Briefspiel:Hausbesuch/Zurück im Palazzo Modesto
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Zurück im Palazzo Modesto

„Monsignore, die Baronin hat um eine conversatio unmittelbar nach eurer Rückkehr gebeten“, wurde Auricanius bei seinem ersten Schritt zurück in den Palazzo Modesto begrüßt.
Ein wissendes Lächeln zog dabei über sein Gesicht, dann gab er der Bediensteten zu verstehen, dass er sie gehört und verstanden hatte. Diese entfernte sich daraufhin wieder.
„Wegen der Kutsche?“, erinnerte sich auch Poldoron an den möglichen Grund des Gesprächswunschs der Gemahlin seines Hausoberhaupts.
Wieder nickte Auricanius nur. Dass sein mit Aurelia getriebener Spaß vom Anfang ihres Ausflugs in den Palazzo Solivino noch wieder 'relevant' werden würde, überraschte ihn nicht. Tatsächlich war er während des kurzen Spaziergangs zurück im Gespräch mit Poldoron aber halb in Vergessenheit geraten. Der Cavalliere hatte auch Auricanius gegenüber nicht alle Details seines Aufenthalts im Solivino-Palast ausgeplaudert, ihm auf seinen neugierigen Blick hin jedoch immerhin etwas ausführlicher Bericht erstattet als dem Familienpatriarchen der Solivino gegenüber. Auricanius hatte den Ausführungen seines Cavalliere dabei aufmerksam gelauscht – und sich an der einen oder anderen Stelle wahrscheinlich weitergehende und vielleicht auch zutreffendere Gedanken zu den eigentlichen Absichten Dorianas gemacht. Diese enthielt er Poldoron allerdings eher noch vor. Die verträumten Augen der jungen Damosella, mit denen sie Poldoron während ihrer mehrtägigen Krankenbettwache während der Exkursion in die Goldfelsen angesehen hatte, waren ihm damals nicht entgangen. Dennoch wollte er dem noch unbeholfenen Werben der Signora um seinen Neffen (2. Grades) nicht zu sehr vorgreifen. Immerhin schien dieser sich inzwischen auch mehr Gedanken um die Absichten Dorianas zu machen – und dabei vor allem neugierig auf die Zukunft zu sein. Nur vor seinem Auftreten beim Ball grauste es ihn offensichtlich einigermaßen.
„Du kommst mit“, setzte Auricanius seinem Nicken an Poldoron dann doch noch eine Aufforderung hinterher, während dieser sich schon abwenden wollte.
„Ähm?“, machte der seiner Verwunderung darüber wortkarg Ausdruck.
„Du warst mein Komplize“, erläuterte der Praios-Geweihte mit einem Lächeln.
Schicksalsergeben nickte der Cavalliere. Sowas war er ja von seinem Baron schon gewohnt.

Aurelias Blick, den sie ihrem Gemahl bei seinem Eintreten in den Prunksaal oberhalb des Rahjagartens zuwarf, war finster.
Der Hauschef ließ sich davon aber gar nicht aus der Ruhe bringen und ging mit einem strahlenden Lächeln auf seine Angetraute zu.
„Aurelia, mein Schatz“, begann er, „gar überraschendes hat sich bei unserem Besuch im Hause Solivino zugetan. Poldoron hat eine Einladung zu einem Ball erhalten.“
Auricanius' Kalkulation, die ihn mit dieser Information vorpreschen ließ, schien sofort aufzugehen. Aurelias finsterer Blick wich umgehend einem neugierigen. Dabei sah sie jetzt Poldoron an.
„Nur zu, erzähl ihr davon“, nahm der Baron sich gekonnt erstmal aus dem Schussfeld.
Poldoron sah Auricanius kurz erstaunt an, blickte dann jedoch zu dessen Gemahlin, die ihn neugierig musterte.
„Signora Doriana Lovisa Solivino“, setzte er zu einer Erklärung an, sich seine Worte bei der Nennung des vollständigen Namens noch zurechtlegend, „hat mich gefragt, ob ich ihr Begleiter beim Ball zum Erleuchtungsfest in Methumis sein könne. Das ist zwar noch lange hin, aber anscheinend werden solche Einladungen weit im Voraus ausgesprochen. Sie sagte, dass alle ihre Bekannten schon wüssten, mit wem sie zu diesem Ball gehen würden.“
Gerade der letzte Satz sollte natürlich die Erwartungen ob dieser Neuigkeit gering halten. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, war er gleichwohl irgendwie als Schutzbehauptung vorgeschoben.
„Ahja“, antwortete Aurelia und fragte sogleich hinterher: „Und du hast die Einladung angenommen?“
„Nachdem der Baron mir dafür die Freigabe erteilte, ja.“
„Soso, hat er das?“ Aurelias Frage war rhetorisch, wie sich schon am leichten Grinsen, das sie Auricanius zuwarf, ablesen ließ.
„Und du ...“ Ihr Blick ging zurück zu Poldoron. „... bist dir der Erwartungen an ein … an dein Auftreten auf dem Ball bewusst?“
Poldoron schluckte und sah die Baronin unsicher an. Dieser Teil seiner Verabredung mit Doriana schreckte ihn gerade noch am meisten.
„Ich hoffe, dass ich meiner mangelnden Erfahrung diesbezüglich bis zum Hesindemond noch etwas entgegenarbeiten kann“, gab sich der Cavalliere kleinlaut.
„Hat der Baron dir dafür auch die Freigabe erteilt?“ Aurelia sah bei dieser Frage zwischen den beiden Urbets hin und her.
„Noch nicht explizit“, sprang Auricanius seinem Cavalliere nun zur Seite. „Sie sei aber hiermit erteilt!“
„Sehr gut“, griff Aurelia die Aussage sofort auf. „Ich fürchte, dass deine Schwester, die Cavalliera jedenfalls ...“ Aurelia sprach natürlich von Arissa, die ihren Dienst hier in Urbasi tat. „... dir dabei nur widerwillig und vielleicht auch nicht zur vollen Zufriedenheit des Hauses zur Verfügung stehen wird.“
Poldoron war erstaunt ob der Geschwindigkeit, mit der die Gemahlin seines Dienstherrn Folgeschlussfolgerungen abwägte.
„Fiona ...“ Aurelia kam auf Poldorons ältere Schwester, die Mutter seines 'kleinen Scheißer'-Neffens zu sprechen. „... dürfte dir dahingehend eine deutlich geeignetere Hilfe sein, wenn du denn in Urbet weilst.“
Auricanius nickte seiner Gemahlin zustimmend zu, während diese die Tanzlehrerinnen seines Cavalliere auswählte.
„Nun, wahrscheinlich wirst du dennoch die meiste Zeit in Urbasi sein, nicht?“ Wieder schien Aurelia ihre Frage beiden Urbets zu stellen.
Poldoron sah den Baron fragend an.
„Wahrscheinlich“, antwortete Auricanius mit einem leichten Grinsen, da er schon ahnte, worauf Aurelia hinauswollte.
„Wenn das so ist, wird die Hauptlast, dir das Tanzen beizubringen, wohl bei mir liegen.“
Aurelia sah den einige Jahre jüngeren Cavalliere prüfend an.
„Oder anders gesagt“, fuhr sie fort, „wirst du stellvertretend für den Baron einspringen müssen, der mir in dieser Hinsicht allzu selten zur Verfügung steht.“
Der hintenraus tadelnde Tonfall Aurelias wich nach einem Augenblick einem verschwörerischen Zwinkern, das sie Poldoron zuwarf.
Der Cavalliere, noch immer ein Stück weit erschlagen davon, wie schnell Aurelia durch die Frage der Aufteilung der Tanzlehrerinnen-'Pflichten' geprescht war, nickte schließlich nur noch. Aurelia war eine ausgebildete Kämpferin wie er, doch auch auf dem gesellschaftlichen Parkett eine der erfahrensten Lehrerinnen, die es im Haus Urbet gab.
„Wohlan, dann dürft ihr euch entfernen … Cavalliere.“
Aurelia schenkte Poldoron ein versöhnliches, doch auch bestimmtes Lächeln. Der machte umgehend kehrt.
„Nicht du, mein Schatz“, richtete Aurelia sich derweil mit wieder leicht tadelndem Tonfall an den Baron. „Du bist mir noch eine andere Erklärung schuldig ...“
„Achja, natürlich“, blieb Auricanius mit einem Lächeln stehen, nachdem er Poldoron schon hatte folgen wollen.
Diesmal war es der Praios-Geweihte, der dem Cavalliere verschwörerisch zuzwinkerte, als dieser den Saal verließ.