Archiv:Von einem 75sten Geburtstag des Herzogs, den Feierlichkeiten und was sich daraus ergab (BB 49)

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Von einem 75sten Geburtstag des Herzogs, den Feierlichkeiten und was sich daraus ergab

Unter dem stolzen Banner der Grafschaft Bomed – flankiert von den Wappen der Baronien Veliris und Yaquirbruch sowie dem Signum des Hauses della Trezzi, das in Bomed seit Generationen das Amt des Erbkämmerers bekleidet – traf die Delegation des Grafen Rimon Sâlingor in der Hafenstadt Sewamund ein. Anlass war der 75. Tsatag des Herzogs von Grangor, Cusimo Garlischgrötz, dessen Feierlichkeiten mit großer Geste, festlicher Musik und nicht minder politischem Kalkül begangen wurden. Zu den herausgehobenen Persönlichkeiten der Delegation zählten neben dem Grafen Rimon selbst, der Baron Alricilian II. von Veliris, Comto Erlan Sirensteen aus der Baronie Yaquirbruch und Comto Tilfur Sâl della Trezzi aus dem Geheimen Rat der Grafschaft Bomed. Weitere Vasallen, Mitglieder des Hofes, Gelehrte, Offiziere etc.pp. aus der ganzen Grafschaft vervollständigten den Zug.

Tsatag Nr. 75 - zum ersten…

Zu Beginn wurde natürlich der 75. Tsatag des Herzog gefeiert und das als erster von 75 Tsatagen. Denn der Herzog hatte sich zum Ziel gesetzt, dass er in diesem Jahr insgesamt für jedes seiner Lebensjahre einen eigenen Geburtstag feiern würde. Den ersten davon also nun in Sewamund. Ein diplomatisches Glanzstück gleich zu Beginn bildete das Geschenk unseres Grafen: 12 Dutzend Fässer erlesenen Felsfeldener Weins. Der Herzog nahm die Gabe mit sichtbarem Wohlgefallen entgegen – doch wer das politische Spiel kennt, hörte das leise Echo vergangener Machtverschiebungen: Felsfelden als Teil der Grafschaft Bomed gehörte einst zum Herzogtum Grangor und war damit Cusimo untergeordnet. Jedoch wurde diese durch das Addendum zum Frieden von Arivor im Jahr 1038 BF direkt dem Horas unterstellt und damit dem Zugriff des Herzogs entzogen. Spötter sahen in dem Geschenk daher weniger eine Geste der Versöhnung als eine höflich verpackte Erinnerung an verlorene Einflussbereiche.

Hafenfragen sind Machtfragen

Im Zentrum vieler Gespräche stand die künftige Nutzung des Sewamunder Hafens. Der Wunsch des Herzogs, diesen vollständig zum Kriegshafen auszubauen, stieß auf erheblichen Widerstand. Zwar versuchte der Lilienrat der Stadt – teils aus Überzeugung, teils wohl aus strategischem Opportunismus – sich dem Willen des Herzogs anzunähern, doch letztlich scheiterte dieser Vorstoß. Offiziell mag man dies mit „Kompromiss“ umschreiben – faktisch wird der Hafen zukünftig deutlich eher phexgefälligen Interessen dienen. Dabei war es nicht nur der politische Einfluss der Festgäste, der wirkte, sondern auch die klare Positionierung der Horaskaiserlich Privilegierten Nordmeer-Compagnie (HPNC), die sich im Ringen um Handelsrechte und Infrastruktur überraschend klar gegen die Vorstellungen des Herzogs durchsetzen konnte. Es war offensichtlich: Die Handelsinteressen der Compagnie wogen schwer – und sie fanden offene Ohren in Sewamund. Wiewohl nicht alle Patrizier Sewamunds damit einverstanden waren. Einen überaus großen Anteil an diesem Ergebnis sicherten sich auch die Anhänger der Idee eines Freihafens, deren Position bereits Tage zuvor mehrfach vom Grafen selbst und aus seiner Gesandtschaft heraus formuliert worden war. Mancher fragte sich hinter vorgehaltener Hand, ob der Lilienrat tatsächlich überzeugt gewesen sei oder nur versuchte, dem Willen des Herzogs vorgreifen zu wollen, ohne dessen ganze Konsequenz tragen zu müssen. Wie dem auch sei: Der von gräflicher Seite unterstützte Status als teilweiser Freihafen wurde gewahrt – und das war nicht zuletzt dem Geschick und Einsatz der Anhängerschaft des Grafen zu verdanken, deren Wort und vor allem deren Dukaten und viel mehr Horasdor Gewicht hatte – auch wenn die eigentlichen Wechselscheine gar nicht so schwer aussahen, wie sie waren. Die Sewamunder Verantwortlichen gelangten in den entscheidenden Momenten auch zu der Überzeugung, dass bestimmte städtische Vorgaben, insbesondere pekuniärer bzw. gebührenrechtlicher Art, für die Nutzung von Grundstücken und Anlegestellen den Interessen der Stadt selbst widersprechen könnten. Hätte man am Anfang den Vorschlägen der städtischen Bürokratie vollständig Folge geleistet, wären weite Teile des Hafens schlicht nicht erschließbar gewesen – eine wirtschaftlich fatale Aussicht. Schlussendlich war es dann so, dass etwa ein Drittel des Hafens künftig im Sinne des Herzogs als Kriegshafen genutzt werden kann, während die übrigen zwei Drittel primär den Handelsinteressen – insbesondere der HPNC sowie der Freihafen-Befürworter – dienen werden. Ein Anhänger des Grafen formulierte es abschließend mit einer Mischung aus Selbstironie und Loyalität: „Ich kenne mich in solchen Hafenfragen nicht aus – aber wenn der Graf das für richtig hält, dann wird’s wohl auch richtig sein.“

Das Meer der Sieben Winde – und seine eigene Wahrheit

Als glänzendes Aushängeschild der herzoglichen Feier galt die Regatta, deren Sieger zur Leitung des Herzog-Cusimo-Collegs berufen werden sollten. Doch sollten die Pläne des Herzogs wohl nicht so verlaufen wie angedacht. Dies zeichnete sich aber auch schon zu Beginn ab, denn in den Ausscheidungswettkämpfen konnte niemand der (offensichtlich) die Gunst des Herzogs besaß sich erfolgreich gegen die anderen durchsetzen. Dies betraf beispielsweise zwei seiner mindestens dort anwesenden Kinder. Den Sieg trug schließlich ein Schiff davon, das selbst unter besonderen Zeichen zweier der Zwölfe zu stehen schien: Die Horasiella, geführt vom Rahja-Geweihten Rahjan Bader und dem dem Praios geweihten Baron Auricanius von Urbet. Die ungewöhnliche, beinahe sinnbildlich harmonische Kombination aus Lebensfreude und Gesetzestreue fand nicht nur auf See ihren Kurs, sondern auch im Herzen des Publikums – der Sieg der Horasiella wurde allenthalben mit Begeisterung aufgenommen. Wie angekündigt, übernimmt nun das Siegerduo die Leitung des neu gegründeten Herzog-Cusimo-Collegs – ein Amt, das ihnen aufgrund ihrer Herkunft, Würde und dem beeindruckenden Erfolg bei der Regatta wohl nur wenige streitig machen mochten. Der Herzog selbst schien über den Ausgang so erfreut, dass er noch beim Fest selbst verlautbaren ließ, die Leitung des Collegs durch eine dritte Person zu ergänzen. Was Anlass für allerlei Spekulationen bot. Einige sahen darin ein Zeichen großzügiger Weitsicht – andere eher das Bedürfnis, doch noch ein wenig Einfluss in das künftige Wirken der Akademie einzubringen. Obwohl es so nicht geplant war, gab es auch einen überraschend erfolgreichen gräflichen Anteil an dem Rennen, was uns in Unterfels auch interessiert: Tatsächlich hatte die „Stolz des Yaquirs“, das Schiff unter dem Kommando von Comto Erlan Sirensteen und Leonardo Carson aus Shenilo, lange geführt – ehe es unter bislang ungeklärten Umständen zurückfiel. Hinter vorgehaltener Hand, insbesondere aus den zweiten und dritten Reihen der Gräflichen, war hinterher die Rede von Regelbeugung, von ungewöhnlichen magischen Phänomenen und merkwürdigen wandernden (!) Riffen (!!) während des Rennens, das sich weit draußen auf dem Meer zutrug. Über diese Umstände war die Besatzung des Stolzes des Yaquir ein wenig ungehalten, insbesondere weil die wandernden (!) Riffe (!!) ein anderes Schiff, beinah zum Kentern brachte. Hier zeigte sich deutlich, dass die Einflussnahme von außen grundsätzlich nicht positiv war. Wiewohl es sicherlich das Schiff traf, wo die wenigsten für mitfiberten: Die geheimnisvolle Serpens Nigra, über die man zuvor schon schreckliches lesen konnte. „Besser die als die anderen…“ - „Was ist mit den Al'Anfanern?“ - „Hmm….“ Nach dem Rennen wurde insbesondere der erfolgreichen Besatzung der Horasiella applaudiert und deren Leistung bewundert. Der unterlegene Unterfelser sagte im Nachgang bei den Feierlichkeiten, dass „man … ja gar nicht enttäuscht sein [könne], wenn ein Schiff namens ›Horasiella‹ gewinne, wodurch doch indirekt der Hof des Horas gewonnen habe – das ließe sich eigentlich nur noch steigern, wenn Horasiella selbst an Bord eines Schiffes im Namen des Horas gewonnen hätte.“ Damit relativierte Comto Erlan seinen direkt nach dem Rennen laut hörbaren recht giftigen Kommentar gegenüber seinem Mitstreiter, der da lautete: „Wer hier gewonnen hat, wird dies vermutlich am Ende noch bereuen – denn am Ende dient man ja dort, wo man wohl besser nicht dienen will.“ Doch im Anschluss bei den Feierlichkeiten herrschte wieder frohe Stimmung, die nur durch einen merk- und denkwürdigen Zwischenfall bei einem argumentativen Aufeinandertreffen von Gräfin Bellatrix von Bethana und Herzog Cusimo getrübt wurde.

Ein Geschenk der besonderen Art

Hatte die Gräfin von Bethana mit ihrer bloßen Ankunft bereits für manche erhobene Augenbraue gesorgt, da sie kein offizielles Geschenk mit sich führte, so war es vor allem das diskrete Raunen auf dem gesellschaftlichen Parkett, das bei einigen für Verstimmung sorgte. Dort nämlich wurde – offenbar nicht ganz zufällig – die Meinung weitergespielt, ihre bloße Anwesenheit sei bereits „Gabe genug für diesen Herzog“. Dass die Familien Aralzin und Garlischgrötz nicht gerade befreundet sind, zeigte sich hier wieder einmal deutlich. Doch damit nicht genug: Nach einer Auseinandersetzung mit dem Herzog, deren Inhalte gewiss noch eingehender zu prüfen sein werden, legte die Gräfin ihr Amt als Comtessa Camerlenga des Horas nieder – öffentlich, endgültig und mit einer dramatischen Geste. Was zunächst wie ein politischer Eklat anmutete, dürfte sich für den Herzog des Westens als das wohl größte Geschenk des gesamten Festes entpuppen. Denn das dürfte seinen Interessen deutlich mehr entgegenkommen als selbst zwölf Dutzend Fässer edlen Felsfeldener Weins.
Lange bevor die Festivitäten an diesem zweiten Tag endeten, entschied sich der Herzog Sewamund zu verlassen, da er ja insgesamt noch weitere Tsatage zu feiern habe. Und so dominierten nun das Feiern, die Musik und der Tanz das Geschehen. Am Abend fanden dann jedoch auch noch weitere politische Gespräche statt, die diesmal - vielleicht lag es an der Abwesenheit des Herzogs? - in entspannter Atmosphäre stattfanden. So war zu beobachten, wie Comto Erlan und Graf Rimon in ein vertrauliches Gespräch vertieft waren – die ernsten Mienen und das eilige Herbeiwinken eines Schreibers ließen keinen Zweifel daran, dass nun wieder der politische Alltag Einzug hielt. Was da zu Papier gebracht wurde, dürfte kundigen Zuhörern zufolge bald im nächsten gräflichen Amtsblatt zu lesen sein: Regelungen zu Auftrittsgebühren, Einberufungen, Handelsabkommen mit Sewamund, Marktordnungen, Reisebestimmungen auf dem Yaquir, Vereinbarungen mit der HPNC und auch Zollfragen. Somit war bei all den rauschenden Momenten zu Ehren Tsas und Rahjas nicht vergessen, dass auch die Ordnung des Praios ihre Rechte kennt – und nicht ruht. Denn wo gefeiert wird, da muss auch verwaltet werden – und Handel wie Wandel gehören nun einmal in ordnungsgemäße Bahnen gelenkt. Insofern ein Hoch auf Graf Rimon von Bomed!

JM