Archiv:Bund der Vereinigten Sewaklande gegründet (BB 49)

Bund der Vereinigten Sewaklande gegründet
Ein neuer Pakt fur Frieden, Handel und Sicherheit im Sewaktal
von Rodeman ter Hoever

Selzin - Am 19. Tsa 1046 BF wurde im ehrwürdigen Castello Selzin ein neues Kapitel aufgeschlagen, das die Geschicke der gesamten Sewaklande auf lange Zeit prägen dürfte. Unter dem Jubel unzähliger Vertreter der Popoli, Nobili und Patrizier gründeten Vertreter der selbstbewussten Städte und Herrschaften der Region den „Bund der Vereinigten Sewaklande“. Dieser weitreichende Zusammenschluss, der gleichermaßen militärische, politische und handelsbezogene Ziele verfolgt, soll nach den Wirren des Sewamunder Resolutionsaufstands endlich dauerhafte Stabilität in die Region bringen. Der festliche Anlass fiel mit der Feier der Unabhängigkeit des Horasreichs zusammen, die mit einer eindrucksvollen Militärparade durch Selzin begangen wurde. Zahlreiche Banner wehten im Wind, während Hörner, Trommeln und die marschierenden Schritte der Truppen die Bedeutung des Moments unterstrichen.

Die Entscheidung zur Gründung des Bundes war die direkte Folge der jüngsten Fehde, die ganz Phecadien und selbst angrenzende Landstriche in einen bewaffneten Konflikt verwickelt hatte. Der Lilienrat von Sewamund, unterstützt von einflussreichen Städten wie Ruthor, Shenilo und Selzin, hatte im Götterurteil am Norderkoog gegen die Truppen des früheren Barons Irion von Streitebeck und seiner Verbündeten aus Grangorien und dem Windhag gesiegt. Die Kämpfe, Übergriffe und Zerstörungen, welche die Region in Atem gehalten hatten, machten neue Mechanismen der Zusammenarbeit dringend erforderlich. Der Bund versteht sich daher als Instrument des Friedens, als Schutzgemeinschaft und als wirtschaftlicher Zusammenschluss. Künftige Streitigkeiten sollen nicht länger mit dem Schwert ausgetragen werden, sondern am Verhandlungstisch beigelegt werden. Ebenso verpflichten sich die Mitglieder, einander bei Angriffen oder äußeren Bedrohungen beizustehen und so die Sicherheit der gesamten Region zu gewährleisten. Von nicht geringer Bedeutung ist zudem der wirtschaftliche Aspekt: Handel, Vorratshaltung und Versorgung sollen zukünftig enger koordiniert werden, um die Sewaklande nicht nur vor Engpässen zu schützen, sondern auch um sicherzustellen, dass alle Mitglieder gleichermaßen an den Profiten des Warenaustauschs beteiligt werden.

Zu den Gründungsmitgliedern zählen die Landstadt Sewamund, die Baronie Sewamund mitsamt allen zugehörigen Herrschaften, die Stadt Selzin sowie die Adelsherrschaften Selzin und Sewaklauf, Trarion, Gerimaldi, L’Odina, Versallo, Tershed, Tillvod und Estrano. Damit schließen sich erstmals nahezu alle wesentlichen Herrschaften des unteren und mittleren Sewaktals zu einem politischen Verbund zusammen, obwohl diese teils im Herzogtum Grangorien und teils in der Grafschaft Bethana liegen – ein Vorgang, den politische Beobachter als historisch bezeichnen.

Der Bund hat als gemeinsames Symbol den phecadischen Drachen gewählt, der seit alters her Stärke und Wehrhaftigkeit verkörpert. Umrahmt wird er von einem Kranz aus silberblühenden phecadischen Lilien, welche die einzelnen Mitglieder repräsentieren und zugleich den Zusammenhalt des neuen Bündnisses hervorheben. Das offizielle Motto wurde auf Bosparano verkündet: „Ex unitate vires – Einigkeit macht stark“, ein Satz, der unter dem Jubel der Anwesenden mehrfach wiederholt wurde und bereits jetzt auf Bannern, Wappen und Siegeln im gesamten Sewaktal seinen Platz findet.

Der Festakt im pittoresken Wasserschloss von Selzin selbst wurde zu einem Schauspiel voller Glanz und Prestige. In den reich geschmückten Sälen versammelten sich Vertreter aus der gesamten Septimana, Yaquirien und dem Yaquirbruch. Signoras und Signori, Kaufleute und Großbürger drängten sich auf Galerien und Höfen, während aus Grangor, Kuslik, Pertakis und sogar Belhanka eigens entsandte Beobachter dem historischen Vorgang beiwohnten. Die Unterzeichnung der Bundesurkunde, eines reich verzierten Pergaments mit zahlreichen Siegeln, wurde von Fanfarenstößen begleitet, und jeder neue Federstrich wurde mit Applaus begrüßt. Als der letzte Unterzeichner sein Zeichen setzte, erhob sich in den Hallen des Schlosses ein Jubel, wie man ihn in Selzin seit langem nicht gehört hatte.

Der kürzlich neu ernannte Baron von Sewamund, Dareius Amarinto und die Lilienherrin von Sewamund, Dimiona della Carenio, erklärten in einer gemeinsamen Ansprache, dass die Lilie seit jeher nicht nur für Treue, sondern auch für Neubeginn stehe. Sie bezeichnete den Bund als Saat eines neuen Zeitalters, in dem Frieden, Wohlstand und Eintracht wachsen sollen. Die vorübergehende Protektorin Sewakiens Amelthona d'Illumnesto, unter deren Verwaltung die Region nach den Kämpfen wieder zu Ordnung gefunden hatte, sprach von der Notwendigkeit eines einheitlichen Handelns und davon, dass kein Landstrich gedeihe, der im Zwist verharre. Der Selziner Ratsmeister Nepolemo Nyke wiederum hob hervor, wie stolz seine Stadt sei, der Ort eines so bedeutenden Schrittes gewesen zu sein. „Unsere Mauern haben viel gesehen“, sagte er, „doch selten so viel Hoffnung.“ Der Herzog von Grangorien, Cusimo Garlischgrötz, hatte seine Heroldin Comtessa Odina Garlischgrötz nach Selzin entsandt. In seinem Namen verlas sie sein Grußwort „Aus Zwist erwuchs Verderben, aus Einigkeit erwächst Zukunft. Dies sei die Lehre, die Sewakien in die Zukunft trägt.“ und versicherte den Anwesenden, dass der Segen des Herzogs auf diesem Bündnis liegen würde.

Mit der Gründung des Bundes der Vereinigten Sewaklande erhält Sewakien erstmals eine gemeinsame Stimme, die übergreifende Interessen formulieren, Handelsströme lenken und die Sicherheit der gesamten Region gewährleisten kann. Dabei bleibt der Bund fest in den bestehenden Lehensstrukturen verankert und gerade dieser Zwiespalt dürfte in Anbetracht des allseits bekannten Konflikts zwischen dem Herzogtum Grangorien und der Grafschaft Bethana noch zur Bewährungsprobe für das neue Bündnis werden, welches Lehnsleute beider Provinzherren unter einem Dach vereint.
Alle Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass im Sewaktal ein neues Kapitel beginnt – eines, das auf Einigkeit, Zusammenarbeit und dem Geist horasischer Selbstbestimmung basiert.

RTH