Briefspiel:Von Loslassen, Neubeginn und Wundern/Ein neues Heim
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Ein neues Heim?

Die folgenden Tage hatte Floria reichlich Zeit, sich im Tsa-Tempel Urbasis einzuleben und bekam von Tilfur nur wenige Aufgaben zugeteilt.
Zur Zeit waren sie nur zu dritt im Tempel: der etwa 70-jährige Tilfur Maddalari, der einer alteingesessenen Handwerkerfamilie Urbasis entstammte, Elmira Danzola, eine Akoluthin von Mitte vierzig, ebenfalls aus Urbasi stammend und die Base des Zunftmeisters der Gefäßzunft ... und die Dritte im Bunde war nun Floria, in der Mitte ihrer Sechziger angelangt, Mutter von zwölf inzwischen erwachsenen oder verstorbenen Kindern, die gebürtig aus der Gegend von Ragath stammte und die letzten 45 Götterläufe in der Republik Efferdas gelebt hatte, obwohl sie immer wieder für einige Zeit auf Wanderschaft ging.
Das Trio fand schnell zusammen und schon nach wenigen Tagen war es, als würde man schon immer unter einem Dach leben. Floria kümmerte sich liebevoll um den Garten des Tempels. Neugierig wie sie war, ließ sie sich von Elmira dazu die Kunst der Glasbläserei zeigen, und Tilfur lehrte sie das Glasorgelspiel. Beides Disziplinen, in denen ihr ihr elfisches Blut sehr von Nutzen war, erforderte doch beides ein hohes Maß an Fingerfertigkeit, Geduld, Konzentration und Geschicklichkeit.
Tilfur war lediglich neun Götterläufe älter als Floria und so hatten die Beiden von Beginn an eine gute Verbindung. Am Abend saßen sie oft zusammen und erzählten sich gegenseitig von ihren Reisen und stellten gelegentlich fest, dass sie teilweise zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten die gleichen Personen getroffen oder zu verschiedenen Zeiten die gleichen Orte besucht hatten.
Zu ihren überraschend spannenden und oft auch lehrreichen Gesprächen fanden sich außer der Akoluthin Elmira Danzola auch immer öfter andere Zuhörer ein. Zum Teil waren es Gläubige aus der Stadt, die nach einem Tempelbesuch noch etwas verweilten, zum Teil Pilger, die vor ihrer Heim- oder Weiterreise in der Stadt übernachten mussten, aber nicht das Geld für eine Herberge hatten, aber auch Schüler der benachbarten Musici-Schule waren darunter – wobei letztere mehr an dem Glasorgelspiel Tilfurs interessiert waren als an den Lebensgeschichten zweier alternder Tsa-Geweihter.
Recht oft und immer regelmäßiger fand sich jedoch auch ein junger Mann, oder besser gesagt ein Jüngling, aus Agreppara ein und lauschte gebannt den Berichten der beiden so unterschiedlichen wie sich doch so ähnlichen Geweihten.