Sagen und Legenden in Efferdas - Gaben der Gischtschwestern
Im Tempel des güldenen Dreizacks zu Efferdas befinden sich - inzwischen nur noch - zwei heilige Okarinen, um die sich folgende Geschichte dreht.
Die drei Schwestern
So sei vor vielen vielen Jahren, es könnten bereits einhundert sein, da ereignete sich in der Stadt Efferdas ein großes Unglück. Es gab drei sehr gläubige Schwestern aus Efferdas, die waren beliebte Musiker, sie dienten dem Efferdtempel der Stadt als Chor. Creszencia war eine recht aufbrausende Schönheit, die Efferd mit grünem Haar segnete. Die Leute liebten sie für die Vielseitigkeit ihrer Stimme, so wusste sie mit ihrer Stimme im Stillen genauso mit kraftvollen Noten zu begeistern. Die mittlere Schwester war Sostena, eine Meisterin darin, den Ton möglichst lange anzuhalten. Von den dreien hatte die eher unscheinbare, rotharige Dame die beste Technik. Und die jüngste Schwester war Agitata. Sie galt als die Mutige, die scheinbar niemals eine Note zweimal singen wollte. Ihre Kunst war Improvisation. Ihr weißblondes, langes Haar wehte stets verwegen im Wind und machte sie so zur verführerischsten der drei Schwestern. So verführerisch, dass eines Tages ein Abenteurer aus dem hohen Norden sich in sie verliebte und um ihre Hand anhielt. Da der Abenteurer Agitata mit auf seine Reisen nehmen wollte, entschied sie sich, das Angebot anzunehmen. Das sorgte für Unverständnis in der Stadt und nicht wenige munkelten, der Norden hätte sie weniger wie eine Liebe, sondern eher wie ein Versprechen gerufen.
Und so erschien alsbald der Abenteurer mit seinem schwarzen Schiff, um Agitata in den Norden zu bringen. Da die Schwestern nicht ohne einander sein konnten, entschieden auch Creszencia und Sostena schweren Herzens, ihr geliebtes Efferdas zu verlassen und Agitata in den Norden zu begleiten. Doch irgendetwas schien dem Herren des Meeres an dieser Entscheidung zu missfallen. Als wolle er die drei Schwestern für diese Tat bestrafen, peitschte er kurz nach ihrer Abreise Stunde für Stunde höhere Wellen gegen den Bug, die weißen Segel des Schiffes rissen im Sturm und die silberne Gallionsfigur in Form einer Krake wurde von einem Kawenzmann getroffen, riss und versank in den Fluten. Der Wind pfiff an diesem Tag ein ohrenbetäubendes Lied und so hörte niemand das Schreien und Klagen der Schwestern, als das Schiff des Abenteurers, dessen Namen seitdem in Vergessenheit geraten war, in der Mitte zerbrach und in den Tiefen von Efferds reich versank. Alle drei Sängerinnen wie auch der Abenteurer ertranken und ihre Stimmen verklangen so für immer.
An diesem Tage heulte die ganze Stadt und klagten gen Efferd, warum er sie so hart hatte bestrafen müssen. Nun wären die drei Stimmen für immer verklungen. Die Tränen der Efferdier ließ das Meer über die Ufer jeder Küste treten, die das Meer berühren konnte. Die Schiffer, sie sagten, selten zuvor wäre das Meer so salzig gewesen. Dadurch wurden Efferds Kinder, die vier Gischttöchter auf die traurigen Efferdier aufmerksam. Die vernarbte Phanarga schien das nicht zu stören, sie mochte die Menschen nicht und zog sich sofort wieder ins Meer der Tulamiden zurück. Doch Aemas, die Hüterin des Efferdwalls, Allymo, die Hüterin der südlichen Gewässer und Iphou, die einst von ihrem Onkel Firun verführt wurde und ihm in den Norden folgte, zeigten Mitleid und entschlossen sich, den Menschen etwas zu schenken, auf dass sie wieder Freude in ihr Herz lassen konnten.
Und so spülte das Meer bald drei Muschelartige, mit diversen Löchern versehende Gehäuse aus Korallenglas an den Strand von Efferdas. Die traurigen Fischer, die sie fanden, untersuchten diese Gehäuse und stellten fest, dass wenn man in eins der Löcher hinein blies und andere in bestimmte Art und Weise zu hielt, man damit wie bei einer Okarina Musik machen konnte. Und der Klang war einfach wunderschön, gleichermaßen traurig wie voller Herz. Ihr Klang erinnerte sie natürlich an die drei Schwestern, ebenso wie ihr aussehen. Denn eine Okarina war grün wie das Haar Creszenzias, eine war rot wie das Haar der Sostena und eine war weiß wie das Haar der Agitata, genauso aber durchzogen von schwarzen Markierungen, so schwarz wie das Haar des Abenteurers, der sie ehelichen und in den Norden bringen wollte.
Die Efferdier brachten die drei Okarinen in ihren Tempel, um dort den Gischtschwestern für ihr Geschenk zu danken. Und tatsächlich halfen die Geschenke der Gischtschwestern, die Trübsal der Efferdier vergehen zu lassen. Entsprechend gaben sie den drei Instrumenten passende Namen. Die grüne Okarina, deren Klang seine Zuhörer in kurzer Zeit durch alle erdenkbaren Emotionen bringen konnte, nannten sie “Aemas raunende Windung”. Die rote Okarina, deren Klang beruhigend wirkte und die dem Spieler auch das meiste Geschick abverlangte, nannten sie Allymos summende Strömung. Und die weiß-schwarze Okarina, deren Klang ihre Hörer am besten mit Trauer, Melancholie und Abschiedsschmerz erfüllen konnte, diese Gefühle aber auch am besten heilen konnte und Zuversicht vermitteln konnte, die nannten sie “Iphous flüsternde Verwehung.” Alle drei zusammen gespielt, ergaben den perfekten Klang. So wie es zuvor schon die drei Schwestern taten. Die Stadt hatte ihre drei Musikerinen so vom Meer zurückerhalten und noch heute erfüllen ihre Töne hin und wieder im Efferdtempel zu Efferdas und danken Efferd für seine Gnade.
Eine Klanganalyse eben jener Okarinen
Eine Klanganalyse von Meister Fridegorn, Rondra 1048 BF.
Der Besuch der Drachenschildkröte ließ seine Eminenz veranlassen, den Klang der drei Okarinen der Gischtschwestern zu analysieren und ich bin froh, mit dieser Aufgabe betreut worden zu sein.
Vorab sei zu sagen, dass die Okarinen alle drei - wie jedes andere Instrument - bei einer meisterhaften Spielkunst einen emotionalen Effekt auf die jeweiligen Hörer der Melodie hat. Eine magische Verstärkung ist nicht festzustellen. Ich glaube jedoch fest an die Karmale Aura dieser drei Gebilde aus Korallenglas. In wie weit all diese drei jedoch auch dem Herren Efferd zuzuschreiben sind, mag Anlass zur Debatte bieten. Betrachtet man, wessen Vorbild man ihnen zuschreibt, für welche Charakterzüge diese in Erinnerung geblieben sind und auch welcher Domäne die Wirkung des Klangs der Okarinen wirkt, so darf man die Frage sehr wohl in den Raum stellen, ob die Legende, die man mit diesen Instrumenten gekoppelt hat nicht vielleicht doch eher ein niedliches Märchen denn wirklich kausaler Zusammenhang ist.
Die Legende zumindest idealisiert die drei Schwestern als Efferds Diener, die ihm ergeben waren und die drei Okarinen als Symbol der Entschädigung den Menschen überlassen. Während die Güte des Meeres im Vordergrund steht, verkennt es jedoch, dass es auch Efferd war, der zürnte und scheinbar ohne erkennbaren Grund die drei Schwestern zu sich holte. Warum dies? Und warum auch den Abenteurer aus dem Norden? Dies wirkte natürlich wie eine Metapher auf die Geschichte der Iphous, aber keine Note erklärt Efferds Zorn.
Dass diese drei Artefakte als Avatare der Sängerinnen diese in Erinnerung halten, könnte also in der Tat auch eine Kontinuität darstellen, die Efferd erneut zürnen ließ. Die Unglücke in der letzten Zeit waren zahlreich genug und dass nun Efferd einen persönlichen Sendboten in Form einer Drachenschildkröte entsandte lässt den Gedanken einer wirklich letzten Warnung plausibel erscheinen und ebenso dürfte die Untersuchung, ob die Verehrung der drei Okarinen spirituell falsch verklärt wurde gerechtfertigt sein, so viel Zeit seitdem vielleicht auch seit dem Einzug in die Hallen des Tempels vergangen sein mag. Entsprechend hier zunächst die Klanganalyse.
Die Untersuchung ergab im Detail:
Die grüne Okarina – „Aemas raunende Windung“
Das Instrument kann wie das Aufbrausen eines stürmischen Windes wirken. Wild, wechselnd, ihr Klang ist durchdringend. Perfekt gespielt bringt sie Gefühle wie Freude, Sehnsucht, Versöhnung aber auch Angst gleichermaßen in jedem hervor. Spielt man darauf das richtige Lied, kann das Instrument die Emotionen des Hörers wie Wasser lenken. Ginge man also davon aus, dass die Okarina einem Gott zuzuordnen sei, ist hier Efferd wohl sehr naheliegend.
Die rote Okarina – „Allymos summende Strömung“
Die Analyse der roten Okarina war nicht wirklich einfach, da man eine große Fingerfertigkeit benötigt, um dem Instrument überhaupt eine brauchbare Note zu entreißen. Sie zu meistern erfordert Verstand, Geduld, Maß und Ausgeglichenheit. Gelingt dies jedoch, dann ist ihr klang Gleißmäßig, konstant und vor allem beruhigend. Es wirkte auf einige Hörer endlos wie das ruhige Meer. In der Tat wirkt es, als würde ihr Spieler ihre Kraft mit der Ruhe des Wassers verweben. Nüchtern betrachtet sind Ruhe, Ausgeglichenheit und Geduld Attribute, welche dem Herren Efferd eher selten zugeschrieben werden. Doch wenn das Artefakt nicht die Domänen des Efferds vertritt, wessen dann? Das Instrument ist rot, was auf kriegerischere Gottheiten schließen lassen könnte, doch auch keine kriegerische Gottheit weist eine Affinität zu diesen Eigenschaften auf. Steht das Instrument eventuell für uralte, vergessene Gottheiten? Alte Legenden erzählen die Mär von anderen wassernahen Gottheiten wie Kryzir, Nominoru, Hrangar, Globomong und Nanshemu? Seiner Eminenz werde ich das Studium des “Compendium aspecta aeternae” nahelegen, dort wird er sicher eine Antwort darauf finden, zu welcher Gottheit diese Okarina passt. Meiner Meinung nach ist Efferd hier aber auszuschließen.
Die weiße Okarina – „Iphous flüsternde Verwehung“
Aus ihr werde ich am wenigsten klar. Sie klingt wie ein tiefes, leises Wehen zwischen den Wellen. Kalt, sehnsuchsvoll, abgrundtief. Ihre Melodie lässt - richtig gespielt - Herzen erlahmen, öffnet die Sehnsucht nach dem verlorenen, kombiniert die Trauer über Abwesenheit mit dem Gefühl einer Trennung. Kurzum, ihr Spieler kann sich in ihrem Klang völlig verlieren, seiner Verzweiflung und auch seine Verwundbarkeit zum Ausdruck bringen. In der Wirkung kann aber auch Aufbruch stehen, neuer Mut. Denn nach jedem Tal kommt ein Aufstieg auf einen neuen Berg.
Doch nichts davon ist ein göttlicher Aspekt. Erst dachte ich an Marbo, doch ihre Tat ist es, jemanden auf das unvermeidliche vorzubereiten, es steckt keine Wiederkehr darin. Trauer und Verlust sind keine göttlichen Aspekte. Zudem gibt es noch eine eigenartige physische Komponente. Wird sie gespielt, wenden sich Eiben, Erika, Glockenblumen, Heidekraut, Hyazinthen, Immortellen und Zypressen in Richtung des Spielers. Sie alle sind im Flor-Falar Zeichen von Trauer und Einsamkeit. Wie das alles sein kann und was das bedeutet… Meine primäre Vermutung könnte die Allgemeinheit verunsichern, daher will ich die Analyse zur Sicherheit die Tonlage verändern.
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Meisterinformationen: Übersetzung
| Ein radikaler Wandel nach einer Trauer jedoch symbolisiert gewissermaßen auch eine Versuchung. Einen Wunsch, Dinge neu zu machen, anders. Eine Reise ins Ungewisse. Betrachtet man nun wieder die dazugehörige Legende, einerseits die der Iphous aber genau so wie die der Agitata, so hat sich auch farblich hier schwarz und weiß vermischt. Schwarz wie das Ende und die Aussichtslosigkeit, Weiß wie der Schnee, die Hoffnung? Geht es hier gar um die Versuchung, altbekanntes zu verlassen? Zürnte Efferd gar am Ende, weil die drei Schwestern der Verlockung des Abenteurers mit seinem Schwarzen Schiff erlegen waren und sich somit von Efferd abkehren? Es stimmt schon, Agitatas wunsch nach einem Leben im Abenteuer hat das Unglück über alle herein gebracht. Geht man davon aus, dass ihr Streben nach neuem den Herren Efferd zu solch einer drastischen Reaktion trieb, muss die Versuchung also ein Symbol eines Gegenspielers sein. Ist die Farbe Schwarz auf dem Instrument vielleicht sogar das Beispiel der allesverschlingenden Herrin der nachtschwarzen See? Welche sich der weißen Unschuld bemächtigen will? Ist der Kummer und die Trauer, die das Instrument hervorrufen kann nur Instrument der Versuchung, welche einen aus seiner Pein in die Dunkelheit führen soll? Es stimmt schon, dass der Klang dieses Instrumentes eindeutig am meisten manipulieren kann. Ich werde seiner Eminenz empfehlen, bei der Einschätzung der Götternähe dieses Instrumentes eine entsprechende Manipulation in Betracht zu ziehen. |
Zusatz zu Iphous flüsternde Verwehung
Während Efferdobal di Camaro auf Basis dieser Analyse die rote Okarina zerstören und ins Meer werfen ließ, wiedersprach er Fridegorn in der Bewertung von Iphous flüsternden Verwehung. Er verweist darauf, dass die zugeschriebenen Charaktaristika eindeutig Swafnir zuzuschreiben wären. So sind die Grüne und die Weiße Okarina beide noch als Tempelschatz zu betrachten.
Analyse der Lieder der drei Schwestern
Da die Lieder der drei Schwestern eine karmale Wirkung zugeschrieben wird, gibt es auch dazu eine Analyse
Analyse des Liedes Land unter von der großen Agitata, Mitglied der Drei Bardinnenschwestern der Onirico.
Aus gegebenem Anlass habe ich das Lied “Land unter” von Agitata Onirico, einer der drei Onirico-Schwester untersucht. Zunächst sei zu sagen, dass das Lied ohne jeden Zweifel ein echter Onirico ist. Agitata hat genau so wie Creszencia und Sostena Lieder getextet, die einen messbaren und unvergleichbaren Effekt auf ihre Zuhörer hatten. Ein ähnlicher Effekt auf Zuhörer ist zumindest in den Efferdas-Archiven nicht vermerkt. Dies gilt auch für das Lied “Land Unter”, welches einen Seefahrers oder eine Seefahrerin beschreibt, der durch einen Sturm in Richtung Heimat fährt, um endlich wieder die zu treffen, die die Person am liebsten hat. Das Lied beschreibt auf unverwechselbare Art authentisch das Gefühl von rauher See und Sehnsucht wie Heimweh gleichermaßen.
Betrachtet man den Zeitraum der Komposition, passt dieser in eine Periode, in der sie ihren Abenteuerlichen Geliebten zwar schon kennengelernt, aber noch nicht geheiratet hatte. Es ist also davon auszugehen, dass Agitata einen persönlichen Bezug zur im Lied erzählten Geschichte hatte. Höchstwahrscheinlich beschreibt es den Abenteurer, welcher sich im Norden des Landes - Siehe Zeile: “Die Luft aus Eis” - befand und zurück will, ebenso muss dies weit entfernt sein - “Ozeanweit” spricht für eine Spanne eines ganzen Ozeans und ein von vorne peitschender Wind deutet auf einen von Süden aufprallenden Wind hin. In Kombination mit dem Eis in der Luft, sollte dies also ein Sturm sein, der beim ersten Blick aus den Kämpfen Belemans mit dem Baltrir entstanden sein muss. Da die Textzeile “Der himmel heult, Die see geht hoch, Wellen wehren dich, Stürzen mich von Tal zu Tal” jedoch enormen Wellengang beschreibt, ist es naheliegender, dass sich der Sturm durch die Winde Katlas gebildet hat und die Person wohl aus dem Thorwal gekommen sein muss. Ein Plünderer, der Efferdas größten Schatz raubte? Ich verliere mich in Spekulation.
Der hohe Faktor an Sehnsucht und mentaler Schwere in den Texten ist auf jeden Fall ein Hinweis, dass Agitata die Komponistin gewesen sein muss und nicht ihre Schwestern, deren texterische Expertise in anderen Feldern lag und andere Gefühle auslöste. Doch für Agitata waren diese Melodien typisch. In einem weiteren Lied von ihr ging es um das Schicksal einer Traveca Mendes Gimenes, dessen Mann Manuel, ein Fischer vier Tage vor ihrer Hochzeit noch einmal raus gefahren wäre, um für ihre Hochzeit einen großen Fisch zu fangen. Das Schiff jedoch schien in einen Sturm geraten zu sein und kehrte nie zurück. Traveca jedoch wollte dies nicht wahrhaben und begab sich an die Mole von Efferdas und wartete darauf, dass Manuels Schiff zurückkehrte. Jeden Tag, teilweise im Brautkleid und dies für 50 lange Jahre. Ihre Familie wollte sie anderswertig verheiraten, in ein Kloster bringen oder hielten sie für verrückt, aber Travecas Liebe für Manuel war ewig und so wartete sie. Tag ein, Tag aus, liebend, bis sie eines Tages im hohen Alter starb. Als dieses Lied zum ersten mal vor Publikum gespielt wurde, soll das komplette Theater kollektiv eine Flauta bekommen haben, die sage und schreibe drei Tage anhielt. Etwas ähnliches geschah mit einem Lied der Agitata über einen Vater, der mit seinem Sohn auf Efferdossa eingesperrt war und alles dafür tun wollte, damit sein Sohn in Freiheit aufwachsen könne. So erfand er eine Möglichkeit, mit Wachs aus der Kerzenzieherei und Federn aus den Betten sich für sich und seinen Sohn Flügel zu basteln, mit denen die beiden ans rettende Ufer gelangen konnten. Seine Flügel funktionierten auch, doch sein Sohn stürzte ab und ertrank im Wasser.
Ich konnte hinweise finden, dass diese Effekte auf die Bürger von Efferdas auch von der Geweihtenschaft zunächst mit Sorge betrachtet wurden. So ließen die Geweihten in Efferdas untersuchen, ob hier vielleicht Magie im Spiel sei. Doch wann immer sie ihre Lieder sangen, erspähten Magier keinerlei Spur von Magie am Werk. Andererseits fanden sie Hinweise, dass die Lieder der drei offensichtlich göttlichen Ursprungs sein mussten. Sie unterzogen die Schwestern der sogenannten Silentium-Prüfung. Ein Magier zauberte einen Stillezauber. In einer Zone war so nachweislich kein einziges gesprochenes Wort oder ähnliches zu hören. Doch als die drei Onirico-Schwestern ihre eigenen Lieder zu spielen begannen, erklang das Lied durch den Zauber hindurch.
Ich habe das Lied “Land unter” entsprechend auch einer Silentium-Probe unterworfen. Die Analyse ergab sehr merkwürdiges. Normal gespielt, ist es unter einem Silentium nicht zu hören. Als seine Eminenz Efferdobal di Camaro das Lied anstimmte, war es jedoch sehr wohl für jeden klar zu vernehmen. Wir haben das Lied daraufhin auch von seiner Tochter Amaryll spielen lassen und nun konnte nur ihr Vater das Lied vernehmen. Ich forschte weiter und fand heraus, dass dieses Lied die Kräfte eines Silentiums dann durchbricht, wenn eine liebende Person singt und der zweite Teil des Paares zuhört. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Person ein den Göttern Geweihter, eine magisch begabte Person oder ein normal bürgerlicher war. Ich werte das so, dass dieses Lied ein göttliches Band der Zugehörigkeit zwischen zwei Liebenden aufbaut.
Wie so etwas entstehen kann, entzieht sich meiner Fachkenntnis. Ich kenne keinen vergleichbaren Fall, in dem eine Melodie und ein Text in Kombination offensichtlich von den Göttern selbst - in diesem Falle Efferd und/oder doch vielleicht Rahja? - seinen Gläubigen in den Mund gelegt wurde. Die Lieder der Onirico-Schwestern scheinen quasi wie ein heiliges Artefakt zu werten sein, formlos und doch wirkend. Heiliger Schall in einzigartiger Frequenz. und der Verlust der Schwestern auf hoher See wird damit nur noch einmal zur größeren Tragödie. Oh du schändlicher Abenteurer.
Man muss davon ausgehen, dass die meisten der heiligen Lieder auf ewig mit den Schwestern im Meer versunken sind. Die wenigen Lieder, die erhalten geblieben sind - so wie Land unter - sind ein göttliches Geschenk, wenngleich sie als solche bisher nie verstanden und behandelt worden sind. Sie gehören geehrt und in einem Tempel aufbewahrt. Sie gehören gesungen bis ans Ende aller Tage. Vor allem aber Gefühlt bis zum Ende aller Tage. Es spricht Bände, dass das bloße zitieren oder ablesen solcher Lieder keinerlei Effekt zeigt. Der Singende muss die Texte auch fühlen, die Inhalte verkörpern, kurzum dem Text seine gefühlte Bedeutung glaubhafte hinzufügen, sonst wird er seiner Gottheit nicht näher sein können. Das macht dieses Wunder um so bemerkenswerter. Und so sollte es die Aufgabe eines jeden sein, sich auf die Suche nach weiteren Liedern der Onirico zu machen.
Bisher konnten auf diese Art und Weise folgende Onirico-Lieder wiedergefunden und konserviert werden.
Lieder der Agitata Onirico
Ihre Lieder fangen das Brennen im Herzen ein – sowohl den Schmerz der Trennung als auch die unerschütterliche Hoffnung.
- Liedtitel: Land unter
- Wirkung: Erschafft ein "göttliches Band der Zugehörigkeit" zwischen zwei Liebenden. Unter der Wirkung des Silentiums ist es nur hörbar, wenn ein Liebender singt und der Partner zuhört. Es macht die unsichtbare Verbindung zwischen zwei Seelen physisch erfahrbar.
- Liedtitel: An der Mole von Efferdas
- Wirkung: Verleiht den Zuhörern eine übermenschliche Standhaftigkeit. Inspiriert durch die jahrzehntelange Treue der Traveca Mendes Gimenes, hilft es Menschen, selbst in aussichtslosen Situationen (Belagerungen, lange Reisen) nicht den Mut zu verlieren und auf ein Wunder zu vertrauen.
- Liedtitel: Flügelschlag
- Wirkung: Löst eine tiefe, reinigende Reue aus. Es konfrontiert den Zuhörer mit dem Kummer über Taten, die "gut gemeint, aber nicht gut" waren. Es bricht den Stolz derer, die aus Hybris handelten, und führt oft zu tränenreichen Entschuldigungen.
- Liedtitel: Der Kompass meines Herzens
- Wirkung: Hilft Menschen, die "verloren" sind (sowohl geografisch als auch im übertragenen Sinne), ihren Weg zu finden. Wer das Lied hört, verspürt plötzlich eine untrügliche Gewissheit, in welche Richtung er reisen oder welche Entscheidung er treffen muss.
- Liedtitel: Perlenregen
- Wirkung: Löst eine fast kindliche Euphorie und Hoffnung aus. Es wird gesagt, dass unter der Wirkung dieses Liedes selbst in den ärmsten Vierteln von Efferdas für eine Stunde niemand Hunger oder Kälte spürte, sondern nur die Kostbarkeit des Augenblicks.
- Liedtitel: Südwind-Serenade
- Wirkung: Erzeugt bei den Zuhörern eine Vision des Ortes, an dem sie am glücklichsten wären. Dies führt oft dazu, dass Menschen nach dem Konzert ihr altes Leben aufgeben, um ihren Träumen zu folgen – ein gefährliches, aber wunderschönes Geschenk.
Creszencia Onirico
Ihre Lieder sind wie die See selbst: Sie fordern ihren Tribut, lassen aber eine gewaschene, klare Welt zurück.
- Liedtitel: Oh du Tobende
- Wirkung: Wirkt wie ein emotionales Ventil. Der Zuhörer erhält den unwiderstehlichen Impuls, allen tief sitzenden Groll und angestauten Kummer schlagartig herauszulassen. Es ist eine "Sturmflut der Seele", nach der tiefe Erleichterung eintritt.
- Liedtitel: Mich kümmert nicht
- Wirkung: Verleiht eine "ultimative Resilienz". Selbst in Momenten höchster Gefahr oder psychischer Belastung bleibt der Geist des Zuhörers so unerschütterlich wie ein Fels in der Brandung. Panik und Zweifel perlen einfach an ihm ab.
Lieder der Sostena Onirico
Ihre Lieder sind meist ruhig, fast meditativ, und haben eine unheimliche, aber tröstliche Schwere.
- Liedtitel: Das Korallenbett
- Wirkung:. Wer dieses Lied gemeinsam mit einem Widersacher oder entfremdeten Partner hört, erlebt ein "Einschlafen" des Grolls. Alte Wunden werden wie von weichem Sand bedeckt. Es ermöglicht einen absoluten emotionalen Neuanfang, indem die bittere Erinnerung an das Unrecht verblasst.
- Liedtitel: Echo der blauen Tiefe
- Wirkung: Schenkt Sterbenden oder Schwerstkranken einen Moment absoluter Furchtlosigkeit vor dem Tod. Der Zuhörer empfindet das Jenseits nicht als Bedrohung, sondern als Rückkehr in ein sanftes, ewiges Meer.
- Liedtitel: Was die Flut verschluckt
- Wirkung: Ein "Reinigungs-Lied". Wer es hört, verliert für einige Stunden das Verlangen nach weltlichem Besitz oder Gier. Es wird oft genutzt, um Streitigkeiten um Erbe oder Beute beizulegen.
- Liedtitel: Das Findelkind der Gezeiten
- Wirkung: Wer es hört, verliert jegliches Misstrauen gegenüber Fremden. Der Zuhörer verdrängt Vorurteile oder Ängste und gibt sich anderen gegenüber barmherzig, unabhängig von ihrer Vergangenheit. Die Last des Lebens anderer ist für sie etwas, was sie abnehmen wollen, als wäre es eine im Meer versinkende Person, die es aus den Tiefen zu retten gilt.
Bekannte Texte
Land Unter
Der Wind steht schief
Die Luft aus Eis
Die Möwen kreischen stur
Elemente duellieren sich
Du hältst mich auf Kurs
Hab keine Angst vor'm Untergehn
Gischt schlägt ins Gesicht
Ich kämpf mich durch zum Horizont
Denn dort treff' ich dich
Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann
Steig zu mir an Bord
Übernimm die Wacht
Bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm
Faß mich ganz fest an
Dass ich mich halten kann
Bring mich zu Ende
Lass mich nicht mehr los
Der Himmel heult
Die See geht hoch
Wellen wehren dich
Stürzen mich von Tal zu Tal
Die Gewalten gegen mich
Bist du ozeanweit entfernt
Regen peitscht von vorn
Und ist auch sinnlos
Soll's nicht sein
Ich geb dich nie verloren
Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann
Steig zu mir an Bord
Übernimm die Wacht
Bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm
Faß mich ganz fest an
Das ich mich halten kann
Bring mich zu Ende
Lass mich nicht mehr los
Geleite mich heim
Rauhe Endlosigkeit
Bist zu lange fort
Mach die Feuer an
Damit ich dich finden kann
Steig zu mir an Bord
Übernimm die Wacht
Bring mich durch die Nacht
Rette mich durch den Sturm
Faß mich ganz fest an
Dass ich mich halten kann
Bring mich zu Ende
Lass mich nicht wieder los
Bring mich zum ende
Lass mich nicht mehr los
Als Griffe für die Okarina erhältlich
Land unter für heiligen Okarinen
irdisches =
- Der Liedtext zu Land unter ist im Original von Herbert Grönemeyer, identischer Text.
- Der Titel An der Mole von Efferdas ist angelehnt an den Song "En el Muelle de San Blas" von Mana