Die Herberge am Zollamt ist ein angesehenes Gasthaus am Ruthorer Tor von Sewamund. Sie liegt südlich vom Sewamunder Zollamt an der Auffahrt zur Sewakbrücke. Als erste Herberge innerhalb der Stadtmauern empfängt sie Reisende aus Richtung Süden und gilt daher als Treffpunkt von Kaufleuten, Zöllnern, Boten, Fuhrleuten und Reisenden aller Art.

Die Herberge am Zollamt am südlichen Brückenkopf der Sewakbrücke

Die Herberge entstand als einfaches Rasthaus für Händler, die vor und nach der Überquerung des Sewaks ihre Waren verzollen mussten. Da Zollkontrollen mehrere Stunden dauern können, entwickelte sich das Haus zu einem beliebten Aufenthaltsort für wartende Händler.

Im Laufe der Zeit wurde das Gebäude mehrfach erweitert. Neben Stallungen entstanden Gästezimmer, ein Speisesaal und ein paar Kontorräume, die Reisende kurzfristig anmieten können. Die Herberge besteht aus einem langgestreckten Backsteinbau mit zwei Geschossen an einem großen Hof. Das Erdgeschoss wird von der Schankstube eingenommen, deren breite Fenster einen Blick auf Hof und die Straße zum Zollamt erlauben. Daneben befinden sich mehrere kleinere Gesellschaftszimmer und ein separates Speisezimmer für Kaufleute, die ungestört Geschäfte besprechen möchten. Im Obergeschoss liegen rund zwanzig Gästezimmer unterschiedlicher Größe.

Die Herberge besitzt eine ungewöhnlich gemischte Kundschaft. Gerade deshalb gilt die Schankstube als hervorragender Ort, um Neuigkeiten aus dem gesamten Horasreich zu erfahren. Über dem Kamin hängt ein hölzernes Wagenrad, dessen Speichen von hunderten Gästen mit ihren Initialen versehen wurden. Es heißt, es stamme von einem Fuhrwerk, das sich einst unmittelbar vor dem Zollamt festfuhr und so einen Stau verursachte, der für fast einen ganzen Tag den Warenverkehr lahmlegte. Die Platte eines großen Eichentischs ist vollständig mit einer kunstvoll bemalten Karte Sewakiens versehen. Reisende markieren darauf mit kleinen Messingfiguren ihre geplanten Handelsrouten. Im Laufe eines Tages verschieben sich die Figuren unzählige Male und bilden fast ein lebendes Abbild des Handelsverkehrs. Kinder versuchen regelmäßig, die Figuren heimlich umzusetzen. Der Wirt bemerkt das fast immer.

Sobald das benachbarte Sewamunder Zollamt den Tagesbetrieb beendet, läutet eine kleine Glocke im Schankraum. Traditionell beginnt dann die letzte Runde vor dem Stadttor, bei der sich viele Kaufleute noch einmal austauschen, ehe sie ihre Herbergen aufsuchen oder weiterreisen.

Volkes Stimme

„Vor dem Zoll redet man über Waren. Nach dem Zoll über Steuern.“
— Fuhrfrau

„Die Hälfte aller Gerüchte betritt Sewamund durch diese Tür.“
— Schankbursche

„Wer keinen Platz mehr bekommt, ist entweder zu spät oder zu ehrlich angekommen.“
— Sprichwort