Briefspiel:Der Senat der Republik/Gespräche unter sich
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Angelegenheiten der Garden
In einer Pause der ersten Sitzung des neu gewählten Senats 06. Efferd 1045 BF
Es wurde entschieden, eine Sitzungspause einzulegen und die Türen des Versammlungssaals wurden geöffnet. Bevor sie in der Menge verschwinden konnte, trat Erdano ya Pirras auf Horasianne Varducchio zu, verbeugte sich und nahm wieder Haltung an.
“Senatorin Varduccio, ihr habt um ein Gespräch gebeten. Wenn ihr wünscht, können wir dieses im Senatsgarten führen. Ich würde gerne an die frische Luft.” Er machte eine einladende Geste und winkte einem jungen Mädchen, welches in die gleiche Uniform gekleidet war wie Erdano. “Meine Knappin wird uns begleiten..”, sprach er an Horasianne gewandt “..aber keine Sorge, sie wird ausreichend Abstand halten.” „Das klingt wundervoll. Ein wenig frische Luft hat noch niemandem geschadet. Auch mein Sekretär dürfte jeden Augenblick eintreffen. Vielleicht finden die jungen Leute ja ein eigenes, anregendes Gesprächsthema.“
Einige Minuten später, im Garten.
„Geehrter Esquirio ya Pirras, ich möchte ohne Umschweife zur Sache kommen. Ich halte es für einen schwerwiegenden Fehler, Fragen der Sicherheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt hinten anzustellen. Ihr habt die anderen Senatoren selbst gehört: Umstrukturierungen innerhalb der Wache werden unumgänglich sein. Dennoch bin ich bereit, jenen eine Chance zu geben, die aufrichtig dienen wollen. Der Senat wird allerdings darauf bestehen, dass die neu entstehenden Einheiten ein Höchstmaß an Unabhängigkeit wahren. Sollte der Senat jedoch nicht entschlossen handeln, werden wir selbst die Initiative ergreifen müssen. Wie Ihr wisst, bin ich keine Kriegerin. Doch Ihr kennt gewiss Männer und Frauen von Disziplin, Erfahrung und Ehrgeiz und besonders Loyalität. Gibt es jemanden, dem man die Ausbildung neuer Rekruten anvertrauen könnte? Rekruten, die weder der Garde noch der Armee verpflichtet sind, sondern allein ihrer Aufgabe und dem Wohl Efferdas?“
Erdano hatte der Senatorin aufmerksam zugehört und zwirbelte an seinem Bart, als er der Varducchio antwortete. “Werte Signora Senatorin, verzeiht meinen Einwand, aber ich denke, ein Ausbilder von außerhalb würde weder der Garde und auch der Wache nicht nutzen. Lasst mich bitte kurz ausführen, wie es momentan gehandhabt wird.” Er räusperte sich und holte kurz Luft. “Bisher liegt die Entscheidung, ob ein Bewerber angenommen wird, bei dem Lutenente der entsprechenden Einheit. Im Falle des Chintûrer Banners ergo an mir. Ich persönlich achte darauf, ob derjenige überhaupt für die Einheit geeignet ist. Ob seine körperlichen Voraussetzungen dafür geeignet sind, eine Infanteriewaffe zu händeln. Ob sein Leumund tadellos ist. Er bereits Kampferfahrung besitzt und und und. Ich möchte euch auch nicht zu sehr damit langweilen, Signora. Die Ausbildung an sich obliegt dem Corporal der Einheit unter der Anweisung des Lutenente. Wenn der Bewerber nicht zu meiner Einheit passen sollte, er aber Potential hat, würde ich ihn aber auch weiterempfehlen. Jemanden von außerhalb fehlt der Blick, was oder wen die Einheit benötigt und wer passen könnte. Und das Wichtigste ist, er würde Geld kosten. Wir können nicht Einheiten auflösen oder zusammenlegen und dann für einen, ihr verzeiht, in meinen Augen unnötigen Posten Geldmittel aufbringen.”
Erdano blickte Horasianne fast schon entschuldigend an, hoffte er sie nicht verärgert zu haben. Horasianne lächelte schwach. „Nicht doch. Es ist nun einmal, wie es ist. An unserer derzeitigen Lage können wir nur wenig ändern.“
Nachdenklich begann sie, neben Erdano her zu schreiten. „Dann hängt letztlich alles wieder am Geld. Und da wir dieses nicht einfach aus dem Nichts beschaffen können, sollten wir überlegen, wie sich die Kosten für neue Rekruten senken lassen.“ Sie hielt kurz inne. „Nicht jeder, der Kampferfahrung gesammelt hat, muss sofort in die Garde aufgenommen werden. Stattdessen könnten wir Reservistenverbände aufstellen, in denen nur ein eingeschränktes, aber regelmäßiges Training stattfindet. So stünden uns im Ernstfall bereits ausgebildete Männer und Frauen zur Verfügung, während die laufenden Kosten nur einen Bruchteil dessen betragen würden, was eine dauerhafte Vergrößerung der Garde verschlingen würde.“ Horasianne blickte zu Erdano ya Pirras. “Was haltet ihr davon? Und wäre das umsetzbar?”
Kurz runzelte Erdano die Stirn, bevor er antwortete. “Ich denke eine Bürgerwehr ist gar keine so schlechte Idee. Die Kosten der Garden würde davon nicht betroffen werden und die Mitglieder dieser Einheit würden, bis auf die Tage während der Übungen, ihren gesellschaftlichen Pflichten nachkommen können.” Sie gingen beide einige Schritte weiter durch den Garten. “Habt ihr euren Vorschlag schon jemand anderen kundgetan und habt ihr jemanden im Auge, der die Verantwortung für diese Einheit übernehmen soll?. Jemanden aus eurem Umfeld vielleicht?”
„Aus meinem Umfeld? Wo denkt Ihr hin.“ Horasianne winkte mit einem leichten Lächeln ab. „Aus den rondrianischen Kreisen habe ich mich mein Leben lang weitgehend herausgehalten. Für den Verwaltungsaufwand fände ich vermutlich jemanden, aber ganz gewiss niemanden mit militärischem Führungspotenzial.“ Sie machte eine kurze Pause. „Und nein, bislang habe ich nur mit Euch darüber gesprochen. Schließlich sollt Ihr auf diesem Gebiet der Experte sein.“
Ein feines Schmunzeln trat auf ihre Lippen.
„Ihr kennt doch bestimmt einen jungen, vielversprechenden Feldwebel, der an einer solchen Aufgabe wachsen könnte. Oder einen altgedienten General, der auf seine alten Tage noch einmal frisches Eisen schmieden und sein Wissen an die nächste Generation weitergeben möchte?“
“Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.”, murmelte Erdano. “Bevor ich mir darüber Gedanken mache, solltet ihr um mehr Unterstützung eurer Mitsenatoren werben. Ich denke, die Senatoren Binder und Gerber werden Feuer und Flamme für euren Vorschlag sein. Ob ich meinen Bruder überzeugen kann, mag ich bezweifeln.” Er verlangsamte seine Schritte. “Wahrscheinlich werden ihr die Familien im Senat hinter euch bringen können, trotz allem benötigt ihr auch die Unterstützung einiger Häuser für eine Mehrheit.”
Eine Glocke ertönte. “Die Pause scheint vorbei zu sein, Frau Senatorin.” Er machte eine einladende Geste zurück zum Senatsgebäude. Horasianne nickte zustimmend. “Da habt ihr natürlich recht, Und wir sollten ganz sicher keine überstürzten Entscheidungen treffen.” Mit diesen Worten setzte sich Horasianne in Bewegung und kehrte zur Sitzung zurück.