Das Mutter-Velaria-Haus ist ein von der Familie van Kacheleen gestiftetes Speise- und Bildungs in der Altstadt von Sewamund gegenüber der Villa St. Maralita neben dem Palazzo Aurelio. Benannt ist die Einrichtung nach Velaria Rintswaat, der Gemahlin Aurelio van Kacheleens. Während des Sewamunder Resolutionsaufstandes ließ sie große Mengen einfachen Eintopfs an Geflüchtete, Hafenarbeiter, Witwen und mittellose Bürger ausgeben. Aus der zunächst behelfsmäßigen Armenspeisung entstand eine dauerhafte Einrichtung.

Das Mutter-Velaria-Haus in der Sewamunder Altstadt

Das Wohnhaus wurde umgebaut und als Mutter-Velaria-Haus eröffnet. Der Backsteinbau wirkt weniger repräsentativ als benachbarte Palazzi, ist aber zweckmäßig und für die Versorgung der Menschen eingerichtet. Im Erdgeschoss liegen die Speisestube, eine geräumige Küche mit mehreren gemauerten Herden, Vorratskammern, eine Kleiderausgabe, ein Waschraum und ein kleines Zimmer der Verwaltung. Im Obergeschoss befinden sich Schlafsäle für Obdachlose und Kinder, kleinere Kammern für Familien und Räume für Kranke. Das Herzstück ist die große Speisestube. Lange Tische und Bänke bieten mehreren Dutzend Personen Platz. Mittags wird eine warme Mahlzeit ausgegeben; an kalten Tagen oder während Notlagen öffnet die Küche auch am Abend. Wer bezahlen kann, legt eine Münze in eine Spendendose. Wer nichts besitzt, erhält dieselbe Portion. Die Mahlzeiten bestehen aus Eintöpfen, Suppen, Brot und gelegentlich Fisch. Fleisch kommt meist an Festtagen oder nach Spenden auf den Tisch. In einer Seitenkammer werden gespendete Mäntel, Hemden, Schuhe und Decken gesammelt, ausgebessert und an Bedürftige ausgegeben.

An jedem Praiostag dient die große Speisestube als Schule für Kinder aus armen Familien, Waisen und junge Hilfskräfte der Altstadt. Unterrichtet werden Lesen, Schreiben, Rechnen, die Zwölfgötterlehre und Kenntnisse, die im Alltag Sewamunds nützlich sind. Ältere Schüler lernen etwas Buchführung, das Lesen von Frachtzetteln, Maße und Gewichte und das Abfassen kurzer Briefe und Gesuche. Die Lehrkräfte wechseln, neben einem bezahlten Schulschreiber helfen Novizen und Geweihte des Travia-Tempels, gelegentlich Schreiber des Magistrats, Leute aus dem Umfeld der Familie van Kacheleen und ältere Schüler der Horasschule. Der Unterricht beginnt nach dem morgendlichen Gebet und endet mit der Mittagsmahlzeit.

Der Leitung unterstehen Köche, Waschleute und Helfer. Velaria lässt sich über Vorräte und Ausgaben berichten und besteht darauf, dass die Bücher so ordentlich geführt werden wie die eines Handelshauses. „Mitleid ohne Rechnung“, wird ihr zugeschrieben, „ist nach drei Monden nur noch eine Erinnerung.“ Die Einrichtung des Hauses tat dem Ansehen der Familie van Kacheleen gut. Kritiker vermuten darin geschickte Wohltätigkeitspolitik und verweisen darauf, dass das Familienwappen über dem Eingang kaum zu übersehen sei. Die Familie entgegnet, ein gutes Werk werde nicht schlechter, wenn der Namen des Stifters darauf stehe. Unter armen Bewohnern genießt das Mutter-Velaria-Haus hohes Ansehen. Witwen von Seeleuten, Familien verunglückter Hafenarbeiter und Flüchtlinge wenden sich an die Einrichtung. Reiche Sewamunder betrachten das Haus gemischt, manche unterstützen es, andere fürchten, eine zu gute Versorgung könne Bettler aus dem Umland anziehen.

Volkes Stimme

„Mutter Velaria fragt nicht, ob man arm ist. Sie fragt, ob man gegessen hat.“
— Hafenarbeiterin

„Der Eintopf schmeckt jeden Tag anders. Das ist besser, als jeden Tag gleich zu hungern.“
— Bewohner des Hauses

„Mutter Velaria ist keine Geweihte. Aber Travia wird wohl nichts dagegen haben, wenn jemand ihre Arbeit erledigt.“
— alte Sewamunderin