Das Haus Zauberstab ist ein gehobenes Freudenhaus in der Röschengasse von Sewamund. Es wurde im Efferd 1048 BF eröffnet und befindet sich unweit der Hafenfestung und des Herzog-Cusimo-Collegs. Bereits wenige Wochen nach seiner Gründung entwickelte sich das Etablissement zu einem der meistdiskutierten Häuser der Stadt, nicht zuletzt wegen seines ungewöhnlichen Konzepts, das arkane Symbolik, tulamidisches Ambiente und eine geschickte Profilierung des Rufs miteinander verbindet. Während das traditionsreiche Haus Wilde Stute auf klassische Eleganz setzt, wirbt das Haus Zauberstab mit dem Versprechen, seinen Gästen „eine Reise zwischen Wirklichkeit und Illusion“ zu bieten.

Das Haus Zauberstab in der Röschengasse

Das Gebäude diente vorher als Mietshaus für alleinstehende Hafenarbeiter, Handwerksgesellen und Junggesellen. Nach mehreren Besitzerwechseln stand es einige Zeit weitgehend leer. Kurz nach der Gründung des Herzog-Cusimo-Collegs wurde es umgebaut, die neuen Betreiber investierten einige Summen in aufwendige Inneneinrichtung mit exotischen Stoffen, Lichtillusionen und Anspielungen auf die Welt der Magie. Die zeitliche Nähe zur Einrichtung des Collegs führte zu Gerüchten über Zusammenhänge. Offiziell weist jede Seite diese Vermutungen zurück.

Von außen wirkt das Haus nicht anders als andere Bordelle der Röschengasse. Die schlichte Fachwerkfassade wird durch ein kunstvoll geschnitztes Schild geschmückt, das einen geschnitzten Zauberstab vor einem Sternenkranz zeigt. Erst nach Betreten des Hauses eröffnet sich dem Besucher eine opulente Ausstattung. Das Erdgeschoss beherbergt den Astralsalon, eine dekorierte Schankstube mit tiefblauen Wandbehängen, Messingleuchtern und gewölbter Decke, deren Bemalung einen Sternenhimmel darstellt. Mehrere Gesellschaftszimmer tragen Namen wie Pentagramm, Kristallkugel, Drachenei oder Bibliothek der verbotenen Künste. Im Obergeschoss befinden sich die Gästezimmer, deren Einrichtung je einem eigenen Thema folgt. Beliebt sind die Kapitänskajüte, die Tulamidische Sternwarte, das Labor und das Zimmer der tausend Spiegel, dessen Wände mit Spiegeln und Kristallen den Raum größer erscheinen lassen.

Das Haus Zauberstab versteht sich selbst Erlebnisetablissement. Bedienstete treten unter Künstlernamen auf, die Bezug auf Magie oder ferne Länder nehmen. Getränke tragen Bezeichnungen wie Transsphärischer Kuss, Efferds letzter Atemzug, Astralfeuer, Hexenkessel oder Basiliskenblut, ohne dass wirklich Magie im Spiel wäre. Mehrere Angestellte beherrschen Bühnenkunststücke, Taschenspielerei oder Illusionskunst. So entstand das Gerücht, im Haus arbeiteten Magier. Die Betreiber lächeln darüber, widersprechen aber selten.

Das Publikum ist gemischt. Neben Kaufleuten, Offizieren und Kapitänen finden sich hier Angehörige des Herzog-Cusimo-Collegs ein. Unter den Kadetten erfreut sich das Haus eines Rufes als Ort, an dem man mehr über zwischenmenschliche Navigation als über Seekarten lernen könne. Die Betreiber legen größten Wert auf Diskretion. Deshalb werden Stammgäste auf Wunsch unter frei gewählten Namen geführt, es existieren beispielsweise Einträge wie Großmeister Borbarad, Graf Unsichtbar, Praios von Nebenan oder Der Seilermeister.

Volkes Stimme

„Im Zauberstab verschwinden mehr Münzen als Kaninchen.“
— Hafenarbeiterin

„Früher gingen Kadetten zum Fechten. Heute studieren sie angeblich Illusionskunde.“
— Wirt der Wachstube

„Wer behauptet, noch nie im Zauberstab gewesen zu sein, kennt meist erstaunlich viele Einzelheiten.“
— Redensart in der Röschengasse