Briefspiel:Kaiserjagd/Mondschwärmer

Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: 1.-6. Firun 1046 BF Schauplatz: von Aldyra in den Wald von Persenciello Entstehungszeitraum: ab März 2024
Protagonisten: Khadan II. Firdayon, etliche Hochadlige und weitere Noble des Reiches Autoren/Beteiligte: Amarinto, Atagon, Bella, Carenio, Cassian, Dajin, Dellapena, Erlan, Flaviora, Fürst Federkiel, Gerberstädter, Gonfaloniere, Horasio, Illumnesto, Kacheleen, Luntfeld, Nebelzweig, OrsinoCarson, Princeps, Rondrastein, Salkyo, Savinya Romeroza, Schatzkanzler, Silberwind, Temelon, Tribec, Vairningen, VivionaYaPirras u.w.

Zyklus:
Übersicht · Teilnehmer · Schauplätze · Regeln · Erster Tag · Zweiter Tag · Dritter Tag · Vierter Tag · Fünfter Tag · Sechster Tag · Individuelle Auswertung · Gerüchteküche


Mondschwärmer

5. Firun 1046 BF spätabends, auf dem Dach von Mortecervi

Autor: Gonfaloniere

 
Macht sich so seine Gedanken: Auricanius von Urbet

„Es ist Vollmond, Monsignor.“
„Ich seh's.“
Auricanius stand an der Brüstung der Dachterrasse des alten Pentagonkastells und blickte hinaus in die Nacht und den sich schemenhaft östlich abzeichnenden Wald. Er stand schon eine Weile hier und hatte nicht unbedingt damit gerechnet hier Gesellschaft zu erhalten. Die Stimme hinter sich kannte er aber sehr genau – und sah sich deshalb auch nicht um. Selbst wenn es der Standesunterschied geboten hätte.
Hinter ihm näherten sich Schritte, ließen den Höherrangigen zu ihm aufschließen.
„Ist euch nicht kalt hier oben?“, wurde ihm eine Frage gestellt.
„Es geht. Und euch?“
„Für eine Weile geht’s.“
Dann standen sie erstmal still nebeneinander und blickten gemeinsam in den dunklen Wald.
„Was sucht der Kaiser?“, brach Auricanius als nächster das Schweigen.
„Ich weiß es nicht.“
„Auch als Kronrat nicht?“
„Als Kronrat schon gar nicht.“
Auricanius drehte den Kopf misstrauisch. Sein entfernter Verwandter Cordovan, der Comto Seneschall, gab jedoch nur ein unschuldiges Lächeln von sich.
„Er ist aber da draußen?“ Auricanius wies in die Richtung, in die er zuvor gesehen hatte.
„Das nehme ich an, ja.“
„Und sucht etwas?“
„Vermutlich.“
„Nicht den Biancervo …“
„Der liegt unten.“
„Hat er ihn sich überhaupt angesehen?“
„Sehr genau, soweit ich weiß, ja.“
„Ach, das wisst ihr …“ Auricanius konnte sich ein wenig Ironie nicht verkneifen.
„Ich weiß auch, dass die Suche des Kaisers vor allem dem Großsiegelbewahrer nicht gefiel.“
Adilron?“
„So heißt er.“
„Arbeiten beide jetzt gegeneinander?“
„Nicht aktiv, schätze ich. Adilron ist vorsichtig geworden in den letzten Tagen.“
„Er hat aber ein Geheimnis vor dem Kaiser?“
„Wahrscheinlich.“
Auricanius grübelte eine Weile. Er nahm an, dass Cordovan ihm ohne gute Frage keine weiteren Hinweise – Staatsgeheimnisse gar – geben oder verraten würde.

 
Ersucht um Zusicherungen: Comto Cordovan von Marvinko

„Wie war eure theologische Debatte?“, wechselte der Comto das Thema.
„Interessant und geistreich“, lächelte Auricanius.
„Wer war dran?“
Boron und Peraine.“
„Oho, Leben und Tod.“
„Wenn man so will, ja.“
„Und wer fehlt noch?“
Praios und Phex. Ich rechne mit eurer Anwesenheit.“ Auricanius zwinkerte dem Comto zu.
„Das wird nicht nötig sein. Ihr erregt auch so schon genug Aufsehen, wie ich höre.“
„Wenn ihr meint.“
„Es werden angeblich schon Listen geführt, wer an den Debatten teilnimmt.“
„Ihr scherzt …“
„Nein, nein. Seit es heißt, dass der Kaiser sich von euren Salons berichten lässt, sind sie hochpolitisch.“
„Tut er es denn?“
„Das weiß ich nicht.“
Auricanius rollte mit den Augen und stöhnte vernehmbar.
„Fragt ihn selbst“, gab Cordovan die Verantwortung zurück.
„So nah stehe ich ihm nicht.“
Der Comto hob beide Arme. „Ich auch nicht. Und ich habe ihm nicht gestern erst dieses Schloss schenken lassen.“
„Das habe ich ebensowenig“, beharrte Auricanius.
„Für manche sieht es so aus, als hättet ihr es“, zuckte der Comto mit den Schultern.
„Dann sollen sie denken, was sie wollen. Es war allein Rahjadas Entscheidung.“
„Der manche schon ähnlich große Ambitionen wie einst ihrem Vater nachsagen …“
„Sie ist ambitioniert, aber glücklicherweise in anderen Bereichen.“
„Müssen wir keine Wiederholung fürchten?“
Die Frage des Comtos klang plötzlich sehr ernst. Berechtigterweise, wie Auricanius leider zugeben musste. Travianos 'Verrat' am Haus Marvinko würde von diesem sicher – aller politischen Notwendigkeit zum Schulterschluss zum Trotz – nicht so schnell vergessen werden.
„Nicht unter meiner Führung“, gab der Praios-Geweihte dennoch nur die Antwort, die er sicher geben konnte.
Cordovan atmete einmal tief ein und wieder aus. Er schien damit nicht wirklich zufrieden zu sein.
„Wenn ihr Rahjadas Antwort wissen wollt, fragt sie selbst“, lachte Auricanius. „Es kann aber sein, dass sie sie euch mit der langen Nadel aufs Wams stickt, falls ihr versteht, was ich meine.“
„Na, das will ich gerne sehen“, lachte auch Cordovan. „Dann muss ich sie beizeiten mal fragen …“
Er nickte Auricanius zum Abschied noch einmal zu und entfernte sich dann wieder.
Der Geweihte sah derweil einer dunklen Wolke zu, die sich vor den Vollmond schob und ihn eine Weile später wieder freigab. Als er selbst das Dach gerade wieder verlassen wollte, erklang in der Ferne ein schauerliches Geheul.