Der Grangorellenturm markiert am Ende der östlichen Mole des alten Handelshafens von Sewamund als Gegenstück des Turms der Lotsen auf der gegenüberliegenden Mole seit Jahrhunderten die Einfahrt in das Hafenbecken und gehört zu den Dingen, die ein Seereisender von Sewamund mit als erstes mitbekommt. Seinen Namen verdankt er den Grangorellen, kleinen silbrig-blauen Schwarmfischen der Grangorer Bucht.

Der Grangorellenturm an der Ostmole des Handelshafens

Der Turm entstand im Zuge des Ausbaus des alten Hafens und diente anfänglich noch als Beobachtungs- und Wehrturm. Nach mehreren Umbauten und der zwischenzeitlichen Nutzung als Gefängnis erhielt er seine heutige Gestalt und verlor mit dem Bau der Hafenfestung und später des neuen Hafens seine militärische Bedeutung, blieb aber als Navigationspunkt und Landmarke erhalten. Der Turm erhebt sich auf einem massiven Fundament aus behauenen Granitquadern unmittelbar auf der Mole. Über einem niedrigen Sockel steigt ein quadratischer Turmschaft empor, dessen Mauern Wind, Wasser und Stürmen getrotzt haben. Die oberen Geschosse besitzen schmale Beobachtungsschlitze. Nachts wird auf der Plattform ein Feuerkorb entzündet, dessen Licht den Schiffen die Orientierung erleichtert.

Kaum ein anderer Ort der Stadt ist so eng mit dem Fischfang verbunden. Aus diesem Grund riecht der Turm weithin. Es ist in Sewamund üblich, dass die gefangenen Grangorellen, Grangorinen und andere Fische auf See gereinigt und in Fässer verpackt werden. Sobald der so verpackte Fang an Land gebracht wird, öffnen die Arbeiter des Grangorellenturms die Fässer. Sie prüfen die Fische und sortieren ungenießbare Exemplare aus. Sind die Fische nicht ordnungsgemäß ausgenommen, werden sie erneut gereinigt. Anschließend werden sie gesalzen und wieder verpackt. Die Auswahl der Fische ist von großer Bedeutung und darf nur an dieser Stelle erfolgen. Die Beschäftigten des Grangorellenturms unterstehen der strengen Aufsicht von Inspektoren, die vom Lilienrat ernannt werden. Als Nachweis ihrer Berufsberechtigung tragen sie eine Bleimarke. Sie bilden aber keine eigene Zunft, sondern gehören zur Küferzunft.

Viele Gastwirtschaften beziehen einen Teil ihres Angebots unmittelbar von hier. Maler aus dem Schilderquartier suchen den Turm freiwillig auf, da sich von seiner Plattform einer der bekanntesten Ausblicke über den alten Hafen bietet. Unter Handwerkern ist es Brauch, neuen Lehrlingen aufzutragen, den „besten Aussichtspunkt Sewamunds“ zu besuchen. Der Volksmund erzählt, unter dem Turmfundament befinde sich ein bosparanischer Wellenbrecher, dessen Steine niemals entfernt werden dürften. Geschähe dies, würde der Sewak erneut seinen alten Lauf suchen und den Hafen verschlingen.

Volkes Stimme

„Der Turm stinkt wie zehn Fischkörbe, der Fang muss gut sein.“
— Hafenarbeiterin

„Warum heißt der Turm Grangorellenturm? Weil niemand 'Turm mit den vielen stinkenden kleinen Fischen' auf eine Seekarte schreiben wollte.“
— alter Witz unter Seeleuten

„Die Grangorelle stinkt nur so lange, bis sie auf dem Teller liegt.“
— Hafenkoch

„Wer den Grangorellenturm riecht, weiß, dass er zuhause ist.“
— Sewamunder Seemann

„Der Turm zeigt dir den Hafen. Die Nase zeigt dir den Turm.“
— altes Hafenwort

„Riechst du den Turm bis zum Markt, kommt morgen Sturm mit voller Fahrt.“
— alter Spruch

„Der Turm hat zwei Wahrzeichen: oben den Ausblick und unten den Geruch.“
— Scherz