Archiv:Castell della Leonis in velirischer Hand (BB 48)

Castell della Leonis in Verlirischer Hand
Notwendiger Schritt gegen Chaos und Gesetzlosigkeit im Sewaktal
von
Ranulf T. Hortemann

Veliris - Der Morgen roch nach kaltem Eisen und uraltem Groll. Und wer — wie ich — Zeuge war, als die verlirischen Banner sich durch den zähen Nebel schoben, wird mir beipflichten: Selten wurde eine Grenzfestung so leise, so entschlossen und so rechtmäßig übernommen wie das ehrwürdige Castell della Leonis, hoch über der Sewakfurt.

Während am Norderkoog noch die Schwerter klirrten und so mancher Patriziersohn und Söldner im Morast sein Leben ließ, entschieden Ariano Sal von Veliris’ Männer in nobler Disziplin eine Frage, die längst gestellt war: Wie lange wollte man dem wilden Treiben in Phecadien, dem Übergreifen des Chaos auf Verlirisches Land noch zusehen?

Man muss wissen: Das Castell della Leonis ist kein bloßer Felsen im Strom. Seit Generationen wacht es über die Furt, an der Händler, Pilger und Krieger gleichermaßen dem Sewak trotzen. Doch unter dem Sewamunder Banner war es zuletzt mehr Unterschlupf für Glücksritter und Söldner als Bollwerk des Rechtes. Die Goldene Distel Cardolfo della Carenios - ein verschlagener Condottiere und sein hartherziger Tross - verkaufte Treue wie eine Ware. Das wusste jeder, nur auszusprechen wagte es kaum einer.

So kam, was kommen musste: Baronet Ariano Sal von Veliris, ein Mann, der nicht mit Federkielen, sondern mit klingender Münze und stählerner Disziplin agiert, zahlte den Preis — und sicherte damit Ruhe und Ordnung an der verwundbaren Westgrenze der Grafschaft Bomed. Keine Plünderung, kein Blutbad: Nur ein Banner, das verschwand, und ein neues, das bald gehisst wird — verlirisch, ehrenhaft, und vor allem: Dem Grafen von Bomed treu ergeben. Wer wollte ihm das verübeln, da die Phecadier vor allem mit Chaos, Attentätern, Bürgerkrieg und zweifelhaften Bündnissen von sich reden machten?
Mancher wird flüstern: „Gekaufte Loyalität!“ Doch wer gesehen hat, wie die Soldaten aus Veliris im Gleichschritt die Furt nahmen, Trommeln dröhnten, Helme glänzten — der weiß: Hier wurde nicht gekauft, hier wurde geordnet, was andere in Willkür versinken ließen.

Cardolfo della Carenio, der Condottiere, nahm den Beutel, senkte das Banner — und verschwand. So kampflos fiel das Castell, so kampflos kam der Friede zurück an die Furt. Manche nennen es Verrat, ich nenne es kluge Einsicht in die Zeichen der Zeit.
Denn eines ist gewiss: Dort, wo Veliris wacht, werden keine Gardisten desertieren, keine Meuchelmörder bis an die Stadtmauern schleichen, keine fremden Flotten in unbewehrte Gassen dringen. So endet ein Kapitel der Grenzunsicherheit — und Sewamund darf sich fortan auf jene Sache konzentrieren, die wahrlich ihre Sorge verdient: Ihre eigenen zerrissenen Lande.
Ariano Sal von Veliris möge lange wachen über die Furt. Möge sein Banner in klarer Luft wehen, wo zuvor nur das Zwielicht flimmerte.

RTH