Briefspiel:Der Kunst einen Hof/Von Pinsel und Meißel

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Briefspiel in Efferdas
Datiert auf: 1046 BF - Schauplatz: Efferdas, Arnax Silberfinger Schule Entstehungszeitraum: 2026
Protagonisten: Familien aus Efferdas Autoren/Beteiligte: VivionaYaPirras, Vritra
Zyklus: Übersicht · Rektorswahl · Von Pinsel und Meißel · Einweihung


Bei der Arnax Silberfinger Schule, Mitte 1046

Ein Kalter Tag, ja das war er. In ihren Gedanken verfluchte Khadana das Meer der Sieben Winde, welches diese Kälte in die Bucht und hoch in das Quarto Novo blies. Sie wollte sich beeilen, um den Umbau des Palazzos zu überwachen. Sie gehörte zu den Jüngsten des Kollegiats und wollte sich deswegen noch mehr beweisen. Sie wich gekonnt ein Paar Staatsdienern aus, welche aus dem Magistrat kamen. Hinein ging sie in das Gebäude und ins Foyer nur um vor einem jungen Mann zu stehen, welcher sich gerade die Statue des Haldur Horas ansah.
„Ihr scheint zu Alt um hier belehrt zu werden. Kann ich euch Weiterhelfen?“ Khadana war von hinten näher an den Mann herangetreten.
Nicht die kleinste Reaktion des Mannes ließ erahnen, ob er die junge Frau wahrgenommen hatte oder nicht. Weiter schaute er auf die Statue aus Mahagoni mit der hellen Seidentoga im farblichen Kontrast.
Khadana wollte sich gerade noch einmal bemerkbar machen, als er sie ansprach. “Sehe ich wahrhaftig schon so alt und weise aus, dass ich nichts mehr erlernen könnte, Signora? Dabei lernt der Mensch doch nie aus. Vor allen Dingen nicht in der Kunst, die so bunt und wandelbar ist wie Tsas Regenbogen. Ich überlege allen Ernstes ob ich wegen der Anspielung auf mein Alter beleidigt oder geschmeichelt sein soll.”
Er drehte sich um und Khadana sah in das Gesicht eines jungen Mannes, so etwa in ihrem Alter. Seine Haare waren schwarz und gekräuselt. Einige Strähnen fielen auf seine Stirn. Sein Lächeln war freundlich und seine Augen blitzten frech. Er trug einen langärmeligen Wams, erdfarben aus einem Stoff besserer Qualität, mit einem weißen Krausenkragen. Die Ärmel weit geschnitten, an den Schultern gepufft und an den Handgelenken traten ebenfalls weiße, geraffte Hemdmanschetten hervor. Dazu eine passende, ebenfalls weit geschnittene Hose und feine Lederschuhe. “Nun, junge Dame, oder sollte ich wohl eher gelehrte Dame sagen. Was sollte ich sein? Beleidigt oder geschmeichelt?”
„Weder noch, Signor. Keines der beiden war meine Intention. Es ist wohl mehr eure Ruhe in der ihr scheint, welche mich zu dieser Aussage verleitet hat. Ruhe ist eine Tugend, die meist mit dem Alter erworben wird. Aber bitte verratet mir doch, was ist euer Begehr an dieser Schule und wer seid ihr? Wollt ihr belehrt werden?“ Khadana versuchte sich in einem diplomatischen Lächeln.
“Verzeiht melne Unhöflichkeit, Signora.“ „Niccolo ya Pirras mein Name.“ Er deutete eine Verbeugung an. “Abgänger der Tsa-Schule an der Universität Methumis. Auf der Suche nach Inspiration und voller Hoffnung, hier von der Muse geküsst zu werden. Und ja, vielleicht möchte ich auch belehrt werden. In vielerlei Hinsicht.” Er lächelte verschmitzt. “Und wollt ihr mir euren Namen verraten, werte Maga?” Er ahnte schon, wer ihm hier gegenüber stand, hatte doch Tharinda della Pena, die Leibmaga seines Onkels Valerio, öfters von einer Kollega im tiefstem Mißtrauen gesprochen.
„Khadana di Solano. Abgängerin der Akademie der vier Türme zu Mirham und hier Lehrerin für Kunst aus Stein und Metall.“ Auch Khadana deutete eine Verbeugung an. „Und wenn ihr nach Muse sucht, dann seid ihr hier richtig. Wenn ich die Ateliers im obersten Stock des Südflügels empfehlen dürfte. Diese sollten einem Maler auf der Suche nach seiner Muse und einem ya Pirras noch dazu gerecht werden. Vielleicht gefällt es euch so sehr, dass ihr euch einschreiben wollt.“ Khadanas verstärkte ihr Lächeln.
“Sehr erfreut, Signora Khadana.”, erwiderte Niccolo. Die kleine Spitze wegen seinem Namen überhörte er geflissentlich. Und ja, sie war es. Die Maga, die ihro Gnaden Nevinia am liebsten auf dem Meer aussetzen würde. Auch sein Vater hatte mal Bedenken über sie geäußert, auch wenn man geschäftliche Beziehungen pflegte. Umso interessanter könnte dieses zufällige Treffen werden. “Würdet ihr mir vielleicht die Ehre erweisen und mich in den Südflügel begleiten, wenn ich euch nicht von etwas Wichtigerem abhalte? Hier ist alles noch in Umbau und auch der ehemalige Palazzo Kanbassa war mir nicht so in Erinnerung geblieben. Außerdem reizt es mich eure Meinung zu einigen Kunstwerken zu erfahren.’ Die Frage nach dem Einschreiben ignorierte er. Noch einmal studieren? Nein, danke.
„Oh, ihr haltet mich von nichts ab, ich war nur hier, um mich nach dem Status-Quo zu erkundigen.“ Die Golemantin gestikulierte in Richtung der Treppe, die vom Foyer hinauf führte. „Bitte hier entlang, ich nehme an, ihr wünscht den Schönen Weg zu benutzen. Die anderen Gänge müssten sich noch im Prozess des Umbaus befinden.“ Khadana war gespannt, welche Kunstwerke wohl dem Signor ya Pirras gefielen. Was mag diesen Mann nur bewegen? Waren es Vanitas? Harmonie? Schönheit? Oder doch etwas ganz anderes? So viele Elemente, alle würden etwas anderes über den Maler aussagen.

„Habt Dank,gelehrte Dame.“ sprach Niccolo und bot Khadana seine Armbeuge an, über die sie aber hinweg sah und die ersten Stufen der Treppe hinaufstieg. Niccolo zuckte kurz mit den Schultern und folgte ihr. Nach einer kurzen Erklärung von Khadana, das sich in ersten Stock die Räumlichkeiten der zukünftigen Schüler befinden werden und dort noch nlchts von großem Interesse war, gingen beide hoch in das oberste Stockwerk, wo Khadana Niccolo die zukünftigen Gemeinschaftsatelliers präsentierte. In jedem dieser Räume standen Werke verschiedener Künstler als Beispiele für die zukünftiges Studiosi. Diese betrachtete Niccolo eingehender. Darunter befanden sich Werke von großen Künstlern wie Rahjadan Cremoni, Pagol Gazpacho und Miolag Korden, aber ebensp von zeitgenössischen Malern wie Rahnina di Bellafoldi, einer Schülerin des Namensgebers dieser Schule. Khadana konnte bemerken, dass sich Niccolo eher an Werken der Portraitmalerei als beispielsweise  an Stilleben länger aufhielt. Mit Interesse las er jedes Bronzeschild seitlich der Bilder, wo der Künstler, der Name des Blldes und sein Erschaffungsdatum verewigt waren.
Vor einem Bild blieb er stehen. Es zeigte das Portrait eines älteren Kriegers gerüstet mit Helm und Platte, soweit dies auf den Schultern angedeutet war. “Held der 33 Tage von Amaziella Korden. Sagt, ist euch aufgefallen, dass der Akademiestil doch immer sehr eintönig ist? Bei der Portraitmalerei wird immer darauf geachtet, dass das Modell in seinem besten Licht dargestellt wird. Kein Makel, keine Narbe, selbst die Augenbrauen wirken perfekt.”
Khadana konnte sich bei der Bemerkung über die Augenbrauen ein Schmunzeln nicht verkneifen. Sie wandte sich dem Portrait zu und begann mit der Kunsttheorie, um zu zeigen, dass sie das Handwerk einer Künstlerin verstand. „Perfektion, wohl die oberste Prämisse dieses Stils. Schönheit um der Schönheit Willen. Die Aussage so klar, wie sie simpel ist. Wer kann das Metall blanker darstellen, welche Landschaft sieht Göttlicher aus und wessen Khabla würde der Liebholden wohl mehr gefallen? Aber was kann man erwarten? Wenn Perfektion die Devise und der Weg von den Lehrern und Meistern der Vergangenheit vor geebnet ist. Doch am Ende sind dies die Werke, die die meisten fesseln.“ Der Blick der di Solano war beim Reden immer weiter im Bild versunken. Woraus sie sich nun befreit hatte. „Aber sagt, von Künstler zu Künstler, wie gedenkt ihr, mehr Farbe in die Malerei zu bringen, um dieser Eintönigkeit vorzubeugen? Ihr scheint wohl dem Akademiestil nicht so zugeneigt.“
“Nun, ich kann nur für mich sprechen. Wenn ich jemanden male, dann sehe ich denjenigen so wie er ist. Ich versuche mein Modell kennenzulernen, um zu verstehen, wie es denkt, wie es handelt. Seinen Ausdruck, seine Mimik, seine Gestik. Und das versuche ich  auf die Leinwand zu bringen. Mit Ecken, mit Kanten und um auch aus der Masse hervorzustechen einer gewissen Amoralität. Wichtig ist die Ehrlichkeit, denn nichts ist schlimmer, als wenn man sich selbst etwas vormacht und Dinge hinzu erfindet, die eigentlich nicht vorhanden sind. Sei es eine andere Nase, andere Augen, was auch immer. Natürlich treffe ich damit nicht jedermanns Geschmack, spricht man mir doch einen recht rahjagefälligen Stil nach….”, er grinste Khadana fast schon schelmisch an. “....aber wenn dem so ist, landet das Kunstwerk in meinem Atellier, bevor damit Schindluder betrieben wird.” Er strich sich theatralisch über die Schulter. “Bisher hält sich das aber in Grenzen.” Aus dem Augenwinkel warf er Khadana einen fragenden Blick zu. „Aber sagt, gelehrte Dame, wenn ihr dieses Bild als Skulptur aus Stein anfertigen würdet, was erwartet meine Augen dann?”
„Wohl eine Statue, Signor. Im Ideal, aber wäre sie wohl nicht. In gewisser Weise natürlicher, aber auch künstlicher. Wisst ihr was, ich zeige es euch.“ Khadana ließ ihren schlangenartigen Golem ihrem Haar entgleiten und damit öffnen. Der Golem kroch, zu steif für eine Schlange, von ihrem Arm bis in Khadanas Hand. Die Silberschuppen, den Blättern der Bäume nachgeahmt, spiegelten das Vormittagslicht. „Seht ihr? Künstlich und doch so natürlich. So sehen meine Werke aus. Lebensecht im Naturell und doch immer ordentlich. Das beste aus beiden Welten. Die Schönheit der Natur, gezwungen in vollkommene Ordnung. Geschaffen um zu harmonisieren.“ Khadana war aber auch neugierig geworden, ihr Misstrauen ein wenig übertreffend. Der Grund, weswegen sie dem Maler ihren Golem präsentiert hatte.
Niccolo schaute mit einer Mischung aus Faszination und Erschrecken auf die steinerne Schlange, welche sich langsam ihren Weg den Arm der Magierin hinunter bahnte. Es stimmte, was man sich hinter vorgehaltener Hand über Khadana di Solano erzählte, dass sie Kontrolle über steinerne Wesenheiten hat. Ein Schauer lief über seinen Rücken und es fiel ihm schwer, Worte zu finden, mit denen er das Gespräch weiterführen konnte. Instinktiv ging er einen Schritt zurück, ohne die steinerne Schlange, die jetzt Khadanas Hand erreicht hatte, aus den Augen zu lassen. “Sie wirkt etwas zu perfekt von der Form und der Musterung her und nicht natürlich von der Bewegung, sondern eher langsam gar stockend." Er lachte verkrampft auf. “Aber sie ist es auch nicht. Natürlich meine ich. Dieses Talent zur annormalen Perfektion könnt ihr nicht von Euren Studiosi verlangen, haben sie doch nicht euer Talent.” Ein Zucken ging durch seinen Arm und er hob seine Hand, da er den Drang der Neugierde verspürte, diese Schlange zu berühren. Im letzten Moment zog er diese aber zurück.”
„Natürlich kann ich das nicht. Die Bewegung der Werke ist aber auch etwas anderes. Meine Aufgabe ist nicht das lehren, wie man Werke von solcher Natur herstellt. Meine Aufgabe ist zu lehren, wie stark der Schlag auf den Meißel sein muss oder was die Proportionen real erscheinen lässt.“ Khadana ließ den Golem auf  ihrer Hand weiter verharren, hatte aber das Unbehagen bemerkt, welches sie verursacht hatte. „Die Golemantie ist dabei nur ein weiteres Werkzeug, um Ausdruck zu verleihen. Natürlich vereinfacht sie die Arbeit, wenn belebte  Statuen in einfachster Bewegung arbeiten können, sodass sie sich selbst positionieren. Aber das ist Pfusch. Wer sowas macht versteht die Kunst nicht wirklich und wird niemals richtig Kunst schaffen können. Deswegen sind meine Golems auch so gearbeitet, Kunstvoll in jeder Bewegung. Somit durch Golematie nicht nachzuahmen. Wobei, es ein großes Vorurteil gegen diese Art von Magie gibt. Der Golem sei böse. Jedoch er gehorcht mir vollkommen und ich würde mal behaupten, dass ich nicht böse sei.“ Auf dem Abschluss ihrer Worte begann sich der Golem zu drehen und sich wieder um die Haare der Golemantin zu legen. „Aber, erlaubt mir die Frage. Bringt dieser Ort Muse oder habt ihr vielleicht Verbesserungsvorschläge, die man sie weitergeben könnte?“
Weiterhin konnte Niccolo den Blick von dem Golem, so nannte sie ihn doch, lösen. Dann schüttelte er den Kopf. “Verzeiht. Ich war abgelenkt. Die Muse, ja. Das kann nur jeder Studiosi für sich selbst entscheiden, gelehrte Dame. Für einen Landschaftsmaler bietet allein die Aussicht auf die Bucht genug Möglichkeiten. Auch auf den Gängen oder in den Schulungsräumen bieten sich bei den Ausstellungsstücken einige zur Inspiration. Dies dürfte für die Anfänge ausreichen und wenn sich gute Dozenten finden, werden diese schon sehen, wie sie Talente fördern können.” Er ging ein paar Schritte auf eines der Fenster zu und warf einen Blick auf die Bucht. “Und nun sagt, was inspiriert euch? Wann habt ihr das Gefühl, von der Muse geküsst zu werden? Was beflügelt eure Inspiration?”
Khadana näherte sich auch dem Fenster, blieb aber etwas entfernter davon stehen. „Die Muse? Eine tiefgehende Frage Signor. Hauptsächlich finde ich diese in Büchern, die von früheren Zeiten sprechen oder von den Legenden, die sich auf Dere halten. Der Golem, den ihr saht, ist unserem Patron nachempfunden. Der Schlange, die uns nach den alten Geschichten vor einem Komet bewahrte.“ Khadana streckte ihre Arme nach vorne, sodass die Spinnenartigen Armschienen zu sehen waren. „Die hier jedoch entstanden in Mirham. Eine Geschichte über eine große Spinne am Firmament namens Pérex, aus dem tiefen Süden, inspirierte sie.“
Ein leichtes Lächeln umspielte Niccolos Lippen. “Ihr seid ein Mysterium, Signora Khadana. Eure Kunstwerke beziehen sich auf einen Zusammenhang zwischen alten Legenden und dem Wirken der Götter, denn Pérex ist vermutlich nur ein altertümlicher Name für den Listenreichen. Dabei erschafft ihr Wesenheiten, die vor allem in den Augen der Praioskirche als großes Verbrechen angesehen werden und unter gewissen Umständen in Ächtung und Verfolgung des Erschaffers enden könnten. Ihr wisst, dass mein Haus dem Götterfürsten sehr zugetan ist und das ein falsches Wort an einer ungünstigen Örtlichkeit fatale Folgen für Euch haben könnte. Trotzdem habt ihr mir die Schlange gezeigt. Warum? Ist dieser Nervenkitzel auch eine Art der Muse für Euch?” Langsam trat er auf Khadana zu, bis er ihr in die Augen sehen konnte. “Aber seid unbesorgt, Signora. Nichts was Euch in Bedrängnis bringen könnte, wird diese Lippen verlassen, habt ihr mir weder Leid noch Schaden zugefügt. Nein, ihr habt meine Neugierde geweckt.”
„Ich hatte es nicht als Nervenkitzel wahrgenommen. Vielleicht bin ich noch zu sehr an Mirham gewöhnt. Dort muss man mit seinen Golems nicht so aufpassen.“ Die di Solano, überlegte kurz. „Aber wir können das doch ein bisschen Amoralität nennen.“ Khadana lachte ein wenig. „Um hervorzustechen.“ Ihr Lachen hörte schnell wieder auf und wurde durch ein Lächeln ersetzt. „Aber ich hatte euch meinen Golem gezeigt, da ich dachte, ihr seht es als das, was es ist. Ein Kunstwerk. Keine Waffe, wie es wohl viele hier sehen. Und was die Praioskirche anbelangt, sowie eure Familie. Ich kann nur wiederholen, dass ich kein Interesse daran habe, gegen die Ordnung hier zu verstoßen, noch habe ich vor jemandem zu schaden. Ich hoffe, dass es genug ist, um ungestraft leben, lehren und arbeiten zu dürfen. Aber habt Dank, dass ihr so freundlich seid, es bedeutet mir viel.“
Niccolo hob die Hände. “Ich bin so freundlich, wie man mir entgegenkommt, Signora. Und ich genieße die angenehme Begleitung.” Er erwiderte das Lächeln. “Sagt, hättet ihr Interesse an einer gemeinsamen Arbeit? Eine Skulptur aus Stein, in rahjagefälliger Pose, mit leuchtenden Farben bemalt.” Die Augen des jungen Malers begannen zu leuchten. “Eure Form der Perfektion gepaart mit meinem Ausdruck für Emotionen. Könnte das für Euch in Betracht kommen?”
„Der Idee wäre ich nicht abgeneigt. Eine Kombination mehrerer Kunstrichtungen. Zusammen, ein besseres Werk.“ Khadana sah nachdenklich in die Bucht. „Signor, ihr habt meinen Meißel. Schwebt euch denn schon etwas Genaueres vor? Wie ein Motiv, einer Muse oder müssen wir uns nach jenem auf die Suche machen?“ Aus Khadanas Gesicht konnte man ablesen, dass sie es nicht vorwerfen würde, müsse man denn noch die Muse finden.
“Ich sehe zwei wunderschöne Augen und die Grundfarbe blau. In meinen Gedanken stelle ich mir einen Sockel in dieser Farbe vor, gekrönt von Wellen in verschiedenen Blautönen. Azurblau, Marineblau….hört ihr die Wellen, wie sie an Land brechen? Was sind Eure ersten Gedanken?”
„Ein Sockel wie eine Kline, einen Körper herausbrechend aus einer Bedeckung durch Wellen, als wären diese eine Decke und ein Kopf mit langen Haaren, der durch eine Kopfstütze in Hangmanier gestützt wird.“ Khadanas Augen lagen immer noch auf der Bucht. „Die Wellen, ein Krachen und doch so in Harmonie. Nach keinem ordentlichen Takt, aber einem natürlichen. Ich kann sie einfangen. Diese Melodie.“
“Und an was denkt ihr, soll aus den Wellen entsteigen? Ein Mensch, ein Necker, ein Risso? Ideen über Ideen.” Niccolo wurde vor Tatendrang hektisch, aufgeregt und begann im Zimmer auf und ab zu gehen. “Gelehrte Dame, Signora,....hach, so viele unnütze Titel, wenn man sich jetzt durch seine Leidenschaft verbindet. Darf ich Euch einfach Khadana nennen?....Da ihr hier auf dieser Schule unterrichten werdet, hast du bestimmt schon einen Platz, wohin du dich zurückziehen kannst?” Wie selbstverständlich war er ins du übergegangen. Schon stand er vor ihr und ergriff ihre Hände mit sanftem Druck. “Dann lass uns dorthin gehen und unsere Gedanken festhalten, bevor Satinav diese wieder verschwinden lässt.”
„Bitte hier entlang…“ Khadanas kopf sprudelte nun auch voller Ideen. Vor ihrem geistigen Auge, konnte sie schon die ersten Schläge sehen, die sie ausführen würde. „…meine Räumlichkeiten liegen im Westflügel auf diesem Stockwerk.“ Die Golemantin zog etwas an den Händen, die ihre umschlossen, um ihrem Gegenüber auch physisch zum Folgen aufzurufen. „Das wird sicherlich ein gutes Werk Niccolo. Es wird gut.“