Schafhof
Der Schafhof ist ein landwirtschaftlicher Hof im Schilderquartier von Sewamund. Er liegt zwischen den Malerwerkstätten, der Casa Acosto und dem östlichen Verteidigungswerk der Stadt. Auch wenn Sewamund eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt geworden ist, erinnert der Schafhof an die ländlichen Ursprünge der östlichen Vorstadt.

Bekannt ist der Hof für seine feine Schafwolle, aus der Stoffe für die Tuchmacher der Stadt gefertigt werden. Er entstand bereits vor der planmäßigen Anlage des Schilderquartiers, als sich hier noch Weiden, kleinere Bauernhöfe und Gärten befanden. Während einige Höfe im Zuge des Ausbaus der Neustadt verschwanden oder zu Villen wurden, blieb der Schafhof erhalten. Mit der Gründung des Schilderquartiers gewann er an Bedeutung, der Weg in die Stadt wurde so noch bequemer.
Der Schafhof besteht aus einem U-förmig angeordneten Gebäudekomplex um einen Wirtschaftshof. Zum Anwesen gehören das Wohnhaus der Hofleute, ein großer Schafstall, Scheunen für Heu und Stroh, ein Wollspeicher, Wasch- und Schurplätze und Werkstätten für das Sortieren und Pressen der Wolle. Hinter den Gebäuden schließen sich Weideflächen an. Die Gebäude bestehen überwiegend aus verputztem Fachwerk mit ziegelgedeckten Dächern und sind schlichter als die benachbarten neuen Häuser. Der Schafhof besitzt eine kleine Glocke, die traditionell jedes Frühjahr zur ersten Schur geläutet wird.
Ein Teil der Wolle wird an die Tuchmacher der Stadt verkauft, ein anderer gelangt über Händler bis nach Grangor oder Bethana. Vor allem die Werkstätten des Hauses Filotrin, die Seilerei und andere Weber beziehen Rohwolle vom Schafhof. Daneben liefert er Lanolin, Felle und Schaffleisch an mehrere Gastwirtschaften.
Die unmittelbare Nachbarschaft zu den Künstlern des Stadtteils sorgt immer wieder für kuriose Begegnungen. Nicht selten grasen Schafe friedlich auf einer Weide, während wenige Schritt entfernt Maler Landschaften anfertigen oder Bildhauer Figuren entwerfen. Manche Künstler bezahlen den Hof sogar dafür, fotogene Tiere Modell stehen zu lassen. Ein alter Schafbock namens Rondrian soll häufiger porträtiert worden sein als mancher Ratsherr. Der Volksmund behauptet, manche Schafe des Hofes seien über die Jahre erstaunlich gelassen geworden, weil sie ständig Modell für Künstler stehen müssten. Deshalb heißt es scherzhaft über besonders geduldige Menschen: „Der hat wohl auf dem Schafhof posiert.“
Volkes Stimme
„Wer Sewamunder Wolle trägt, friert höchstens beim Bezahlen.“
— Redensart unter Tuchhändlern
„Im Schilderquartier wird aus jedem Schaf irgendwann ein Kunstwerk.“
— unbekannte Künstlerin