Archiv:Fangfrische Tagespost (BB 47)

Aus Liebliches-Feld.net
Zur Navigation springenZur Suche springen
Fangfrische Tagespost
von
Romit O. Noyadrif

Sewamund, Ende Efferd 1046 BF. Sewamund, mitten in den Wirren um die Stadtpolitik erreicht Aurelio van Kacheleen auch noch diese von allen Göttern verlassene Nachricht: Die Tagespost wurde fangfrisch von den einlaufenden Schiffen und Semaphorenstationen eingesammelt. Auch die frühen Boten brachten ihre kostbare Fracht vorbei.
Sein getreuer Diener Tietje Fondenwogen hatte ihm diese auf einem silbernen Tablett wie jeden Morgen auf seinen schweren Mohagonitisch gelegt. Die Luft des Arbeitszimmers wurde durch einen kräftigen Geruch nach starkem Tee eingenommen.
Wie jeden frühen Morgen öffnete Aurelio die Tagespost die seinen Palazzo erreicht hatte.
Der Brief der HPNC fiel ihm dabei direkt in die Augen. Noch bevor er sich setzen konnte, brach er das Siegel und laß die Zeilen. Wie immer quer und auf der Suche nach dem eigentlich wichtigen Textgehalt. Leise sprach er die Worte „... ein weitere Unglück …. Schiff aufgebracht … Ladung unauffindbar … zum Glück gab es nur Verletzte und keine Toten …. “. Seine Miene verfinsterte sich. „Nicht schon wieder und bei Efferds Wogen, warum ausgerechnet meine Ladung.”
Tietje Fondenwogen erwägte für eine Aufmunterung zu sorgen: „Hoher Herr, Euer Sohn Travinus, schickt die allerphexischsten Grüße aus Shenilo. Die Geschäfte aus Mitbeteiligung an der Weinhandlung Shenilo laufen anständig an und ein Handelskontakt ins Almadanische hat sich aufgetan. Welch eine Scharlatanerie die heißblütigen Händler bei der Präsentation der Waren veranstaltet haben, hätte Euch, geliebter Vater, wohl mehr abgeschreckt, mich hat es überwältigt und es scheint tiefen Eindruck bei dem zahlungskräftigen Publikum hinterlassen zu haben.” Aurelio hörte kaum zu, zu sehr war er in Gedanken schon dabei, mögliche Szenarien zu entwickeln, um wieder an seine Ladung zu kommen.
„Scharlatanerei”, stieß er dann hervor. „Wer in des Zwölfgötters Antlitz ist so kühn wie verrückt und stiehlt dermaßen dreist Waren von der HPNC und glaubt ungeschoren davon zu kommen?” Tietje zog beide Augenbrauen hoch, schwieg aber besser, hatte er doch überhaupt keine Antwort auf die Frage seines Herren.
„Schick Travinius einen Brief, treuer Tietje. Ich werde seinen Sohn Eolan in den Norden entsenden, Nachforschungen anzustellen und Spuren ausfindig zu machen, wir müssen das beenden, und die Hände faul in den Schoß legen, war noch nie meine Art. Schreibe ihm, dass er den Almadanern beste Grüße aus Sewamund ausrichten soll und lade sie ins hiesige Strandbad ein. Das Eisen ist heiß, wir schmieden.” Tietje schaute den Patriarchen erstaunt an. „Ja, das Eisen ist heiß”, betone er intensiv, „und nun los, schicke den Brief noch heute mit einem Reiter los. Und Tietje, schicke einen zweiten Boten zur HPNC in Grangor und kündige mein Begehren für die nächste Sitzung an, „Sicherung der unter HPNC Interesse fahrenden Schiffe und Einberufung einer Aufklärung der Vorkommnisse, die zu diesen unsäglichen Umständen führen. Wir machen uns lächerlich und verlieren auch noch bares Gold, wenn wir nicht umgehend entsprechend, überzeugend und entschieden reagieren.” Tietje nickte und begab sich an das Verfassen der beiden Briefe, der Alte wird sicherlich die Briefe wie stets querlesen und die Formulierung anpassen.
Unten im Kontor fiel fast zeitgleich ein großer schwerer Sack Korn um.

UT