Archiv:Vom mardilischen Schatzrausch (BB 50)

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Quelle: Bosparanisches Blatt Nr. 50, Seiten 42-43 Datiert auf: Frühling 1047 BF


Vom mardilischen Schatzrausch

Oder: Wie eine Entscheidung der Zwerge Unruhe ins Aurelat bringt

von Alverano ya Paredo


Marudret. Der Aurelasse ist ein eigentümlicher Gesell, heißt es mancherorts. Stur wie ein Esel und grimmig wie ein Zwerg. Er mag vor allem keine Veränderungen, behaupten Andere. Sicher ist das alles nur oberflächliches Gewäsch. Und doch rumort es dieser Tage im Aurelat wie selten zuvor, besonders unter der Erde. Wegen einer Entscheidung der Zwerge – und das nicht mal in der hiesigen Silaser Gemeinde, sondern wegen ferner Könige unter Tage. Das anfängliche Gerücht, dass sich die Angroschim der nördlichen Gebirge aus dem Handel mit den Menschen zurückgezogen haben, scheint sich längst in Teilen bestätigt zu haben. Selbst im Kronrat des Horasreichs wird seither nach neuen Bezugsquellen für manche knapp werdenden Rohstoffe gesucht. Und Cordovan von Marvinko, der Comto Seneschall, lenkte den Blick der hohen Räte dabei aufs aurelassische Mardilotal (BB#49).

Lenkte die Aufmerksamkeit selbst des Kronrats aufs Mardilotal: Cordovan von Marvinko

Die Zahl der Prospektoren, die von Marudret und Castanya aus immer wieder in umliegende Täler und bis in den Hauptkamm der Goldfelsen aufbrechen, soll sich inzwischen mindestens vervierfacht haben. Es wird schon von einem Berg- oder Schatzrausch gesprochen, der gerade erst am Anfang stehe – und ebenso große Begehrlich- wie Zwistigkeiten weckt. Denn wem die Bergregalien im noch relativ spärlich erschlossenen Mardilotal gehören, ist seit langem umstritten. Seit der Einrichtung der alten Kronmark Goldfelsen in den frühen Tagen des Vinsalter Königreichs vor allem. Die Grafen vom Sikram beharren seit jeher darauf, dass dies nur „oberflächlichen, militärischen Charakter“ hatte und ihre „jahrtausendealten“ Vorrechte am Bergbau an allen Quellflüssen des Sikram nicht berühre. Insbesondere die methumischen della Tegalliani, inzwischen erbliche Markgrafen des östlichsten Aurelats, vertreten dazu eine andere Meinung. Die Ressourcenknappheit ermutigt nun aber manche, vollendete Tatsachen zu schaffen, wo die Gerichte der Krone bisher für keine Klärung sorgten.

Selbst aufmerksamen Beobachtern fällt es dabei schwer, die sich gerade erst herauskristallisierenden Allianzen im Aurelat zu überblicken. So soll die Silbertaler Bank – dem Vernehmen nach aufgrund einer präzise vorgetragenden Risikokalkulation ihrer Directora – unlängst einem Kredit für die Einrichtung gleichermaßen vom Grafenhaus Marvinko wie auch Teilen des urbasischen Patriziats betriebener Minen zugestimmt haben. Der Vorsteher des bedeutenden Ingerimm-Tempels der Silberstadt, Thorben Aspoldo, wird mit der Aufforderung zitiert, dass „der Bergbau unbedingt zu fördern“ sei. In Marudret hingegen soll die Familie ya Malachis, die seit Jahresbeginn ja auch die Gonfaloniera Urbasis stellt, gemeinsam mit dem Baronshaus vom Rauhen Berg vor „gräflichen Übergriffen“ gewarnt haben und zu einer engeren Zusammenarbeit vor allem mit Comtessa Vanossa, der markgräflichen Erbin, bereit sein. Rilina von Selzin, die Herrin von Mardiletto, soll Schürfrechte gar an jedermann und jederfrau zu verkaufen bereit sein, solange ihr dies nur die finanziellen Mittel zur Rückeroberung des fernen Stammsitzes ihres Hauses an der septimanischen Küste verschaffe.

Mehr noch als auf irgendwelche in der Ferne ermordeten Fürstenschwestern richtet sich der Blick der Aurelassen deshalb gerade in die Goldfelsen und deren Vorgebirge. Denn wer weiß schon, welche opportunistischen Geister all dies noch zu wecken vermag?

Armin Bundt