Briefspiel:Von altem Bund und neuem Fried'/Die Verlobung

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Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Ingerimm 1045 BF bis Travia 1047 BF Schauplatz: Urbasi Entstehungszeitraum: ab März 2026
Protagonisten: Azzo Silbertaler d.J., Gylduria Deraccini u.v.w. Autoren/Beteiligte: Rhutkles, Giacobbo, Bella
Zyklus: Übersicht · Vom Rat der Einheit · Renovatio · Von zarten Banden I: Im Palio und Carroccio · II: In den Fluren des Magistrats · III: In den Gassen und Stuben · Das Gesuch · Vom Ende einer Fehde · Der Vertrag · Vom Werben der Familien I: Solivino · II: di Salsavûr · III: Dalidion · IV: ya Malachis · Treffen der Eheleute · Die Verlobung · Palio und Censore-Wahl · Die Vermählung · Die Sikramer Schildwacht berichtet


12. TRA 1046 BF - Tag der Treue Autoren: Rhutkles, [[Benutzer:Giacobbo]|Giacobbo]]

Verlobung im Traviatempel zu Agreppara am späten Nachmittag

Hesindestunde

Horanthe Barbero hatte am heutigen Tag schon zwei Hochzeitsrituale vollzogen. In einem Nebenraum des Tempels war eine kleine Delegation zusammengekommen. Gylduria, Selina, Vitius und Giacobbo für die Familie Deraccini sowie für die Familie Silbertaler die Eltern der Braut, Sofia und Nando und das Familienoberhaupt Azzo.

Die Hochgeweihte der Travia eröffnete den mit ihr an einem kleinen Altar stehenden Talagena Silbertaler und Darian Deraccini die Bedeutung des Bildnisses und des Schwures. ”Ihr seht an diesem Altar die Göttin dargestellt mit der Binde und den Schriftrollen und stilisierten Herzen. Es ist die Gütige als Schützerin der Schwüre, heilbringend. Meine Kinder, Eure Familien haben einen Bund geschlossen, den Eurer Heiliger Vertrag als Siegel tragen wird. Doch Eure Verbindung geht weit über diesen Zweck hinaus. Ihr begründet Heim und Familie, lasst Euch, so die Göttinnen es wollen, von Tsa segnen und übernehmt an der Euch vom Götterfürsten zugeteilten Stellung Verantwortung. Doch ist es auch Euer Willen, der Euch bindet. Es ist Euer Schwur, der nicht leichtfertig getan sein soll. Seid Euch dessen bewusst.”

Die beiden nickten und die Versammelten waren zufrieden. “So bindet die Schützerin der Schwüre Euer Versprechen, in einem Götterlauf von heute an den Heiligen Eid abzulegen an diesem Ort, in diesem Heim der Gütigen. Gehet in Frieden und lasst Eure Herzen aneinander erfreuen.”

Von Agreppara nach Magistralia

Firunstunde

Als die formalen Feierlichkeiten beendet waren, machte Gylduria eine kurze Geste und eine kleine Delegation setzte sich in Bewegung. Selina, Vitius und Giacobbo gingen gemessenen Schrittes hinter Gylduria her auf Azzo d.J. zu.
"Ser Azzo!", begann sie lächelnd. "Ich denke, heute haben beide Familien einen Grund, ausgelassen zu sein. Ich habe extra für diesen Anlass aus den Beständen der hoch geschätzen Familie Solivino mehrere Fässer Wein bestellt. Erlaubt mir, Euch und Eure Familie in die Schänke Signorina Malvesia einzuladen, wo eine kleine, ungezwungene Feierlichkeit vorbereitet ist."

Die kleinere Gruppe der Silbertaler wirkte zufrieden. Es war geschäftiger Markttag , der Himmel zugezogen, auf Regen schien der Herr Efferd aber zu verzichten.
Bevor das Brautpaar, der Hotelier oder die Directora antworten konnten, nahm der redselige Nando das Angebot an.
“Aber hochverehrte Signora Gylduria, wie könnte man zu Eurem Ansinnen, das gleich zweier Göttinnen zulächelt, nein sagen?” Sofia, unter einem dunkelgrauen Sonnenschirm, warf ihrem Gatten einen ermahnend-nachsichtigen Blick zu, den sich dieser zu ignorieren entschloss. Azzo reichte der Matriarchin das Handgelenk und hinter Vitius hinterher bahnte man sich den Weg über den vollen Markt Agrepparas in Richtung Fluss, passierte die Stationen und machte nach San Palladio sich an den erschöpfenden Aufstieg. Die Silbertaler hätten wahrscheinlich die uralte Treppe genutzt, doch mit Rücksicht auf das Alter Gyldurias kämpfte man sich über die etwas weniger steilen, aber ebenso engen Straßen den Berg hinauf.

"Nun, Ser Azzo... wie mir scheint, geht Euer Plan in voller Gänze auf.", sagte Gylduria nach einiger Zeit. "Es ist wirklich in den letzten Wochen mehr in Gang gesetzt worden, als in den letzten Jahrzehnten zusammen." Sie machte eine kurze Pause, um etwas besser Luft zu holen. "Ich denke, Eure Familie wird schon Ihre Freude an unserem Darian haben.", sagte sie mit einem Lächeln. "Und das meine ich gänzlich ohne Hintergedanken oder Häme." Obwohl die Praiosscheibe hinter dünnen Wolken verborgen war, war es warm und so machte es Gylduria sichtbar Mühe, nicht ins Schwitzen zu geraten. "Wir hätten es schon viel früher dazu kommen lassen sollen, dass die Familien sich aussprechen.", fügte sie ein Stück weiter den Weg entlang hinzu.

Mit durchaus nachdenklichem Ton erwiderte der Hotelier nickend. “Meine verehrte Frau Mutter nahm die Fehde sehr ernst, wie Ihr es wohl selbst zu heißen wisst. Nun steht unsere Familie und darüber hinaus auch der Bund mit der Euren fest, Signora Gyldura. Ob dieser Aufbruch in eine neue prosperità gelingt, liegt nun in unserem Geschick, wozu auch Darian seinen Beitrag leisten wird.” Er nickte halb über die Schulter nach hinten, wo die anderen folgten.

Nando hatte sich Giacobbo geschnappt und plauderte mit ihm in einem immerwährenden Wasserfall. So waren Selina und Sofia übrig geblieben, die, stumm nebeneinander her spazierend, den Abschluss bildeten - jede von ihnen auf eigene Art von den Honoratioren der Stadt respektiert, manche würde regidere Formulierungen gewählt haben. Gyldurias Blick folgte seinem. "Sie werden eine Weile benötigen, um sich an die veränderten Verhältnisse anzupassen. Aber ich denke, mit der Führung einer starken Hand auf beiden Seiten der Familien, wird es ihnen schon gelingen.", sagte sie, während sie die letzten Meter zur Schänke Signorina Malvesia zurück legten.

In der Schänke “Signorina Malvesia”

Tsastunde

"Aber lasst uns nun versuchen, die Zusammenführung der Familien in einem etwas informelleren Ambiente fortzuführen.", sie nickte dem Wirt und seiner Frau freundlich zu, die die Schänke von den Deraccinis seit Jahrzehnten pachteten. "Signora Deraccini, Signor Silbertaler... es ist uns eine Freude, dieses Fest für die Familien ausrichten zu dürfen.", sagten beide und wiesen den Weg in einen festlich geschmückten Schankraum. "Habt Dank. Ich bin mir sicher, dass Ihr Euch wieder einmal übertroffen habt.", entgegnete Gylduria freundlich.

Als sich alle Feiernden im Schankraum zusammengefunden haben, richtete sie ihr Wort nochmals an die Festgemeinschaft. "Meine Familie hat großen Wert darauf gelegt, sich immer als gute Gastgeber zu präsentieren. Es ist mir daher eine Freude, das junge Paar und beide Familien hier zu einem kleinen Umtrunk einladen zu dürfen. Mein besonderer Dank gilt auch der Familie Solivino, die mit ihrem erlesenen Wein einen großen Beitrag zum Gelingen der Feier beigetragen haben." Sie machte eine kurze Pause, in der die Raumtemperatur sich unmerklich verringerte. "Ich erwarte also, dass die Gelegenheit genutzt wird, einander besser kennenzulernen, und bitte von sämtlichen Gruppenbildungen homogener Parteigänger abzusehen." Sie nahm einen Kelch Wein von einem Tisch vor ihr und hob ihn in die Höhe. "Auf das junge Paar!"
Alle hoben die Kelche mit dem köstlichen Cassianti der Solivino.

“Auf das junge Paar!”

Der Beginn einer Freundschaft

Phexstunde und weit darüber hinaus

So begannen elegante Gespräche hier, freundlicher Austausch da und Geschäftsgespräche ebenso. Die Kelche leerten sich im Schein der Kerzen. Zum Ende der Tsastunde erhoben sich die ersten, die noch Aufgaben zu erledigen wussten. Doch einige Personen blieben.<
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Man hatte sich auf eine Partie Zwei-Boltan verabredet. Nando, obgleich trinkfest, wankte leicht, nachdem seine Gattin sich in die Banca verabschiedet hatte, zu einem separaten Tisch und winkte Giacobbo herbei. “Setsch Eusch, Jaco, setsch Eusch. Wirtin, noch zwei Kelsche und die Karten.” Beides wurde umgehend gebracht und flinke Finger begannen das Deck zu mischen. Giacobbo lehnte sich amüsiert zurück und nippte an seinem Wein. "Ihr seid ein bemerkenswerter Mann, Nando.", sagte er mit einem Lächeln. Er hatte stets verstanden, nie so viel zu trinken, als dass er die Kontrolle über Sinne und Sprache verloren hätte. Als er seine Karten aufnahm, bedachte er sein Gegenüber mit einem weiteren abschätzenden Blick. "Ich hatte selten so viel Freude an einer Unterhaltung wie mit Euch. Bitte erinnert mich daran, dass wir solche Treffen in Zukunft wiederholen." Er prostete nochmals Nando zu.
Der Siburer hingegen hatte es zur Meisterschaft gebracht, selbst im trunkenen Zustand auf sein Glück zu vertrauen.

Fünf Karten lagen in der Mitte und wurden nach und nach aufgedeckt. Zweier-Boltan war ein schnelles Spiel, es galt als unschicklich, allzu lang zu grübeln. Man hatte sich auf Heller pro Punkt geeinigt, doch das Spiel stand nicht im Vordergrund.

“Ja, ja, dasch denk´ isch mir. Ein rechter Wonneproppen nannte misch mal eine Besucherin aus dem Neureischen. Aber Ihr habt´sch auch dick hinter die Ohren. Und Ihr kommt zur reschten Zeit, mein Freund. Der Aufbruch, der Friede. Lukrativ kann´s werden und das ist stets doch auch unterhaltsam.” Er schaute sich um, zu dem leeren Platz, an dem zuvor noch seine Gattin saß, nickte zufrieden und zog aus den Tiefen seines brokatenen Wamses ein flaches, feinsilbernes Etui und klappte es geschickt in einer Hand auf. Eingebettet liegen dort winzige, dunkle Röllchen. Er beugte sich verschwörerisch nach vor. “Nicht der sanfte Hauch aus Methumis”, zwinkerte er dem Manne zu.

In der ersten Runde stand die Ausgangssituation für beide ungünstig, doch der Wein war vorzüglich.
Giacobbo lachte und schaute auf das Röllchen. "Guter Nando, was ist doch Urbasi für ein Sündenpfuhl?! Stellt Euch vor, meine Tochter Imperia, sie zählt gerade erst 13 Götterläufe, sollte der Familie Solivino einen Brief überbringen, der Ihnen vom Frieden unserer Familien und der anstehenden Hochzeit berichtet. Seit diesem Besuch ist sie sowohl dem Wein, als auch der Tochter der Solivinos verfallen.", schmunzelte Giacobbo. "Und sie dachte sogar, ich würde nicht bemerken, dass sie mit alkoholischem Odem zurück in den Palazzo kam und rot wird, sobald wir Signora Alvinia Solivino auf dem Markt begegnen." Wieder lachte er.
Als er seine Karten für die nächste Runde aufnahm, ließ er seinen Blick durch den Raum schweifen. "Und ich dachte wirklich, ich würde Neetha mit all seinen Festen und Gelagen vermissen. Ich Einfältiger... unwissend, dass es hier in Urbasi genau so famos her geht." Eher zu sich selbst als zu Nando fügte er hinzu: "Ich wünschte, nur meine Gemahlin wäre hier und würde dies hier auch erleben können."
“Je tiefer die Wurzeln reischen, mein Lieber, je tiefer die Wurzeln reischen. Mehr sage isch dazu nischt. Nur erwischen lassen, ja, also in der Öffentlichkeit, dasch sollte man tunlischt vermeiden. Ihr kamt noch nicht dazu, von Eurer sicher reizenden Gattin zu berichten.” Auffordernd schaut Nando seinen neu erwählten Kumpanen.

Giacobbo griff erneut zum Weinkelch, um sich etwas Zeit zu erkaufen. "Meine... Gattin ist ganz der Wissenschaft zugetan und derzeit auf einer Studienreise in den Bornlanden und Aranien. Sie schreibt dezidierte Berichte und Kunde ihres Befindens.", sagte er unverbindlich. "Wir hoffen, Sie zu den Hochzeitsfeierlichkeiten hier in Urbasi begrüßen zu können." Er schaute zu seiner Tochter herüber. "Ich hoffe, Imperia davon überzeugen zu können, dass das Brieftaubengewerbe doch ein ganz einträgliches Unterfangen ist, und sie davon abhalten kann, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten."
Er nahm einen weiteren Schluck des Weins und fügte lachend hinzu: "Aber das sind scheinbar alles Probleme, mit denen Ihr nichts mehr zu tun habt, mein lieber Nando. Euch scheint Eure teure Frau Tochter doch recht gut gelungen zu sein." Giacobbo lehnte sich etwas über den Tisch und klopfte seinem neuen Freund auf die Schulter. Er hatte in Neetha oft seinen Charm spielen lassen müssen und die hohe Kunst des Navigierens in Gesellschaften schon früh erlernt. Nando machte es ihm aber mit seiner sympathischen Art verwirrend einfach ein Gespräch zu führen.

Der Angesprochene lauschte aufmerksam, schaute immer wieder - naserümpfend - in sein Blatt, setzte mit einem “Pah!” einen weiteren Heller, nickte hier und da, kratzte sich bei Bornland fragend am Kopf und hätte auch eine Nachfrage gehabt, doch dann kam das Thema auf sein Liebling. Der Blick wurde warm und unter dem Schulterklopfen schlich sich Röte in das weiche Gesicht. “O, Praios, Travia und allen guten Göttern sei´sch gepriesen. So eine präschtig´ figlia, so voll göttlichen Gaben, gesegnet haben sie misch. O, Ihr Götter, schütscht die holde Talagena aus den Häusern Castiglione und Silbertaler.” Gerührt legte er seine Hand auf die Giacobbos und Tränen von Stolz (und Wein) stiegen in seine dunkelbrauen Augen. Die Hände noch verbunden, erhob er sich und legte seine andere auf die Schulter des Gegenüber. Vorgeneigt und offenkundig bewegt: “Mein Giacobbo, mein Freund Jaco, soll all Dein Wunsche für Deine Tochter so wahr wer´n wie meine fürs Genschen.” Er zog den Mann heran und zwei schwere Küssen landeten links und rechts auf den Wangen des anderen. Er nahm seinen Becher und hob zu einem unbekümmerten Lob an, das durch die kleine Taverna hallte. “Auf die Töschter alter Häuser. Auf das Brautpaar. Auf alten Bund´ und neuen Fried´.”
"Gut gesprochen, mein Freund Nando. Auf das Brautpaar! Auf alten Bund’ und neuen Fried’", wiederholte Giacobbo, hob seinen Weinkelch und versuchte noch immer, das Erlebte zu verdauen.
"Ich für meinen Teil bin aber schon froh, wenn Imperia nicht die ganze Stadt in Schutt und Asche legt... und sich mit dem Genuss von Alkoholika noch ein wenig Zeit lässt!", lachte er. Er schaute zu seiner jüngeren Schwester Horathia herüber, die extra für die Feierlichkeiten aus Neetha mit ihrem Vater angereist war. Angestrengt versuchte sie aber, Blickkontakt zu vermeiden. Giacobbo hob seine Hand und rief zu einer der Bedienungen herüber: "Gute Frau, leider ist unsere Karaffe leer... schon wieder!", grinste er zu Nando herüber. "Wärt Ihr bitte so gut und würdet und eine neue bringen, oder zumindest diese hier wieder auffüllen?"

Die junge Frau kam zu Nando und Giacobbo herüber und machte verlegen einen Knicks und sagte kickernd: "Aber natürlich doch, Ser Giacobbo. Ganz wie Ihr es wünscht, Ser Giacobbo. Ich bin sofort mit Eurem Wein zurück, Ser Giacobbo. Einen Moment, Ser...", er nickte ihr freundlich zu, um den Redeschwall zu unterbrechen. "Habt Dank, meine Liebe!" Die Bedienung wurde, zur Überraschung beider Männer, noch röter und verschwand mit der Karaffe in Richtung Keller. Der wohlbeleibte Patrizier lachte mit und zwinkerte Giacobbo verschwörerisch zu. Er beugte sich noch einmal vor und flüsterte. “Die Gütige oder die Holde?”, und nickte hinter der Schankmaid hinterher. “Wie haltet Ihr´s?”
"Mein guter Nando!", lachte Giacobbo. "Ich weiß wirklich nicht, was ihr meint. Ich habe nur früh gelernt, dass man den meisten Menschen nur das sagen muss, was sie hören wollen, um zu bekommen, was man will." Er leerte seinen Kelch und besah sich die kleine Pfütze Wein, die sich wieder am Boden des Kelches sammelte. "Manchmal fällt es leicht, manchmal umso schwerer." Nun war es an der Zeit, dass auch Giacobbos Erinnerungen an den Abend im Nebel des Vergessens verschwanden.
“Aber glücklisch, Jaco, glücklisch wird man damisch nich´, den Leut´ nur aus dem bocca zu saltieren.”

Die Schankmaid kehrte mit dem gefüllten Krug zurück, noch eine Nuance Weinrot auf den Wangen. “O Ser Giacobbo, darf ich Euch nachfüllen?” Sie senkte den Ausguss und der schwere Cassianti rann in den Becher.
Giacobbo dachte lange darüber nach, was er über den Mann ihm gegenüber denken sollte. Normalerweise waren ehrliche Aussagen wie die gerade getätigte nicht das, was man von Menschen hörte, die in ihren Kreisen verkehrten. Die Ehrlichkeit und Offenheit Nandos gefiel Giacobbo immer mehr. "Da hast Du recht, mein lieber Nando. Glücklich wird man damit nicht... jedenfalls nicht immer.", entgegnete er dann grinsend. Nach kurzer Zeit schlug Giacobbo dann sanft gegen die Schulter Nandos und sagte: "Nando... Du gefällst mir! Nein, wirklich... wir sollten öfters mal zusammen in eine Schänke gehen. Nur so zum Spaß!"

Und so nahm ein fröhlicher Abend für die beiden ein seliges Ende im Weindunst. Sie droschen sich die Karten in einem denkwürdigen Aufeinandertreffen mit ebensolcher Freude, wie sie die Krüge gegeneinander krachen ließen. Die übrigen Mitglieder der Familie feierten sittsamer und weniger lang und so nahm es nicht wunder, dass die Wirtin hinter den beiden Patriziern zur ersten Praiosstunde die Tür verrammelte. Es war eine ertragreiche Verlobungsfeier für sie gewesen - und sie hätte ihren Nachbarn und Freundinnen morgen einiges zu erzählen.