Archiv:Hassrede oder: Veliris (BB AH)

Hassrede

Als Hassrede gelten all jene Äußerungen, mit denen zum Hass gegen andere, zur Ausgrenzung oder Benachteiligung anderer Personen oder Gruppen aufgefordert wird. Dazu zählt auch der Aufruf zur Gewalt.
Ein Anwalt würde sich jetzt auf § 186 berufen, wo da steht unter dem Punkt „Üble Nachrede“:

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Nun denn.
In diesem Sinne, damit mir der Kontakt zu einem mir lieben Anwalt erhalten bleibt und im Rahmen dieser Ausgabe des Bosparanischen Blattes soll nun der Hass des ganzen Sewamunder Volkes auf denjenigen gerichtet werden, der seit Urzeiten am oberen Sewaklauf dräut: Veliris.
Allein das Wort ist eine Beleidigung für jedes halbwegs vertretbare ästhetische Empfinden. Kein Wunder, dass aus diesem Veliris einst der scheußliche Dämon herabrollte auf unser beschauliches Sewamund zu. War er doch kaum vom gemeinen Veliriser zu unterscheiden, allenfalls sein Benehmen war nicht ganz das eines Winkeladvokats, weil zielsicherer.
Vom Benimm der Veliriser aber ist es unmöglich, sich ein Bild zu machen. Sowie es unmöglich ist, sich vom Veliriser selbst ein Bild zu machen, denn man kann den einen nicht vom anderen unterschieden. Sie heißen alle gleich, Alricilian oder so. Mit diesem Namen passen sie gut in ihre Stadt, er ist ähnlich unaussprechlich und beleidigend für das Gehör.
Bei der Stadt selbst ist es überhaupt eine seltsame Entscheidung des Schicksals, dass sie existiert. Sie besteht fast vollständig aus Prunkbauten, die die selbstverliebte Herrscherfamilie im Laufe der vielen Jahren dort errichten ließ. Das gemeine Volk sucht man vergebens, offenbar schuftet es vornehmlich in den Palästen der Reichen als Dienerschaft. Welch Laune der Natur, der Stadt einen nahezu kreisrunden Hügel hinzustellen, als hätte er darauf gewartet, mit Palästen bebaut zu werden. Es war wohl ein Wunder Sankt Aldigons, eines Heiligen, den man nur hier kennt und den anderswo ohnehin niemand vermisst, steht er doch nur für irgendetwas Unwichtiges.
Es wird Zeit, in Veliris ordentlich aufzuräumen, wie es kluge Architekten und Politiker bereits seit Jahren fordern. Ohne einen kompletten Neuanfang ist das unmöglich, niemand löst einen so verkorksten Knoten mühsam, man muss ihn zerschlagen.