Das Hotel Sewakblick ist eines der ältesten Gasthäuser Sewamunds. Es liegt in der Nähe des Ufers des Sewak zwischen der Wäscherei und den Fischerstegen. Von seinen oberen Stockwerken bietet sich ein weiter Blick über den Fluss, die Vorstadt Trafiume und die Mündung des Sewaks in die Grangorer Bucht, der dem Haus seinen Namen gab.

Das Hotel Sewakblick am Wäscherviertel

Obwohl das Hotel nicht mehr den Glanz früherer Tage besitzt, zählt es zu den angesehensten Herbergen der Stadt und wird von Gelehrten, Beamten, Offizieren und Kaufleuten geschätzt, die eine ruhige Unterkunft geschäftigen Hafenkneipen vorziehen.

Das Gebäude entstand als Stadtpalais der inzwischen ausgestorbenen Familie ter Linde. Die ter Linde gehörten einst zu den wohlhabenden Patriziern Sewamunds und betrieben erfolgreichen Fisch- und Edelsteinhandel. Ihr Niedergang begann während einer Reihe schwerer Sturmwinter. Mehrere Schiffe der Familie gingen binnen weniger Jahre verloren, Handelspartner wandten sich Konkurrenten zu und schließlich forderte eine Seuche fast sämtliche Angehörige des Hauses. Mit dem Tod des letzten Familienoberhauptes 923 BF erlosch die Linie. Das Anwesen fiel an die Stadt, die es als Gästehaus für hochrangige Besucher nutzte. Später entwickelte sich daraus das Hotel Sewakblick.

Lange Zeit bildete sich um das Haus der gesellschaftliche Mittelpunkt des Fischerviertels. Westlich von ihm lagen Fischerhütten, Netzböden, Bootsschuppen und kleine Räuchereien. Von den Fenstern aus konnte man den Fischern beim Auslaufen zusehen, während Händler auf den Stegen bereits um den ersten Fang des Tages feilschten. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Sewamunds änderte sich dieses Bild. Die Degano-Werft benötigte immer größere Flächen für den Bau der Handelsschiffe. Nach und nach verschwanden Teile des Fischerviertels zugunsten der Werft. Die Fischer siedelten um oder fanden Arbeit auf der Werft der Familie Degano. Einige Gemälde im Hotel erinnern bis heute an das frühere Gesicht dieses Stadtteils.

Der langgestreckte Bau besitzt drei Stockwerke und ein steiles Ziegeldach mit zahlreichen Gauben. Die straßenseitige Fassade wirkt zurückhaltend, während sich zum Sewak hin Fensterreihen und Balkone öffnen. Im Erdgeschoss befinden sich Stallungen, Schankstube, Speisesaal und ein holzgetäfelter Salon. In den Obergeschossen liegen Gästezimmer unterschiedlicher Größe, deren Einrichtung altmodisch gehalten wurde. Viele Möbel stammen aus dem Besitz der Familie ter Linde. Auch Maler schätzen den Blick auf den Sewak, dessen wechselnde Lichtstimmungen viele Bilder inspirierten.

Volkes Stimme und Gerüchte

„Im Sewakblick schläft man ruhig. Nur der Fluss erzählt manchmal Geschichten.“
— Stammgast

„Früher hörte man hier die Fischer singen. Heute hört man die Zimmerleute hämmern.“
— alte Matrosin

„Wer das beste Zimmer bekommt, sieht morgens zuerst die Sonne und abends die Werft.“
— Reiseführer aus Grangor

„Das Hotel hat den Wandel der Stadt überlebt. Manche Gäste behaupten sogar, es sei älter als ihre Rechnungen.“
— Wirt des Hauses

Mehrere Gäste wollen in stürmischen Nächten eine weiß gekleidete Dame auf den Balkonen gesehen haben. Sie soll schweigend auf den Sewak blicken und verschwinden, sobald jemand sie anspricht. Der Wirt erklärt dies mit Nebelschwaden vom Fluss. Das Personal widersprecht ihm regelmäßig.

Im Speisesaal hängt noch immer ein großes Ölgemälde der Familie ter Linde. Niemand weiß genau, wen es zeigt. Der Hotelier behauptet steif und fest, es handele sich um den letzten Hausherrn. Seine Gattin behauptet hingegen, es sei lediglich ein besonders ernst blickender Fischhändler.

Quellen