Archiv:Götterurteil am Norderkoog - Lilienrat siegreich im Streit um Sewamund (BB 48)
Sewamund - Auf den weiten Feldern des Norderkoogs, unweit nördlich unserer ehrwürdigen Stadt Sewamund, fiel zu Purgatoria die Entscheidung im lang schwelenden Konflikt zwischen dem Baron von Sewamund, Irion von Streitebeck, und dem Lilienrat unserer Stadt.
Herzog Cusimo Garlischgrötz selbst hatte dieses Gefecht als Götterurteil bestimmt, um die Frage der Herrschaft über Stadt und Baronie Sewamund, die sich an einem juristisch fragwürdigen Eingriff in die Autonomie der Landstadt in einer Neubesteuerungsfrage entzündet hatte, endgültig zu klären. Unter der strikten Maßgabe des Herzogs standen sich am 27. Travia zur Praiosstunde zwei gut gerüstete Heere gegenüber: Auf Seiten des Barons kämpften neben seinen eigenen Truppen auch die Kontingente von Patrizierfamilien aus Venga und Nervuk, sowie Einheiten aus Odilshus und aus der Baronie Phecanostein unter Baronin Cariana von Selzin-Garlischgrötz. Dem Lilienrat standen dagegen die Stadt- und Baronietruppen von Ruthor, sowie Verbände aus Shenilo, Nevorten und Selzin zur Seite.
Ohne Magie, ohne Artillerie und ohne Milizen
Die vor der Schlacht vereinbarten Bedingungen untersagten ausdrücklich den Einsatz von Milizen, Artillerie und Magie; auch auf See blieb es bei einem stummen Kräftemessen: Die Kriegsschiffe beider Seiten harrten in der Bucht von Grangor aus, ohne ins Kampfgeschehen einzugreifen.
Die Heerführer waren auf Seiten des Lilienrats Cavalliere Dareius Amarinto und sein Stellvertreter Esquirio Khardan Luntfeld, auf Seiten des Barons die bekannte Condottiera und Veteranin der Dämonenschlacht, Usvina Tribêc de Trebesco.
Ein Ringen ohne Gnade
Der Verlauf der Schlacht war ein wechselvolles Ringen, geprägt von kluger Taktik und ungebrochenem Kampfgeist beider Seiten. Mehrfach wogte das Gefecht hin und her, ohne dass sich eine klare Überlegenheit erkennen ließ. Söldnereinheiten und Condottieri aus dem ganzen Reich und sogar anderen Reichen gaben einander in vorderster Front keine Blöße; es war die größte bewaffnete Auseinandersetzung in der Septimana seit dem Thronfolgekrieg.
Zu den tragischen Verlusten zählen mehrere Persönlichkeiten von Rang: Usvina Tribêc de Trebesco fiel im blutigen Nahkampf, ebenso der alte Esquirio Torvon di Piastinza, die Rondrageweihte Derya di Salsavûr sowie Cavalliera Aldare von Selzin. Zahlreiche Adlige beider Seiten trugen teils schwere Verwundungen davon.
Ein Attentat und ein Angriff auf die Stadt
Während die Entscheidung auf dem Schlachtfeld noch offen war, erschütterten zwei Ereignisse die Vertreter der Stadt auf dem Feldherrenhügel: Ein Attentäter drang bis in die Nähe der Baronessa Dimiona della Carenio vor, wurde jedoch im letzten Moment gestoppt. Ein Leibwächter von Ratsherr Aurelio van Kacheleen opferte sein Leben, um die Stadtoberin zu schützen; die Baronessa selbst kam mit leichten Blessuren davon, der Angreifer konnte gefangen genommen werden. Er beteuerte, nicht vom Baron beauftragt worden zu sein.
Fast zeitgleich erreichte die Nachricht den Feldherrenhügel, dass eine fremde Flotte in Sewamund gelandet war. Unterstützt von desertierten Sewakdrachen drangen fremde Bewaffnete in die fast ungeschützte Stadt ein. Capitan Praiodan ter Braken, Kommandant der Stadtverteidigung, und die Condottiera Sewakia van Hoven organisierten tapfer den Widerstand. In harten Straßenkämpfen wurden die Invasoren nach dem Tod ihres Anführers, des gefürchteten Condottiere Bardovino Boronshand, zurückgedrängt und schließlich in die Bucht hinausgetrieben. Jedoch blieben viele Verletzte, Tote und umfassende Zerstörungen in der Stadt zurück.
Tragischerweise fielen in den Kämpfen auch Capitan Praiodan ter Braken und sein alter Widersacher Varsinion Rimendoza, einst Capitan der Sewamunder Stadtgarde, nun offenbar Diener fremder Mächte.
Die Entscheidung fallt
Auf dem Feld entschied sich das Schicksal in der Schlacht zwischen den Elitetruppen beider Seiten. Usvina Tribêc de Trebesco suchte mit ihren besten Kämpfern den direkten Zusammenstoß mit Dareius Amarinto und dessen Gefolge. Dort fiel sie unter unklaren Umständen im Getümmel, woraufhin die Reihen des Barons ins Wanken gerieten. Nach mehreren entschlossenen und verlustreichen Angriffen der Lilienrats-Truppen, darunter vor allem die Schildraben des Condottiere Karinor Degano, zerbrach schließlich der Widerstand der Baronstreuen.
In Gegenwart des Herzogs, seines Statthalters Zandor von Nervuk und seines Sohnes Baron Merkan von Farsid, wie auch der versammelten Ratsmitglieder des Lilienrats, übergab Baron Irion von Streitebeck sein Schwert an Dimiona della Carenio und erkannte seine Niederlage an. Ein unerwartetes Ende
Noch am Ort der Niederlage wurde Irion von Streitebeck vom Herzog als Baron von Sewamund abgesetzt. Zur allgemeinen Verwunderung wurde er jedoch darüber hinaus nicht härter bestraft, sondern im Gegenteil direkt zum Baronet erhoben und als Sondergesandter des Herzogs nach Almada entsandt. Beobachtern entging nicht, dass weder der Herzog noch der Abgesetzte über diese Wendung überrascht zu sein schienen. Der Streitebeck hatte offenbar selbst für den Fall einer Niederlage mit einem geschickten politischen Winkelzug vorgesorgt.
Fest steht: Mit diesem Götterurteil hat Cusimo Garlischgrötz, der Herzog des Westens, seine Autorität in Phecadien und Sewakien unmissverständlich bekräftigt. Die Stadt Sewamund bleibt unter der alleinigen Herrschaft des Lilienrats, die die durch Irion von Streitebeck beschlossene Neubesteuerung wurde zurückgenommen und Dimiona della Carenio, die Sewamund durch diese unruhige Zeit geführt hat bleibt Oberhaupt der Stadt. Eine politische Umwälzung und eine maßgeblich veränderte neue Ordnung in Sewakien, sowie große Veränderungen der Machtverhältnisse in der Region zeichnen sich jedoch bereits am Horizont ab.
RTH