Deriago Dellinger

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Deriago Dellinger
Deriago Dellinger

Titel & Ämter: Leibdiener der Tsaida Tribêc
Tsatag: um 999 BF, vermutlich in Grangor
Größe: 1,79 Schritt
Statur: kräftig, breitschultrig
Haare: dunkelblond bis hellbraun, ergrauend
Augenfarbe: graubraun
Kurzcharakteristik: aalglatter, äußerst gewandter und verschwiegener Diener
Wichtige Talente: Menschenkenntnis, Überreden, Etikette, Gassenwissen, Schlösserknacken, Verkleiden
Vor- und Nachteile: Gutes Gedächtnis, Soziale Anpassungsfähigkeit, Neugier, Gesucht
Beziehungen: ansehnlich
Finanzkraft: für einen Diener ungewöhnlich gut
Freunde & Verbündete: Tsaida Tribêc, Haus Tribêc
Feinde & Konkurrenten: verschiedene Personen der Vergangenheit
Seelentier: Fuchs
Zitate: „Ein guter Diener weiß, wann er den Raum verlassen muss. Ein ausgezeichneter weiß, was darin anschließend besprochen wird.“

Deriago Dellinger ist ein langjähriger Diener und besonderer Vertrauter der Tsaida Tribêc. Er genießt eine einflussreiche Stellung innerhalb des Haushalts. Dellinger übernimmt Angelegenheiten, die ein gewöhnlicher Diener nicht erledigen kann oder bei denen seine Herrschaft Wert auf Verschwiegenheit legt. Dazu gehören die Überbringung vertraulicher Nachrichten, die Beschaffung ungewöhnlicher Gegenstände, die Begleitung hochrangiger Gäste und auch die Beseitigung von Schwierigkeiten, über deren Einzelheiten anschließend niemand mehr sprechen möchte.

Der höfliche und aalglatte Diener verfügt über gute Menschenkenntnis. Seine Fähigkeit, sich den verschiedensten Kreisen anzupassen, hat ihm Bekanntschaften eingebracht. Während er im Palazzo als zuverlässig und gewissenhaft gilt, genießt er in Schenken und Hinterzimmern einen anderen Ruf. Über seine Vergangenheit ist wenig bekannt. Gerüchte über kriminelle Unternehmungen, wechselnde Namen und einen Gefängnisausbruch quittiert er mit einem nachsichtigen Lächeln.

Deriago ist ein kräftig gebauter Mann mit breiten Schultern, markanten Gesichtszügen und aufrechter Haltung. Sein zurückgekämmtes, ergrauendes Haar, der gestutzte Schnurrbart und der kurze Kinnbart verleihen ihm ein vornehmes Äußeres. Die Falten seiner Stirn und die skeptisch zusammengezogenen Augenbrauen lassen ihn mürrisch erscheinen. Dieser Eindruck verschwindet, sobald er jemandem seine Aufmerksamkeit schenkt.
Dellinger legt Wert auf seine Garderobe. Er bevorzugt dunkle Westen, tadellos geschnittene Röcke und makellose Hemdkragen. Selbst bei gewöhnlichen Verrichtungen ist er so gekleidet, dass man ihn eher für einen Privatsekretär als für einen Diener halten könnte. Auffällig sind die gepflegten Hände, deren Geschicklichkeit sich keineswegs auf das Silberputzen und Weineinschenken beschränkt.
Seine Bewegungen sind ruhig und überlegt. Nie scheint er in Eile zu sein und erreicht doch seine Ziele gewöhnlich schneller als andere. Bemerkenswert ist seine Fähigkeit, sich unbemerkt durch größere Gesellschaften zu bewegen. Dellinger beherrscht die Kunst, anwesend zu sein, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, und ebenso die Fähigkeit, im rechten Augenblick mit einer Bemerkung hervorzutreten. Dellinger bewahrt selbst dann seine Höflichkeit, wenn er bedroht wird. Wer ihn aus der Fassung bringen möchte, muss schon wissen, welche Erinnerungen besser unangetastet bleiben sollten. Gegenüber Adligen zeigt er sich von mustergültiger Unterwürfigkeit, gegenüber Kaufleuten sachlich und geschäftsmäßig, gegenüber dem Volk herzlich.

Seine Schwächen sind Spirituosen, gutes Essen, Glücksspiel und die Gesellschaft interessanter Frauen. Sein Verhältnis zum Geld ist seltsam: Während er sich bei manchen Gelegenheiten freigebig zeigt, verhandelt er in anderen Fällen selbst um lächerlich geringe Beträge. Außerdem neigt Dellinger dazu, Schwierigkeiten selbst dann mit einer geschickten Täuschung lösen zu wollen, wenn ein offenes Wort die bessere Entscheidung wäre.
Gelegentlich erhält Dellinger Besuch einer eleganten Frau in Scharlachrot. Sie soll aus Grangor stammen und den Diener von früher kennen. Die Vertraulichkeit zwischen beiden lässt auf eine gemeinsame Vergangenheit schließen. Jemand aus dem Hauspersonal soll ein Streitgespräch gehört haben, in dem die Worte „Verrat“, „Schulden“ und „damals“ gefallen seien.
Dellinger trägt stets eine abgegriffene Silbermünze bei sich, die er zwischen den Fingern dreht. Auffällig ist, dass er dies besonders dann tut, wenn er über seine Vergangenheit befragt wird.

Über Deriagos Herkunft ist wenig bekannt. Er sagt, er sei in einfachen Verhältnissen in Grangor geboren und habe dort eine kaufmännische Ausbildung erhalten. Er erwähnt einen Vater, der als Schreiber tätig gewesen sei, und eine Mutter, deren Backkunst er in höchsten Tönen lobt. Auffällig ist, dass seine Angaben über seine Jugend nicht immer übereinstimmen. Seinen Lehrmeister hat er bereits als Gewürzhändler, Geldwechsler und Handelsagent bezeichnet. Seine Reisen führen ihn je nach Erzählung nach Belhanka, Kuslik, Vinsalt oder gar in die fernen Hafenstädte des Südens. Fest steht, dass Dellinger über Handelskenntnisse verfügt. Er kann Abrechnungen überprüfen, versteht sich auf die Beurteilung von Wechselbriefen und erkennt gefälschte Unterschriften. Dies lässt vermuten, dass seine frühere Tätigkeit kaum auf kaufmännische Hilfsarbeiten beschränkt gewesen sein dürfte. In Grangor erzählen ältere Schankwirte gelegentlich von einem Hochstapler und Dieb, der vor Jahrzehnten mehrere Kaufleute um einiges Geld gebracht haben soll. Der Mann habe sich durch Kühnheit, Umgangsformen und eine Vorliebe für spektakuläre Unternehmungen ausgezeichnet. Nach seiner Verhaftung sei ihm unter rätselhaften Umständen die Flucht gelungen. Die Beschreibung dieses Mannes weist Ähnlichkeiten mit Deriago auf. Eine Verbindung ist aber nicht nachgewiesen.

Dem Haus Tribêc wurde er durch einen inzwischen verstorbenen Kaufmann empfohlen. In der Dienerschaft erwarb er sich rasch eine hohe Stellung. Seine Fähigkeit, schwierige Angelegenheiten ohne Aufsehen zu erledigen, verschaffte ihm Vertrauen. Bald übernahm er Aufgaben, die gewöhnlich einem Privatsekretär zufallen würden. Heute genießt er das Privileg, seiner Herrschaft auch zu ungewöhnlichen Stunden Nachrichten überbringen zu dürfen. Er verwaltet Geldbeträge, beschafft Gegenstände und organisiert Reisen, ohne über Einzelheiten gegenüber dem Hauspersonal Rechenschaft ablegen zu müssen.
Anderen Dienern hilft er gern, vermittelt Anstellungen, gewährt kleine Darlehen und greift ein, wenn jemand in Schwierigkeiten ist. Dabei vergisst er Gefälligkeiten ebenso wenig wie erfahrene Kränkungen.

Zu Tsaida Tribêc unterhält Dellinger ein enges Vertrauensverhältnis. Sie schätzt seine Verschwiegenheit, Menschenkenntnis und Fähigkeit, unangenehme Angelegenheiten zu erledigen, bevor sie die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen. Dellinger wiederum begegnet ihr mit einer Loyalität, die über Dienstpflichten hinauszugehen scheint. Er kennt Tsaidas Eigenheiten und erahnt ihre Wünsche, bevor sie ausgesprochen werden. Er darf sich sogar in vertraulichen Gesprächen vorsichtige Widersprüche erlauben. Tsaida scheint diese Offenheit zu schätzen, sofern sie nicht vor Angehörigen des Haushalts erfolgt. Gleichzeitig bestehen unausgesprochene Grenzen. Dellinger beantwortet Fragen nach seiner Vergangenheit ausweichend, während Tsaida es vorzieht, über Einzelheiten bestimmter Aufträge nicht allzu genaue Erkundigungen anzustellen. Ob das Verhältnis auf gegenseitiger Zuneigung, Dankbarkeit oder einem Geheimnis beruht, ist schwer zu sagen.
Gegenüber Leonora Tribêc wahrt Dellinger eine beinahe übertriebene Förmlichkeit. Sie schätzt seine Zuverlässigkeit, steht seinen Beziehungen aber mit Skepsis gegenüber. Dellinger wiederum zeigt Interesse an finanziellen Angelegenheiten, über die Leonora nur ungern mit ihm spricht.
Amendor ya Dumerzi dient Dellinger ausgesucht höflich. Er besitzt ein Gespür dafür, welche Wünsche Amendors unverzüglich erfüllt werden sollten und bei welchen eine Verzögerung von Vorteil wäre.
Über Dellingers Verhältnis zu Daria Tribêc wird selten gesprochen. Angeblich gehört er zu jenen Personen, die in ihren letzten Jahren Aufträge für die ehemalige Familienmatriarchin ausführten. Nach Aussage eines inzwischen verstorbenen Bediensteten soll Daria dem Diener ein versiegeltes Kästchen anvertraut haben. Ob dieses Kästchen existiert und was sich darin befindet, ist unbekannt. Dellinger redet über Daria stets mit Respekt, auch wenn andere Familienangehörige ihre Herrschaft kritisch beurteilen.

Zitate

„Ihr wünscht die Wahrheit, Euer Hochgeboren? Darf ich zunächst fragen, wozu Ihr sie benötigt?“
„Jeder Mensch hat seinen Preis. Bei manchen besteht er bedauerlicherweise nicht aus Geld.“
„Ich habe gewiss Fehler begangen. Aber keinen, den ich ein zweites Mal auf dieselbe Weise begehen würde.“