Briefspiel in Urbasi
Datiert auf: Mitte Rondra 1048 BF Schauplatz: Tafelbergfestung zu Urbet Entstehungszeitraum: August 2026
Protagonisten: v.a. Rondralio von Urbet Autoren/Beteiligte: Gonfaloniere


Seit kurzem nicht mehr Valvassor: Rondralio von Urbet

Valvassorenauszug

„Valva... ähm Seneschall“, begrüßte ihn einer seiner Ritter auch Tage nach der Wahl nochmal falsch.
Und Rondralio wäre es wohl nicht einmal aufgefallen, wenn der Ritter nur durch seine Selbstkorrektur nicht eine so betretene Szene heraufbeschworen hätte.
'Valvassor' war zwölf Götterläufe lang seine Anrede gewesen. Die Grußformel, die auch alle der ihm unterstellten Lutisaner ihm gegenüber stets verwendet hatten. Natürlich, er war im Orden ihr Seneschall. Doch als Valvassor stand er der ganzen Stadt vor und trug den Titel, der seinem Haus einst der wichtigste gewesen war.
Der Schmerz und die Enttäuschung, vor allem seinem älteren Bruder gegenüber, der ihm dies genommen hatte, einer Familienfremden wegen noch dazu, lähmten ihn seither. Er hatte es bis zuletzt nicht wahrhaben wollen, auch wenn die Anzeichen vorher kaum zu übersehen waren. Auricanius hatte entschieden, dass er nicht wiedergewählt werden würde. Sein eigener Bruder, in dessen Dienst er sich wie oft gestellt hatte? Und dann war er nicht einmal da, zur Wahl, die ihn sein Amt kostete? Yandriga hatte auf ihn eingeredet, während er abgewählt wurde. Doch er konnte darin nur die Worte Auricanius' hören, des verräterischen Bruders, der Nevinia ihm nun vorzog.
Valvassorin Nevinia, aus der Familie ya Stellona, die zum Beginn seiner Amtszeit noch gar nicht in Urbet ansässig war. Acht Jahre altes Urbeter Patriziat stellte nun das Stadtoberhaupt … weil es seinem Bruder so gefiel!
Wütend ließ Rondralio seine Faust auf dem schweren Tisch im Speisesaal des Valvassorenpalasts niedergehen.
'Was mache ich überhaupt noch hier?', dachte er.
Seine Nachfolgerin schien keine Eile zu haben, ihren neuen Amtssitz zu beziehen. Wahrscheinlich wartete sie nur auf die Rückkehr seines Bruders, der auf dem Weg zu Shafirs Hort war. Kurz ertappte er sich bei einem Gedanken: Sollte der Drache ihn doch fressen, seinen Bruder! Doch sofort wurde er rationaler. Das half ihm jetzt auch nichts mehr. Und zu verweilen, brächte ihn nur der nächsten Demütigung näher. Wollte er wirklich warten, bis sein Bruder kam und ihm erklärte, dass das alles zum Wohle der Familie – seiner selbst gar! – die richtige Entscheidung war?
Nein!
„Nein, verflucht!“, brüllte er es heraus.
Die Lutisaner um ihn herum konnten über diesen Ausbruch nur rätseln, da ihnen die Gedanken des Seneschalls als Kontext natürlich fehlten.
„Was nein?“, traute sich ein tapferer unter ihnen zu fragen.
„Wir bleiben nicht mehr hier. Es ist Krieg, verflucht!“
„Aber wünschte der Baron nicht, dass wir zurückbleiben?“
Rondralio sah den letzten Fragesteller finster an.
„Folgt ihr dem Baron oder eurem Seneschall?“, schrie er seine Wut heraus.
Seine Ordensritter sahen sich betreten und fragend an.
Dann zuckte der erste mit den Schultern.
Wenige Stunden später ritten sie in voller Formation aus Urbet heraus, dem Krieg in Almada entgegen …