Städteübergreifendes Briefspiel
Datiert auf: Travia 1047 BF Schauplatz: Palazzo Alentino in der Herrschaft Alentino, Baronie Aldyra Entstehungszeitraum: ab März 2025
Protagonisten: Jucho von Dallenthin und Persanzig Autoren/Beteiligte: Dajin,
Zyklus: Übersicht · Personae Dramatis · Alles zum Spiel · Ein goldener Morgen · Balkongespräche · Willkommen im Palazzo Alentino · Die neunte Stunde · Maskenball · Fuchsband · Zwischen den Spielen · Boltan-Runde · Nachtschwärmer · Das Plädoyer · Allein der Gedanke · Rote und Weiße Kamele · Kunstversteigerung · Der Fuchsbau · Kleinod Einer aus Neun mal Neun · Pferdewetten · Pferderennen · Regelwerke · Intermezzo · Juchos Memoiren (Das Finale)


Gerbersches Fazit nach dem ersten Spiel

Der Tanz war nach Partitur 5 nun auch für Carolus Gerber dieser erste Wettbewerb vorbei und er gesellte sich zu den anderen drei Damen seiner Familie. Dettmarahja sah noch immer ganz fasziniert dem Treiben auf der Tanzfläche zu, während Yoline sich mit Avedane angeregt unterhielt. Die tulamidische Schönheit hatte ihr heißes Blut inzwischen etwas gekühlt und war wieder in bester Laune. Sie schenkte dem schlanken und sich sehr elegant bewegenden Mann ein freundliches Lächeln und hielt ihm ein Glas Bosperano entgegen. Dieser machte eine formvollendete Pirouette mit leicht abgespreizten rechten Bein und erhobenen Armen, verneigte sich dann übertrieben tief und griff dann nach dem Glas Arangensaft welches die Maga in der anderen Hand hielt. „Meine liebste Base, ihr hattet schon raffiniertere Einfälle, mich in Versuchung zu führen!“ Er erhob das Glas und prostete den beiden Damen zu: „Möge uns bei den folgenden Runden der Herr der Nacht gewogener sein!“
Yoline prostete ihren Verwandten ebenfalls zu, trank einen Schluck und ereiferte sich dann: „Es war nicht anständig, sie zu disqualifizieren, weil sie durch das Unvermögen einer anderen Person aus dem Tritt gekommen war und kurz aus dem Konzept war.“ Carolus schmunzelte: „ Nun meine Liebe, gewöhnt euch besser schnell daran, dass das Leben in seiner Gänze selten dazu neigt, anständig oder gerecht zu sein.“ Entschuldigend blickte er zu Avedane ehe er weitersprach: „Unsere geschätzte Maga, die ich im Übrigen für eine ganz ausgezeichnete Tänzerin halte, hat einen Fehler gemacht und einen Augenblick einen wenig kompetenten Eindruck auf die Richter gemacht. Man könnte auch sinnieren, dass wenn wir etwas mehr Zeit gehabt hätten und uns rechtzeitig gefunden hätten, um gemeinsam als Paar zu tanzen, was ja der ursprüngliche Plan war, wir vielleicht besser abgeschnitten, ja diese Runde gar gewonnen hätten. Aber es ist müßig, denn alles wenn und hätte ändert nichts daran, dass die Realität ist, wie sie nun einmal ist. Es ist wesentlich sinnvoller, und dass lass dir von einem erfahrenen Kartenspieler gesagt sein, sich Gedanken darüber zu machen, was man mit den Karten , die man in der Hand hält, anfangen kann und daraus das Beste machen. Darüber zu sinnieren, was mit anderen Karten alles möglich wäre, ist der schnellste Weg zur Niederlage. Alles andere ist wie Schaukeln, es kostet Kraft, du bist in Bewegung, aber du kommst nicht wirklich von der Stelle.“ Carolus legte die freie Hand auf ihre Schulter und drückte sie sanft: „Wir haben nicht besonders gut abgeschnitten und es ändert sich nicht, wenn wir klagen und hadern. Die Realität ist wie sie ist und wir tun jetzt gut daran, uns auf die nächste Runde zu konzentrieren und die vergangene Runde bestenfalls als Lektion zu sehen und aus den Erfahrungen etwas zu lernen.“ Damit zog er seine Hand zurück und trank einen weiteren Schluck seines Arangensaftes.
Die Maga strich dem einstigen Lebemann sanft mit der flachen Hand über den Rücken und mit einer Mischung aus Spott und Anerkennung in der Stimme sagte sie: „Meinen Respekt, wer hätte gedacht, dass ein begnadeter Zahlenjongleur und ehemaliger Berufsspieler und Trunkenbold auch ein so tiefsinniger Philosoph sein kann!“ Der Angesprochene zuckte mit den Schultern und erwiderte mit einem Zwinkern: „Der viele Weingeist muss wohl seine Spuren hinterlassen haben!“
Interessiert verfolgte man nun ebenfalls den restlichen Verlauf des Spiels und beklatschte mit aufrichtiger Anerkennung die Siegerin Tsabella della Carenio.

Tsabella della Carenio

Tsabella della Carenio drehte ihr ausladendes Gewand mit dem Pfauenfederschwanz im Kreis und ließ sich feiern. Sie neigte mit nickender Federkrone das Haupt in jede Richtung, aus der ihr Applaus gespendet wurde. Natürlich wusste sie, dass sie erst ganz zum Schluss mit viel Glück das Spiel für sich entschieden hatte. Doch am Ende zählte schließlich einzig das Ergebnis. Tsabella hatte großen Spaß an der Hatz nach den Bändern gehabt! Was für ein Auftakt, ganz nach ihrem Geschmack! Noch immer außer Atem, aber in bester Laune, ließ sie sich ein Glas Bosparanjer reichen, dessen prickelnde Erfrischung ihr kühlend die Kehle hinabrann. Beflügelt von ihrem Sieg prostete sie ihren Bewunderern zu.

Daria Legari

„Bei Rahja und ihren Geschwistern!“, Daria Legari zog ihren Fächer hervor und begann sich hektisch etwas Luft auf ihr erhitztes Gesicht zu fächeln. Ihr Atem ging schwer. Was für ein Tanz! Sie hatte sich wirklich gut geschlagen, aber die Länge und die Geschwindigkeit waren ein Kaliber für sich. Uff! Da erschien ihre Großnichte neben ihr. Ardara war sich nicht ganz sicher, wie wahrscheinlich es war, dass die doch schon etwas betagte Dame kollabierte. Schließlich hatte sie gerade mit einer Horde Leute, die teilweise nicht einmal halb so alt war wie sie, um die Wette getanzt. „Das war wirklich beeindruckend!“, meinte sie mit einem Strahlen um ihre Sorge zu überspielen und klatschte in die Hände. Daria machte eine wegwerfende Bewegung mit dem Fächer. „Ach was, wenn du jemanden hofieren möchtest, wäre die Pfauendame die Richtige. Sie war richtig gut, aber bei ihrem Ruf wäre ich auch enttäuscht gewesen, wäre es anders.“ Kurz gluckste sie, „ aber vor zwanzig Jahren wäre die Sache anders ausgegangen, meine Liebe. Nun ja, vielleicht habe ich bei einem der anderen Wettbewerbe mehr Glück. Aber jetzt brauche ich erstmal etwas zu trinken und ein paar von diesen Häppchen, die hier bestimmt irgendwo unterwegs sind.“ Mit einem schnellen Griff angelte sie sich ein Glas Bosparanjer von einem vorbei eilenden Kellner. Eine Geste, die Ardara irgendwie an den Diebstahl eines Fuchbandes denken ließ. Dann wandte Daria sich Tsabella zu und als sich ihre Blicke für einen Moment kreuzten, prostete die ältere Dame ihr leicht zu.