Der Leuchtturm von Sewamund erhebt sich auf der kleinen Leuchtfeuerinsel südwestlich der Hafenfestung und bewacht gemeinsam mit dem Grangorellenturm, dem Lotsenturm und dem alten Turm die Einfahrt in die Häfen der Stadt. Er wurde nach der verheerenden Sturmflut im Travia 1046 BF errichtet und gilt als ein Zeichen des Wiederaufbaus Sewamunds. Sein weithin sichtbares Leuchtfeuer stammt aus der Glaserei Pfauenstein, während der Entwurf der Anlage von der Architektin Bende ter Groot ausgearbeitet wurde. Er besitzt wie sein Vorgänger einen Semaphor, mit dessen Hilfe Nachrichten bei Tageslicht entlang der Küste der Grangorer Bucht übermittelt werden.

Der neue Leuchtturm auf der Leuchtfeuerinsel

An dieser Stelle befand sich vorher bereits ein ähnlicher Leuchtturm, der Schiffe in die Mündung des Sewaks führte. Damals, vor der Sturmflut 1046 BF, war jener noch über eine Landbrücke mit der Südseite des Hafenfestung verbunden. Die Sturmflut riss diese Verbindung hinweg und zerstörte große Teile der heutigen Insel. Wellen unterspülten das Fundament des alten Turmes, dessen Feuer bis zuletzt brannte, bis er schließlich zusammenbrach. Innerhalb kürzester Zeit beschloss der Lilienrat den Neubau. Mit der Planung wurde Bende ter Groot beauftragt, die den Turm nicht nur ersetzen, sondern aus den neuesten Erfahrungen lernen wollte. Der Neubau wurde 1047 BF vollendet.

Der neue Turm erhebt sich auf einem massiven achteckigen Sockel aus hellem Werkstein. Seine Mauern verjüngen sich nach oben leicht und widerstehen den heftigen Weststürmen besser als der Vorgängerbau. Eine breite Wendeltreppe führt zur Laterne. Das Leuchtfeuer ruht hinter großen, verglasten Wänden, deren klare Glasscheiben von der Glaserei Pfauenstein gefertigt wurden. Darüber erhebt sich der Semaphor. Im Turminneren befindet sich das Wohnhaus der Leuchtturmwärter und Semaphoristen, eine winzige Werkstatt, ein Brunnen und eine Vorratskammer. Ein steinerner Weg führt zu einem kleinen Bootsanleger hinab. Daneben steht ein Denkmal, das an die Sturmflut erinnern soll.

Das Herzstück des Turmes bildet die große Pfauenstein-Linse. Sie bündelt das Licht einer Flamme und wirft es hinaus auf das Meer. Bei klarem Wetter soll das Feuer noch in einer Entfernung von über zwanzig Meilen sichtbar sein. Seeleute sprechen ehrfürchtig vom Auge Sewamunds.

Das Ende des alten Leuchtturms

Der Semaphor ist ein schlanker Signalmast mit beweglichen Signalarmen. Kadetten des Herzog-Cusimo-Collegs lernen das Lesen der Signale aus nächster Nähe während ihres ersten Ausbildungsjahres. Der Turm wird dauerhaft von einer kleinen Mannschaft des kaiserlichen Semaphorie-Regimentes und Leuchtturmwärtern betreut. Zu ihren Aufgaben gehören die Pflege des Feuers, die Reinigung der Gläser, die Wartung des Semaphors, Wetterbeobachtung, das Führen des Leuchtbuches und die Unterstützung der Lotsen bei Nebel. Jede Nacht wird Brenndauer, Windrichtung und Sichtweite protokolliert.

Obwohl die Insel kaum größer als einige Gärten ist, besitzt sie eine reiche Vogelwelt. Möwen, Seeschwalben und Kormorane nisten zwischen den Felsen. Die Wärter dulden sie und behaupten, das Verhalten der Vögel kündige Wetterumschwünge früher an als jede Windfahne.

Zur feierlichen Inbetriebnahme des neuen Turmes versammelten sich Vertreter des Lilienrats, der Nordmeer-Compagnie, der Tempel und Bürger Sewamunds. Als das Leuchtfeuer erstmals entzündet wurde, antworteten sämtliche im Hafen liegenden Schiffe mit ihren Glocken und Signalhörnern. Manche Seeleute berichten noch heute mit sichtbarer Rührung von diesem Augenblick.

Volkes Stimme

„Der alte Turm zeigte den Weg nach Hause. Der neue zeigt den Weg in die Zukunft.“
— Geron Einhand

„Der Turm schläft nie. Warum sollten wir es tun?“
— Leuchtturmwärterin

„Der Semaphor spricht schneller als jeder Reiter.“
— Kadett des Herzog-Cusimo-Collegs

Quellen