Archiv:Eine zukunftsweisende Wahl (BB 50)

Quelle: Bosparanisches Blatt Nr. 50, Seite 41 Datiert auf: Praios 1047 BF


Eine zukunftsweisende Wahl

Neue Fürstliche Gemeinde kürt Sanjana ya Malachis zur Gonfaloniera

von Sinjara Acciaioli


Urbasi/Agreppara. Nachdem erst in der Vorwoche Fürst Ralman ihr bei seinem Besuch (BB#48) seinen Segen gab, hat die Allianz der Städte Urbasi und Agreppara nun ihr erstes neues Consiglio gewählt. Am traditionellen Wahltermin, dem letzten Praiostag im Praiosmond, diesmal dem 25. Praios 1047 BF, kamen die Patrizier, Tempelvorsteher und Zunftpatrone zusammen, um der „neuen Fürstlichen Gemeinde“ Köpfe zu geben, die sie in die Zukunft führen könnten.

Siegerin der Wahl und neue Gonfaloniera: Sanjana ya Malachis
Schien Sanjanas Sieg fast durchkreuzt zu haben: Auricanius von Urbet

Viel war im Vorfeld dabei über favorisierte Kandidaten geredet worden – und doch setzte sich am Ende beinahe ein Überraschungskandidat als Erster der Wahl durch. So geriet die Verkündung der Wahlstimmen im Silbernen Saal zu einer spannungsreichen Affäre, die die als 'Architektin der neuen Gemeinde' zuletzt favorisierte Sanjana ya Malachis nach drei Amtszeiten als Priora structuris erst nach der letzten ausgezählten Stimme sicher triumphieren ließ. Mit 9 zu 8 Stimmen setzte sie sich in einem knappen Rennen ums Gonfaloniere-Amt gegen den erstmals angetretenen Rahdrigo Solivino durch.

Dessen Kandidatur schien dabei nicht nur von ihm selbst angefeuert worden zu sein, weshalb ihn sein Erfolg auch selbst wohl mit am meisten überraschte. Er schien beinahe erleichtert, am höchsten Amt Urbasis vorbeigeschrammt zu sein, als er der Gewinnerin der Wahl schließlich zu ihrem „verdienten Erfolg“ gratulierte. Mutmaßlicher Architekt seines Beinahe-Aufstiegs an die Spitze der Fürstlichen Gemeinde soll hingegen Auricanius von Urbet gewesen sein, der – wir erinnern uns (BB#32) – 1030 BF bei der ersten Consigliowahl nach dem Krieg der Drachen schon einmal ausschlaggebend für die Kür eines unwahrscheinlichen Stadtoberhaupts war, damals des Färbersohns Miguel Flaviora. Der praiosgeweihte Baron ließ sich nach der Wahl jedoch kein Wort zu seinem vermuteten Einsatz hinter den Kulissen entlocken – und drückte vielmehr „große Freude über das Wahlergebnis im Allgemeinen“ aus.

Dieses Gefühl teilte er kurioserweise insbesondere mit den Bewohnern der kleineren der beiden in der Fürstlichen Gemeinde vereinten Städte am Sikram, deren ultimativen Triumph er fast verhindert hätte: Agreppara. Die einstige Vorstadt stellte sich nämlich ihrerseits geschlossen hinter die Kandidatur Sanjanas, die mehr als die Hälfte ihrer Stimmen von dorther bezog. Selbst ihr Mitkandidat Niccolo unterstützte sie mit einer der Stimmen der Flavioras, die ihm selbst dadurch fehlte.

Überaus achtbar schlugen sich bei der Wahl auch Larissa di Salsavûr als neue Vertreterin ihres Hauses in der Signoria und der gleichfalls erstmals angetretene Haldan Dalidion, zwei weitere der sogenannten 'Architekten' der neuen politischen Verhältnisse. Die zuletzt amtierende, mit Korruptionsvorwürfen belastete Gonfaloniera Duridanya Zorgazo konnte sich hingegen nur dank der Stimmen ihrer eigenen Familie und der von ihr dominierten Kornzunft überhaupt einen Verbleib im Consiglio sichern. Neben Niccolo und dem erstmals wieder fürs uralte Silbertaler-Geschlecht angetretenen Azzo (dem Jüngeren, der den Namen des allerersten Gonfalonieres trägt) kam sie ins per Los entschiedene Stechen um die letzten der sieben Sitze des Prioriums.

Stark durchmischt wurden darum auch die Ämter der Priori selbst und der ihnen unterstehenden Uffizien. Sanjana übernahm zusätzlich zum Gonfaloniere- das pecunis-Amt, Rahdrigo das ruris-Ressort, Larissa das Ufficio urbis. Nur das curatoris-Amt blieb zumindest in der Familie, da Haldan seine Mutter Leonore ablöste. Niccolo folgt als Priore iuris der wohl aus der Stadtpolitik ausscheidenden Istirde von Urbet nach, Duridanya steht nun – nach zuvor ewiger Salsavûr-Besetzung – an der Spitze des militaris-Ressorts und Azzo verblieb das Amt des Priore structuris, worüber er sich gleichwohl sehr erfreut zeigte. Gespannt harren darum nicht nur die ihnen zuarbeitenden Magistrate und Amtsschreiber der ersten Entscheidungen ihrer neuen Vorgesetzten. Denn dass diese Consigliowahl eine richtungsweisende war, ist mehr als sicher – nur noch nicht, wohin sie wirklich führen wird …

Armin Bundt, mit Dank an alle Beteiligten