halbem Wege zwischen der Piazza Nodo und dem Mühlentor. Das Anwesen wurde von der Familie nach ihrer Rückkehr nach Phecadien im Jahr 1046 BF mit finanzieller Unterstützung der Architektin Bende ter Groot erworben und ausgebaut.

Das Haus Raloff an der Mehlstraße

Obwohl das Gebäude nach Sewamunder Maßstäben kein eigentlicher Palazzo ist, fällt es durch seine ungewöhnliche Architektur auf. Es dient der Familie als Wohnung und Verbindung zwischen ihren Aufgaben in Sewamund und der Leitung der Bauvorhaben im nahen Sewadâl.

Die Raloffs gehörten lange zum Patriziat von Efferdas und brachten dort Kaufleute, Politiker, Gelehrte, Offiziere und Baumeister hervor. Die Ereignisse der Raloffkrise zerschlugen ihre Stellung. Ein Teil der Familie fand Schutz in der Tafelbergfestung bei Urbet, andere Angehörige kamen in Grangor, Kuslik, Nevorten und weiteren Städten unter. Nach der Krise übernahm zunächst Alricilian Raloff die Familienführung. Nach dessen Tod fiel diese Würde an den Architekten und Konstrukteur Marbio Rudor Raloff. Unter ihm wandte sich die Familie stärker ihrer phecadischen Heimat zu. Der neue Baron von Sewamund, Dareius Amarintos, beauftragte die Raloffs 1046 BF mit der Beaufsichtigung des geplanten Ausbaus von Sewadâl zur Residenzstadt. Marbio Rudor Raloff wurde Vogt des Ortes, während sein Verwandter Acanio Silem Raloff die Bauleitung übernahm. Unterstützt werden beide von Bende ter Groot.

Das Haus Raloff ist ein unregelmäßiger, um zwei Höfe angelegter Gebäudekomplex. Sein Kern stammt aus der ursprünglichen Bebauung der Neustadt 1020 BF, wurde aber 1046 BF verändert. Die zur Mehlstraße gerichtete Fassade ist vergleichsweise schlicht: roter Backstein, helle Fensterrahmungen und ein traufständiges Dach. Beim Betreten aber zeigt sich die Eigenart des Hauses. Unterschiedlich hoch liegende Flügel, schmale Galerien und kleine Erker greifen ineinander. Die Seite zum Hinterhof dient dem Empfang von heimlichen Besuchern und dem Entladen von Material. Dort liegt auch ein gepflegter, kleiner Garten und dort erprobt Cusmara Castellani gelegentlich kleinere mechanische Kunstwerke und wassergetriebene Figuren.

Das Erdgeschoss wird vor allem als Arbeitsbereich genutzt. In der Zeichenstube liegen fast ständig Pläne ausgebreitet. Neben Entwürfen für Sewadâl finden sich dort Zeichnungen von Brücken, Schleusen, Wehrgängen, Stallungen, Brunnen und ganzen Straßenzügen. Eine Tischplatte ist mit Maßlinien versehen und dient als Zeichenbrett, Rechentisch und Platz für das Familienmahl, falls gerade keine andere Fläche frei ist. Die Wohnräume liegen oben. Sie sind komfortabel, aber weniger prunkvoll als die Palazzi manch alter Sewamunder Familie. Ein Giebel des Hauses trägt eine kleine Windfahne, deren Stellung angeblich nicht nur die Windrichtung, sondern auch den zu erwartenden Regen anzeigt.

Da viele Familienmitglieder zwischen Sewamund und Sewadâl reisen, ist selten vorhersehbar, wer gerade tatsächlich im Haus weilt. Ständig kommen Boten, Bauleute, Lieferanten und Verwandte an, während andere Bewohner noch vor Sonnenaufgang mit Plänen und Proviantkisten aufbrechen. In Sewamund begegnet man den Raloffs mit einer Mischung aus Neugier, Anerkennung und höflichem Misstrauen. Die Familie besitzt nicht mehr den Reichtum aus Efferdaser Zeit, aber Bildung, Beziehungen und technische Kenntnisse, die gefragt sind.

Volkes Stimme

„Die Raloffs bauen in Sewadâl eine Stadt und in der Mehlstraße jeden Mond eine neue Wand.“
— Nachbarin des Hauses

„Man weiß nie, ob man an einem Esstisch sitzt oder auf dem Modell einer noch zu errichtenden Brücke.“
— Gast

„Sie kamen mit wenig Geld, vielen Verwandten und Plänen. In Sewamund nennt man so etwas Anfang.“
— Geron Einhand

„Das Haus ist nicht schief. Es folgt nur einer Berechnung, die Ihr nicht versteht.“
— angebliche Antwort Acanio Silem Raloffs auf die Bemerkung eines Maurers