Sewamunder Haus der Zünfte
Das Haus der Zünfte ist das gemeinsame Versammlungs- und Verwaltungsgebäude der Handwerkszünfte Sewamunds. Es befindet sich am alten Handelshafen zwischen dem Efferd-Tempel St. Dozman, der Halle des Handels und dem großen Speicherhaus im alten Kontor der Nordmeer-Compagnie. Schon die Lage zeigt es als Schnittstelle zwischen Handwerk, Handel und Schifffahrt.

Obwohl die einzelnen Zünfte Werkstätten über die Stadt verteilt besitzen, gilt das Haus der Zünfte als ihre gemeinsame Stimme gegenüber dem Lilienrat. Hier wählen die Zünfte ihren Sprecher, beraten über gemeinsame Anliegen und entscheiden über Fragen, die mehrere Gewerke zugleich betreffen.
Das Haus erfuhr seine heutige Nutzung, als der wirtschaftliche Aufstieg Sewamunds und der Nordmeer-Compagnie immer engere Zusammenarbeit zwischen den Gewerken erforderte. Immer häufiger mussten Aufträge koordiniert, Standards vereinbart oder Streitigkeiten zwischen Handwerkern geschlichtet werden.
Es ist ein repräsentativer Backsteinbau mit breiter Straßenfront und giebelständigem Dach. Im Erdgeschoss befinden sich eine große Schalterhalle, mehrere Schreibstuben und die Anschlagwände, auf denen Aufträge, Gesellenwanderungen, Stellengesuche und Ausschreibungen veröffentlicht werden. Das Herzstück bildet der Große Zunftsaal. Seine schwere Balkendecke ruht auf mächtigen Eichensäulen, die mit den Symbolen der wichtigsten Gewerke verziert sind: Hammer, Anker, Schere, Spindel, Hobel, Fisch, Seil und Zirkel. Mehrere Beratungszimmer dienen den einzelnen Zünften als Sitzungsräume. Im Obergeschoss befinden sich Archiv, Rechnungsstuben und die Wohnung des Zunftschreibers.
Jede Zunft entsendet ihren Gastalden oder ihre Gastaldin. Gemeinsam wählen sie einen Sprecher, der vor dem Lilienrat für die Zünfte spricht. Seit der Reform des Lilienrats 1046 BF sind die Sewamunder Zünfte verpflichtet gemeinsam einen Cavalleristo für die Stadtverteidigung zu stellen. Erste Cavallerista der Zünfte ist die Abgängerin der Rondra-Schule der Universität Methumis Efferdlil Trosseni, die Tochter des Gastalden der Fleischer- und Gerberzunft, Adriaan Trosseni.
An den Schwarzen Balken, einen langen Eichenbalken im Eingangsbereich, muss jeder Geselle vor seiner Meisterprüfung einmal mit dem eigenen Hammer schlagen. Es heißt, Ingerimm erkenne am Klang des Holzes, ob jemand sein Handwerk beherrsche. Fast ebenso berühmt ist das Schwarze Brett, auf dem nicht nur Arbeitsangebote veröffentlicht werden, sondern auch verlorene Werkzeuge, entlaufene Lehrlinge, gesuchte Schuldner und bisweilen bissige Karikaturen rivalisierender Zünfte. Der Hausmeister entfernt beleidigende Anschläge gewöhnlich erst nach Tagen. „Zur allgemeinen Belustigung", wie er erklärt, „das haben wir schon immer so gemacht.“
Ein alter Brauch verlangt, jeder frisch ernannte Meister spendiere nach seiner Ernennung eine zünftige Runde Bethaner Weizenbier an sämtliche anwesende Gesellen. Da sich der Begriff anwesend großzügig auslegen lässt, ist mancher neue Meister unmittelbar nach seiner Beförderung in Geldnot geraten.
Im Keller wird die Große Zunftlade verwahrt. Sie enthält die wichtige Urkunden der Handwerker, alte Meisterbriefe, Siegel, Eichmaße und die Rücklagen der Zünfte. Drei verschiedene Schlüssel sind notwendig, um die Lade zu öffnen. Sie befinden sich nie lange in den Händen derselben Person.
Die Sewamunder Zünfte
Im Haus vertreten sind etwa:
- die Bäcker- und Brauerzunft
- die Angler- und Fischerzunft
- die Fleischer- und Gerberzunft
- die Küferzunft
- die Schmiedezunft
- die Schreiberzunft
- die Seilerzunft
- die Steinmetze
- die Tuch- und Segelmacherzunft
- die Zimmermanns- und Schiffsbauerzunft
Volkes Stimme
„Wenn zwei Meister sich streiten, gewinnt am Ende der Schreiber.“
— alte Zunftweisheit
„Wer ins Haus der Zünfte geht, kommt entweder mit Arbeit oder mit neuen Vorschriften wieder heraus.“
— Matrose
„Der Lilienrat regiert Sewamund. Das Haus der Zünfte sorgt dafür, dass dabei nichts zusammenfällt.“
— Zimmermann
„Zwölf Meister, dreizehn Meinungen.“
— geflügeltes Wort unter Gesellen